Bücher


Spannend und mit philosophischem Tiefgang: der Roman „Tod eines glücklichen Menschen“ von Giorgio Fontana Mailand – Italien im Jahr 1981. Auf den Terror von rechts antwortet der Terror von links. Staatsanwalt Giacomo Colnaghi gelingt es, den Anführer einer Splittergruppe der Roten Brigaden festzusetzen, die für den Mord an einem christdemokratischen Politiker verantwortlich ist. Recht und Gerechtigkeit sind für den gläubigen Katholiken Colnaghi keine leere Floskeln. Zugleich versucht er zu verstehen, woher der Hass der meist bürgerlichen Täter kommt, der wieder Hass bei den Opfern erzeugt – „am Ende ist da nur noch der Tod.“ Ein Tod, der sich überall zeigt, auch im Wohnviertel des Staatsanwalts, wo kurz zuvor zwei sozial engagierte und politisch aktive Jugendliche von einem neofaschistischen Schlägertrupp ermordet worden waren. Das sind keine guten Jahre in Italien.

„SIE WOLLTEN ALSO RACHE“


Die „Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten“ in 45 Bänden neu übersetzt und kommentiert Mailand/Berlin – Dieses verlegerische Ereignis ist entweder nur mit einem Satz oder nur mit einem längeren Essay zu fassen. Zwischenformen wären fehl am Platz. Der Satz lautet: Mit dem Band über Cimabue, Giotto und Pietro Cavallini ist im Verlag Klaus Wagenbach die Herausgabe einer Neuübersetzung und Kommentierung der „Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten“ von Giorgio Vasari nach der Fassung von 1568 in einer preisgünstigen Ausgabe im Taschenbuchformat abgeschlossen. Punkt.

DER WAGENBACH VASARI



Mailand. Noch immer sind Natur- und Geisteswissenschaften zwei von einander getrennte Welten. Und die Bewohner der einen kümmern sich in der Regel wenig um das, was auf dem anderen Planeten geschieht. Naturwissenschaft und Technik, obwohl sie im Zeitalter der Informatik und der digitalen Revolution Gesellschaft und Umwelt radikal verändern, bleiben vielen Menschen fremd. Die theoretische Physik etwa erscheint als ein Buch mit sieben Siegeln. Einsteins Relativitätstheorie ist bereits einhundert Jahre alt, aber was sagt sie genau aus? Und was will eigentlich die Quantentheorie belegen mit welchen Folgen? Was sind denn nun Quarks? Und welchen Gesetzen folgt die Architektur des Kosmos? Der Italiener Carlo Rovelli, Professor für Theoretische Physik an der Universität Marseille, hat in einer Artikelfolge für das Mailänder Wirtschaftsblatt „il Sole 24 ore“ sieben kurze allgemeinverständliche Lektionen über Physik geschrieben, die im vergangenen Jahr als schmales Buch erschienen sind, das noch heute ein Bestseller in Italien ist.

Carlo Rovellis Lektionen über Physik


Umberto Ecos neuester Roman „Nullnummer“ – eine (wenig überzeugende) Mediensatire Colonna fühlt sich verfolgt. Jemand hat sich nachts unbemerkt in der Wohnung des jungen Übersetzers und erfolglosen Autors von Kriminalromanen aufgehalten. Warum? Weil Colonna bei einem zwielichtigen Zeitungsprojekt mitgemacht hat? Weil er dabei Kenntnisse über dunkle Machenschaften der italienischen Geheimdienste gewonnen hat? Oder bildet er sich den nächtlichen Besuch nur ein? Mit Colonnas Ängsten beginnt „Nullnummer“, der neue Roman von Umberto Eco.

MAILÄNDER LÜGENPRESSE



Zum 90. Geburtstag von Andrea Camilleri (und zum 65. von Salvo Montalbano) Neunzig Jahre wird er alt und kann es nicht lassen. Andrea Camilleri schreibt auf Teufel komm raus ein Buch nach dem anderen. Er arbeitet schwer sehbehindert mühsam mit Riesenlettern auf dem Computer.In diesem Sommer ist gerade bei Sellerio (Palermo) ein neuer Band seiner Montalbano Krimiserie heraus gekommen. Ein weiterer ist in Vorbereitung. Während eine bislang nur als Beilage für den Corriere della Sera erschienene Erzählung „La Targa“ („Die Ehrentafel“) gerade bei Rizzoli (Mailand) überarbeitet als Buch veröffentlicht wird. Ohne das tägliche Schreiben kann der greise Autor offensichtlich nicht mehr leben.

FEUERWERK IN VIGATA