Im Film von Jonas Carpignano über das Erwachsenwerden eines jugendlichen Roma durchringen sich Fiktion und Dokumentation Mailand (Cinema Palestrina) – Der Film A Ciambra erzählt die Geschichte des 14jährigen Pio. Pio lebt in einer kleinen Gemeinschaft von Roma in Ciambra, einem berüchtigten Vorstadtviertel der Stadt Gioia Tauro (Kalabrien). Hier treffen Randgruppen der Gesellschaft aufeinander: Immigranten, Mafiosi und eben Roma, „die Zigeuner“. Eigentlich noch Kind will Pio in die Welt der Erwachsenen seiner Volksgruppe mit ihren Verhaltsmustern und Regeln meist jenseits der Legalität so schnell wie möglich hinein wachsen. Zäh verfolgte er sein Ziel, bis er, gleichsam als ein Initiationsritus, Verrat an dem afrikanischen Einwanderer Ayiva begehen soll, der ihm ein Freund geworden ist.
Gestern
Beim Rossini Festival in Pesaro thematisiert die Inszenierung der „Belagerung von Korinth“ durch La Fura dels Baus einen möglichen Krieg um die Wasservorräte der Erde. Pesaro (Adratic Arena) – Eine Hitzewelle überzieht Südeuropa. Wälder verbrennen, Flüsse und Seen trocknen aus und Wasser wird zu einer Kostbarkeit. Während die USA und Nordkorea aus vergleichsweise nichtigen Gründen ihre Atomwaffen in Stellung bringen, rückt so ein anderes Szenarium ins Bewusstsein – dass nämlich der nächste Weltkonflikt ein Krieg um die Ressource Wasser sein könnte. Wie sensibel Kunst und Kultur mögliche Problematiken vorweg nehmen können, kann man beim Rossini Opera Festival (ROF) in Pesaro an der Adriaküste erleben. Hier steht Oper „Le siège de Corinthe“ (Die Belagerung von Korinth) im Mittelpunkt. Roberto Abbado dirigiert das Italienische Rundfunkorchester der RAI und Carlus Padrissa vom katalanischen Kollektiv La Fura dels Baus inszeniert die Handlung um einen türkisch-griechischen Konflikt eben als einen Krieg ums Wasser.
in der Oper: Le siège de Corinthe
Der Film von Daniele Vicari geht trotz dramaturgischer Schwächen unter die Haut. Mailand (Cinema Mexiko) – Der Titel – „Sole cuore amore“ – klingt nach Sommerkomödie. Doch der Film von Daniele Vicari erzählt eine ganz andere Geschichte. Eli lebt mit ihrem chronisch arbeitslosen Ehemann und vier Kindern in Pomezia. Sie fährt jeden Morgen, sieben Tage in der Woche, nach Rom, 2 Stunden hin, 2 Stunden zurück, um acht Stunden in einer Kaffee-Bar zu arbeiten. Unter ihr wohnt Vale, Tänzerin und Performerin, die eine konfliktvolle Beziehung mit ihrer Mutter durchlebt. Zugleich fühlt sich Vale von ihrer Tanzpartnerin angezogen. Eli und Vale, in gleichsam geschwisterlicher Solidarität verbunden, müssen einen Alltag bestehen, in dem Arbeit Mangelware bleibt oder in einer von Prekariat bestimmten Schattenwirtschaft kaum das Überleben ermöglicht. Und in dem Familie, Liebe gar, auf wenige Gesten reduziert wird. Wie Elis älteste Tochter sagt: „Wenn Frau werden heißt, ein Leben wie Du zu führen, dann möchte ich lieber sterben.“
im Kino: Sole cuore amore
Francesco Bruni hat eine liebevolle und zugleich bittere Komödie über die Generationen gedreht. Mailand (Cinema Arcobaleno) – Ein 22jähriger Taugenichts, Alessandro, hängt den ganzen Tag mit seinen Freunden aus dem Viertel auf der Piazza rum. Dumme Sprüche, nichts im Kopf und unfähig tiefe Gefühle zu entwickeln. Doch bald erweist sich, dass man ihn und seine Freunde nicht so einfach abschreiben kann. Widerwillig nimmt Alessandro (Andrea Carpenzano) einen Job an. Er soll den 85jährigen Poeten Giorgio (Giuliano Montaldo), den die Alzheimerkrankheit nach und nach die Erinnerungen durcheinander bringt, auf Spaziergängen begleiten. Ein Dichter, der von seiner Umwelt längst vergessen worden ist. Was eine kopflastige Erzählung hart am Rand von Kitsch und Stereotype hätte werden können, wird in der liebevollen und zugleich bitteren Komödie „Tutto quello che vuoi“ („Alles, was du willst“) von Francesco Bruni stimmig.
im Kino: Tutto quello che vuoi
Der Erstlingsfilm von Roberto De Paolis erzählt eine Liebesgeschichte aus dem Alltag unserer Vorstädte zwischen Brutalität und Solidarität. Mailand (Cinema Anteo) – Sie, Agnese, ist gerade achtzehn Jahre alt; er, Stefano, 25. Sie lebt mit ihrer Mutter und engagiert sich in einer kirchlichen Jugendgruppe an der römischen Peripherie (Tor Vergata). Er lebt allein und kommt aus Problem beladenen sozialen Verhältnissen. Sie versucht sich von der Kontrolle und der erdrückenden Liebe der Mutter zu lösen. Er verdient sich Geld als Wächter eines heruntergekommenen Parkplatzes, der an ein Lager von Roma und Sinti grenzt. Agnese und Stefano begegnen einander und es beginnt eine schwierige Beziehung.
