Daniele Gatti dirigiert an der Scala eine umjubelte Aufführung von Richard Wagners einziger Oper semiseria Mailand (Teatro alla Scala) – Richard Wagner führt uns mit seinen Meistersingern (Uraufführung 1868) in die Renaissancezeit. Die Inszenierung an der Scala stellt sie unter der Regie von Altmeister Harry Kupfer in die Gegenwart. Die Geschichte eines Sängerwettstreits – als Preis winkt dem Sieger die einzige Tochter des reichsten Mannes der fränkischen Kaiserstadt – entwickelt sich auf dem Hintergrund des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Nürnberg und der Zeit des Wiederaufbaus . Die Brücke zwischen dem Gestern und Heute schlägt das von Daniele Gatti geführte Orchester mit einer wundervoll weichen Interpretation.
Gestern
Zwischen Lebensangst und Übermut – ein ungleichen Paar auf der Reise durch Italien. Zwei junge Erwachsene, denen es schwerfällt, erwachsen zu werden. Mailand (Cinema Mexico) – Paolo, 30 Jahre alt, lebt zurückgezogen in Turin in einer Problem beladenen homosexuellen Beziehung. Eines Abends trifft er auf die etwa gleichaltrige, im sechsten Monat schwangere Mia, die Sängerin einer Rockband. Nach einem Ohnmachtsanfall begleitet er sie ins Krankenhaus und beherbergt sie für eine Nacht in seiner Wohnung. Danach bringt die vitale, optimistische und zugleich etwas durchgedrehte Frau das stille Leben von Paolo völlig durcheinander.
im Kino: Padre d’Italia
Die Uraufführung von Emma Dantes neuestem Stück am Piccolo Theater Mailand (Piccolo Teatro) – Das Stück „Bestie di scena“ („Bühnentiere“), das jetzt am Piccolo uraufgeführt wurde, ist ein Arbeit über Schauspieler. 14 Darsteller, sieben Frauen und sieben Männer der sizilianischen Compagnia Sud Costa Occidentale, zeigen sich auf der Bühne splitternackt. In langen Proben haben sie sich unter der Regie von Emma Dante damit auseinander gesetzt, Scham abzulegen, Blicke auszuhalten und die eigene Körperlichkeit frei, gleichsam „tierisch“ in ein Bühnenspiel einzubringen. Die „Bühnentiere“ spielen und kämpfen, schreien und streiten, lachen und werden verrückt.
im Theater: Bestie di scena
Thomas Bernhards italienische Fassung von „Vor dem Ruhestand“ mit Elena Bucci und Marco Sgrosso, die das Stück auch inszeniert haben, zwischen menschlicher Tragödie und politischer Satire Mailand (Teatro dell’Elfo) – Das Stück, das wegen seiner realen politischen Bezüge eine Sonderstellung im Werk von Thomas Bernhard (1931 – 1989) hat, ist sperriger, als es zunächst scheint. Es nimmt den Fall des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger (CDU) zum Anlass, der währende der NS-Zeit als Marinerichter Todesurteile und Hinrichtungen zu verantworten hatte, was erst in den 1970er Jahre bekannt wurde und schließlich zum Rücktritt 1978 Filbingers führte. Der hatte sein Tun mit dem Satz entschuldigt „Was damals rechtens war, kann heute kein Unrecht sein“. Er war zuvor mit hohen Orden geehrt worden, unter anderen auch mit dem Verdienstorden der italienischen Republik (Ordine al Merito della Repubblica Italiana), was in Italien so gut wie unbekannt ist.
im Theater: Prima della Pensione
Die Scala eröffnet ihre Spielzeit mit Giacomo Puccini. Am Pult überzeugt Riccardo Chailly, ansprechend die Sänger, weniger überzeugend die Regie von Alvis Hermanis Mailand (Teatro alla Scala) – Zur Saisoneröffnung griff die Scala auf einen ihrer größten Misserfolge in der Geschichte zurück – auf die Welturaufführung von Puccinis „Madama Butterfly“ am 17. Februar 1904 an der Mailänder Bühne. Nachdem die Inszenierung beim Publikum wie bei der Kritik durchgefallen war, veränderte der tief enttäuschte Komponist das Stück durch Kürzungen und Umstrukturierungen (u.a. drei statt zwei Akte). Ein paar Monate später gelang der Butterfly nach einer Neuinszenierung in Brescia ein triumphaler Neustart. Heute gehört die tragische Geschichte um die treue Cio-Cio-San aus Nagasaki und ihre enttäuschte Liebe zu dem amerikanischen Marineoffizier F.B. Pinkerton weltweit zu einer der meistgespielten Opern.
