Bücher


Gedichte von Anna Maria Carpi Mailand. Anna Maria Carpi erzählt mit ihren Gedichten einfache Geschichten, lässt Situationen lebendig werden und Orte. Man wird von ihren Beobachtungen von der ersten Zeile an gepackt: „Zwei handgeschriebene Zettel / im Einkaufswagen: / Der da ist verdreckt, sagt eine biedere Dame, / und will ihn nicht.“ Eine oberflächliche Begegnung im Supermarkt, Einkaufszettel mit Warenwünschen von „Nesquik in der Tüte“ bis zu „Scheuermittel“. Alltag blitzt auf: „ Als sähe ich in eine Küche / in einer Nebenstraße, in einer Wohnung, / das Licht vom Hof, dann den Abend, / ein ganzes fremdes Leben, / und mir wird bange.“

AUF DER SUCHE NACH EINER GEHEIMTÜR


Andreas Löhrer über Nanni Balestrinis Rückkehr nach Berlin Vor gut 25 Jahren habe ich Nanni Balestrinis Roman Der Verleger über Giangiacomo Feltrinelli übersetzt. Es war meine erste Belletristik-Übersetzung. Ich fuhr nach Paris, um Balestrini zu treffen und ein Jahr später, nach Erscheinen des Romans auf Deutsch, kam er auch zu einer Lesung nach Hamburg. Ich kannte schon seine Romane Wir wollen alles und Die Unsichtbaren, die die politischen Bewegungen in Italien schilderten. Dass Balestrinis Werk viel umfassender ist, wurde mir erst nach und nach klar. 1990 stellte er z.B. bei der Biennale in Venedig seine grafischen Werke aus.

„DIE GROSSE REVOLTE“



Carl Wilhelm Macke über: „Wenn Venedig stirbt“. Eine Streitschrift von Salvatore Settis „Venedig!“  Mit diesem Ausruf grenzenloser Entzückung beginnt Mark Twain seinen Bericht über einen Besuch in der Lagunenstadt. Und Rose Ausländer lässt ein viel zitiertes Gedicht mit dem tröstlichen Bekenntnis enden: „Mein Venedig versinkt nicht“.   Unendlich viele Reiseberichte, Gedichte, Tagebucheintragungen, Erzählungen, auch Lieder und Filme wurden Venedig, der Serenissima, der heitersten aller Städte gewidmet. Ein Traum, ein Mythos, ein Sehnsuchtsort für Träumer, für Verliebte, für Melancholiker, für Kunsthistoriker, Künstler und solche, die es irgendwann einmal werden möchten.

WIDER DIE URBANE DEMENZ


Dario Fo erzählt die Geschichte des deutschen Meisterboxers und Sinto Johann „Rukeli“ Trollmann, der im KZ ermordet wurde Mailand – Der Boxer Johann Trollmann war ein Star der frühen 1930-Jahre. Er tänzelte wie später Muhammend Ali seine Gegner leichtfüßig aus. Schwarze Haare und eine wie Bernstein getönte Haut machten den jugendlichen Helden zum Liebling der Frauen. Das Schicksal: Johann Trollmann, geboren 1907 in Niedersachsen, gehörte dem Volk der Sinti an. Die Nationalsozialisten erkannten dem „Zigeuner“ einen Titel als Deutscher Meister im Halbschwergewicht, den der Profiboxer im Juni 1933 errungen hatte, wieder ab. Sie entzogen ihm die Boxlizenz und zwangen „Rukeli“, wie er in Romani, der Sprache der Roma und Sinti, genannt wurde, zu einem erniedrigenden Schattendasein. Im Krieg kämpfte er als Soldat für Hitlerdeutschland an der Ostfront. 1942 wurde Trollmann verhaftet, kam in ein Konzentrationslager und starb 1943. Diese sehr deutsche Geschichte erzählt jetzt Dario Fo in seinem neuesten Buch „Razza di zingaro“ italienischen Lesern.

EIN KÜNSTLER IM RING



Die römisch-jüdische Küche der Familie von Luciano Valabrega Rom. Die römische Art zu kochen, ist sicher nicht die kunstvollste unter den italienischen Küchen aber immer schmackhaft und zugleich eine höchst gesellige Angelenheit. Man genießt sie um so mehr, wenn die Gerichte mit Geschichten gewürzt sind, wie sie Luciano Valabrega von seiner jüdischen Familie zu erzählen weiß. Schließlich reicht die Tradition der jüdischen Küche viele Jahrhunderte zurück. Ein Bodensatz für heitere Geschichten aber auch für bittere etwa aus der Zeit Mussolinis und später unter der deutschen Besatzung, als die Familie sich verstecken musste.

NICHT AUF NÜCHTEREN MAGEN