Bücher


Kurze Anmerkungen zum Roman „Das Mädchen und der Träumer“ von Dacia Maraini, der im Folio Verlag erschienen ist Mailand – Nani Speranza, Grundschullehrer in einer norditalienischen Kleinstadtsiedlung, träumt von einem Mädchen im roten Mantel, dem er auf dem Weg zur Schule hinterher geht. Er hält das Kind zunächst für seine kurz zuvor an Leukämie verstorbenen Tochter. Doch dann merkt er enttäuscht, dass er sich geirrt hat – und wacht auf. Als er dann am Morgen im Radio von der Schülerin Lucia aus seiner Nachbarschaft hört, die vermisst wird, fragt er sich, ob nicht vielleicht sie es war, die er im Traum gesehen hat. Und will mehr über sie wissen. Lucia bleibt jedoch spurlos verschwunden. Wochen später schreibt die Polizei den Fall ab, es bestehe keine Hoffnung mehr, das Mädchen noch lebend zu finden. Der Lehrer gibt jedoch nicht auf, obgleich er sich mit seiner hartnäckigen Suche nach Lucia, von der er immer wieder träumt, bei den Behörden, den Bewohner der Siedlung wie bei seinen Vorgesetzten unbeliebt, gar verdächtig macht. Die Form des Kriminalromans In ihren Arbeiten benutzt Dacia Maraini öfter die Form des Kriminalromans – um zugleich von ihr abzuweichen. Zuletzt war das der Fall einer verschwundenen jungen Frau im […]

SPURLOS VERSCHWUNDEN


Das Buch „Henry James in Venedig“ und ein Gespräch mit Hanns-Josef Ortheil, der die Texte von James mit einem mehrteiligen Essay begleitet hat Venedig – Der Winter ist eine gute Jahreszeit, um die Lagunenstadt zu besuchen. Noch hat der Tourismus sie nicht so entstellend im Griff, wie zwischen Frühling und Herbst. Man kann Spuren nachgehen, die etwa ein Henry James (1843 – 1916) gelegt hat. Der amerikanische Autor reiste in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Male nach Venedig. Er dachte zeitweilig sogar daran, sich hier ganz niederzulassen. Wie er sich in kleinen Essays und Reiseberichten mit der Stadt auseinander gesetzt hat, ist in dem Band In Venedig nachzulesen, der in der Dieterich’schen Verlagsbuchhandlung (Mainz) erschienen ist. Der Stuttgarter Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil hat darin über einen begleitenden Essay gleichsam den Dialog mit James wie mit dem Leser gesucht. In einem Gespräch mit Hanns-Josef Ortheil ließen sich Eindrücke von der Lektüre des Buches vertiefen. Das Gespräch fand Mitte Dezember 2016 im Deutschen Studienzentrum Venedig (*) statt.

„ERST WENN DU TAG FÜR TAG DORT LEBST, SPÜRST DU ...



John Ruskins monumentale Untersuchung der Baukunst Venedigs im Mittelalter liegt jetzt als Auswahl in einer für den heutigen Leser verständlich gemachten Ausgabe vor. Venedig/ Wiesbaden – Als John Ruskin zusammen mit seiner Frau Effie im Herbst 1849 von London aus nach Venedig reiste, hielten Österreichische Truppen die Lagunenstadt in Folge der Unruhen der Jahre zuvor noch besetzt. Während der 22jährigen Effie die Herzen der Gesellschaft zuflogen und sie keine Festlichkeit ausließ, war ihr 30jähriger Mann tagtäglich auch bei widrigen Witterungsverhältnissen mit einem selbstgestellten Arbeitsauftrag unterwegs: die Architektur Venedigs vor allem aus dem Mittelalter zu dokumentieren. So entstanden in drei Bänden zwischen 1851 und 1853 „The Stones of Venice“, eines der erstaunlichsten Werke der frühen Kunstwissenschaft.

DIE STEINE VON VENEDIG


Italienische Weihnachten – eine Anthologie herausgegeben von Klaus Wagenbach Mailand – Weihnachten in Italien? Da geht es um die Frage, ob die Heiligen drei Könige mit einem Raumschiff unterwegs waren oder nicht. Da spielt ein Landstreicher zur Mitternachtsmesse auf der Orgel. Ein von der Welt enttäuschter Gott meint, die Menschen sollten sich zum Teufel scheren und mit dem Paradies sei es sowieso vorbei. Das sind ziemlich schräge Weihnachten, die Klaus Wagenbach uns mit seiner Anthologie präsentiert, in der er Heilig Abend gegen den Strich bürstet.

GEGEN DEN STRICH GEBÜRSTET



In Mailand wurde der Neubau für die Fondazione Feltrinelli eröffnet, den Herzog & de Meuron projektiert haben. Darin finden das riesige Archiv und die Bibliothek sowie Veranstaltungsräume und eine Buchhandlung (mit Café) Platz Mailand – Bei Feltrinelli kann man feiern. Der Mailänder Verlag hat mit Roberto Savianos neuem Roman über die Rolle von Jugendlichen im organisierte Verbrechen Neapels („La paranza bei bambini“) einen Verkaufsschlager im Programm, der seit Wochen alle Bestsellerlisten anführt. Und die Fondazione Giangiacomo Feltrinelli konnte ihren neuen Sitz beziehen, den Herzog & de Meuron unweit der Porta Garibaldi errichtet haben.

EINE LAIZISTISCHE KATHEDRALE