Bücher


Italienische Diskussionen um den Schriftsteller Roberto Saviano Mailand/Turin/Rom – Roberto Saviano fühlt sich verfolgt. Journalisten kritisieren ihn. Im Internet macht sich Neid breit. Politiker zweifeln, ob es überhaupt noch Gründe gibt, ihm Personenschutz zu gewähren. Der wurde ihm vor zehn Jahren nach Morddrohungen von der Camorra verordnet. In seinem bei Mondadori verlegten Buch „Gomorra“ hatte er nicht nur die verbrecherischen Methoden der neapolitanischen Mafia beschrieben, sondern vor allem die Namen der Bosse genannt und sich so zum Todfeind der Clans gemacht. Seit dem Herbst 2006 kann sich der heute 36jährige Schriftsteller, der mit „Gomorra“ Weltruhm erlangte (Auflage bislang über 10 Millionen Exemplare), nur unter Begleitschutz bewegen. Was ihn aber nicht daran hindert, Kontakt mit dem Publikum zu suchen, das ihn oft wie einen Popstar empfängt und bejubelt.

ENTSCHULDIGUNG, ICH LEBE NOCH


 Sandor Weltmanns labyrinthische Erzählung „Città di mare con nebbia“  Mailand – Unheimlich geht es zu in der Erzählung Città di mare con nebbia, die ein gewisser Sandor Weltmann auf Deutsch geschrieben haben soll und die Hans Tuzzi jetzt übersetzt und beim Mailänder Verlag Skira herausgegeben hat. „Stadt am Meer im Nebel“ spielt am Ende des Jahres 1888 in einer deutschen Hafenstadt an der Ostsee. Ein Ungeheuer versetzt die Autoritäten in Angst und Schrecken, angesehene Bürger werden ermordet und ihren Leichen werden die Herzen beraubt. Ein geheimnisvoller Gast aus Portugal taucht auf und verschwindet wieder wie das Böse nach einer gespenstischen Jagd durch die Kanalisation.

GEHEIMNISVOLLE GÄSTE (UND AUTOREN)



Die italienische Buchmesse auf der Suche nach Neubestimmung Turin – Der Salone del Libro (12.-16.Mai) ist zu Ende und alle scheinen zufrieden. Die Verleger registrierten bei der italienischen Buchmesse, die eine Verkaufsmesse ist, ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr. Auch die Veranstalter atmeten auf, schließlich hatte es im Vorfeld Streit um Saudi Arabien gegeben, das nach Deutschland (2015) in diesem Jahr als Gastland auftreten sollte. Doch nach vehementen Protesten wegen der Unterdrückung der Meinungsfreiheit im Golfstaat, hatte man die Einladung wieder zurückgezogen. Dafür sollte allgemein der „arabische Raum“ Gastrecht haben, doch davon spürte man in den Hallen des Lingotto-Ausstellungsgelände nicht allzu viel.

ZWISCHEN LITERATUR UND SPEKTAKEL


Der Roman „Schwarze Seelen“ von Gioacchino Criaco beschreibt den kriminellen Lebensweg von drei Freunden zwischen einer Ortschaft in Kalabrien und Mailand. – Ein Lokaltermin Africo (Provinz Reggio Calabria) – Es geht über Stock, Stein und Gestrüpp. Dann wird der Blick frei auf ein Ruinendorf 800 Meter hoch im Aspromonte gelegen. Gioacchino Criaco bleibt stehen und sagt: „Hier.“ Diese Landschaft hier ist das Herz von allem. Auch das Herz einer kruden Geschichte, die Criaco in dem Roman „Schwarze Seelen“ erzählt. Die Geschichte handelt von drei Freunden aus der Locride, einem unterentwickelten Landstrich an der ionischen Küste von Kalabrien. Bereits als Jugendliche geraten sie in den 1970er Jahren auf die schiefe Bahn und führen ein Doppelleben. Wohlerzogen gehen sie zur Schule. Obgleich Kinder armer Leute, besuchen sie ein Gymnasium. Zugleich beschaffen sie sich mit der Beute von kleineren Raubüberfällen Waffen, um größere Raubüberfälle auszuüben.

DIE AUS AFRICO



Diogo Mainardi erzählt in „Der Fall“, wie sein Sohn mit einer schweren Behinderung aufwächst Venedig – Ein Ehepaar auf dem Weg zum Krankenhaus, das in der Scuola Grande di San Marco hinter der prächtigen, von Pietro Lombardo 1489 entworfenen Fassade untergebracht ist. Die Frau, hoch schwanger, hat Angst vor der Geburt, das Krankenhaus ist für Behandlungsfehler bekannt. Der Mann sagt: „Bei dieser Fassade nehme ich sogar ein verkrüppeltes Kind.“ Das Kind, Tito, wird falsch behandelt und leidet seitdem unter Zerebralparese. Muskelschwäche und spastische Lähmungen sind die Folge.Der Vater, der brasilianische Journalist und Schriftsteller Diogo Mainardi, fühlt sich schuldig an der Behinderung seines Kindes und wird gleichsam als neuer, anderer Mensch geboren: „Ich bin Titos Vater. Es gibt mich nur, weil es Tito gibt.“

SCHRITT FÜR SCHRITT