Bücher


Warum Luther die Reformation versemmelt hat. Eine vergnügliche Streitschrift von Friedrich Christian Delius Mailand – Im protestantischen Glaubensbekenntnis ist zwar die Rede von der „Gemeinschaft der Heiligen“, doch der Heiligenkult gehört seit den 95 Thesen des Reformators von Wittenberg abgeschafft. Ausgerechnet 500 Jahre nach diesem Thesenanschlag aber sind die protestantischen Kirchen dabei, aus dem ehemaligen Augustinermönch Martin Luther selbst eine Art Heiligen zu machen. Der Pastorensohn – und Agnostiker – Friedrich Christian Delius, geboren 1943 in Rom, hat ihn dagegen literarisch vom Sockel geholt. Und ihm, so auf Augenhöhe, bei einem „Humpen Bier“ sein Leid mit der Reformation geklagt. Denn die, so Delius, die habe Luther „versemmelt“.

EIN BIER MIT MARTIN


Die Buchmesse „Tempo di Libri“ blieb mit rund 70.000 Besuchern hinter den Erwartungen zurück, konnte jedoch fachlich überzeugen. Mailand – Am Sonntag den 23. April ist die erste Ausgabe der nationalen Buchmesse „Tempi di Libri“ („Zeit der Bücher“) zu Ende gegangen. Auf der vom italienischen Verlegerverband AIE in Mailand veranstalteten Messe hatten von Mittwoch 19. April rund 520 Aussteller (davon etwa 450 Verlage) ihre Angebote gezeigt. Auf insgesamt 720 Veranstaltungen traten an die 2000 Gäste (Branchenfachleute, Schriftsteller, Journalisten, Politiker u.a.) auf. Als Erfolg wurde das zur Messe eingerichtete Milan International Rights Center mit Verlagsvertretern und Literaturagenten aus 32 Ländern gewertet. Aus Deutschland waren unter anderen Bertelsmann, Fischer, Hanser und Wagenbach vertreten. Der Zuschauerzustrom der Verkaufsmesse blieb mit rund 70.000 Besuchern auf der Messe wie bei den Veranstaltungen in der Stadt hinter den Erwartungen zurück – ebenso der Umsatz der Verlage an den Ständen.

DER MAILÄNDER WEG



Gespräch mit Federico Motta, dem Präsidenten des italienischen Verlegerverbandes AIE, über den italienischen Buchmarkt und die neue Mailänder Buchmesse „Zeit der Bücher“ Mailand – Vom 19. bis zum 23. April findet in Mailand eine nationale Buchmesse unter dem Titel „Tempo di Libri“ („Zeit der Bücher“) als „Messe der italienischen Buchbranche“ (Untertitel) statt. Veranstalter ist der italienische Verlegerverband, die Associazione degli Editori Italiani (AIE). Der Verband hatte sich im Herbst vergangenen Jahres von dem Salone del Libro, der traditionellen Messe, die seit 30 Jahren in Turin organisiert wird, getrennt (siehe Cluverius „Mailand ist eine Messe wert“). Vorausgegangen waren monatelange Auseinandersetzungen mit der Betreibergesellschaft des Salone del Libro über die Leitung und Gestaltung der Veranstaltung, die in diesem Jahr vom 18. bis 22. Mai in Turin durchgeführt wird. Auf der Mailänder Messe werden rund 460 Verlage mit einem eigenen Stand vertreten sein, für Turin haben sich über 700 Aussteller (teilweise an Gemeinschaftsständen) gemeldet. Der italienische Buchmessenstreit war Anlass für ein Gespräch mit dem Präsidenten des Verlegerverbandes Federico Motta.

„WIR GLAUBEN AN DIESES PROJEKT“


Italien diskutiert den neuen Roman „Bruciare tutto“ von Walter Siti über einen pädophilen Priester. Widerwärtig, ein klassisches Problem der Ethik oder einfach nur eine anachronistische Debatte?     Mailand – In den italienischen Blättern findet man auf den Seiten der Literaturkritik selten Verrisse. Eine Ausnahme machte jetzt die Tageszeitung la Repubblica, die die Veröffentlichung des jüngsten Romans von Walter Siti „Bruciare tutto“ („Alles verbrennen“) zu einem „Fall“ erklärt. Die Philosophin Michela Marzano nennt Sitis Buch in ihrer Kritik „inakzeptabel“, weil es „spekulativ“ und „zynisch“ mit dem Thema Kirche und Pädophilie umgehen würde (siehe hier). Kaum war der Artikel am 13. April erschienen, brach in den Blättern wie im Web eine Debatte pro und contra Siti (und pro und contra Marzano) los, die auch über die Osterfeiertage anhielt.

IST DAS LITERATUR?



Ein Gespräch mit Dacia Maraini über Ausflüge in Schattenwelten, die Rolle der Aktualität für Literatur und einen komischen Vogel in ihrem jüngsten Roman „Das Mädchen und der Träumer“   Rom – Dacia Maraini, die im November 1936 in Fiesole als Tochter des Ethnologen Fosco Maraini und der sizilianischen Malerin Topazia Alliata geboren wurde, wird gerne als die große alte Dame der italienischen Literatur bezeichnet. Ihre größten Erfolge sind der historische Roman „Die stumme Herzogin“ (1991) oder „Bagheria“ (1994), ein Erinnerungsbuch über ihre Jugendzeit auf Sizilien. Dacia Maraini hat sich viele Jahre als Dramaturgin wie Organisatorin dem Theater gewidmet und in der Frauenbewegung engagiert. Ihr jüngster Roman „La bambina e il sognatore“ (Rizzoli 2015) ist jetzt im Folio Verlag unter dem Titel „Das Mädchen und der Träumer“ auf Deutsch erschienen (siehe auf Cluverius: „Spurlos verschwunden“). Bei einem Besuch in ihrer römischen Wohnung redet sie über das neue Buch aber auch über die Schule, über Träume oder über die Pflicht der Schriftsteller, zu aktuellen Fragen Stellung zu nehmen.

„TRÄUME SIND ZEICHEN, SIE SCHLAGEN ALARM“