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Vor 25 Jahren brannte in Venedig das Gran Teatro la Fenice bis auf die Grundmauern ab, nachdem Handwerker Feuer gelegt hatten. Sieben Jahre später konnte das Haus „wo es war und wie es war“ wieder eröffnet werden. Zum Jubiläum spielt die Feuerwehrkapelle Venedigs – wegen Covid-Einschränkungen ohne Publikum Mailand/Venedig – Es ist Montag der 29. Januar 1996. Dunkelheit umhüllt Venedig nach einem kalten Wintertag. Um 20 Uhr 58 geht bei der Feuerwache ein Anruf ein. Eine Frau meldet starke Rauchentwicklung in einem Seitenflügel des Gran Teatro la Fenice, den sie gegenüber von ihrem Arbeitsplatz in einem Hotel sehen kann. Das Opernhaus ist seit einigen Wochen wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Wenige Minuten nach dem Anruf erreicht die erste Feuerwehreinheit das weltberühmte Theater. Durch die Fenster der Fassade leuchten bereits Flammen.

PHOENIX AUS DER ASCHE


Spitzenköche kommentieren Gemälde der Uffizien und lassen sich von ihnen zu Kochtipps inspirieren Mailand/Florenz – Das ist eine Idee, die man sich auf der Zunge zergehen lassen kann: unter dem hashtag „#uffizidamangiare“ stellt das Florentiner Museum neuerdings jeden Sonntag ein kurzes Video auf seine Facebookseite, in dem eine bekannte Küchenchefin oder ein bekannter Küchenchef Gemälde mit gastronomischen Motiven der Sammlung der Uffizien oder des Palazzo Pitti kommentiert und Tipps zur Zubereitung der abgebildeten Lebensmittel gibt. Direktor Eike Schmidt hofft so, „eine stärke Anbindung an die Werke des Museums zu schaffen, sie in einen aktuellen und lebendigen Kontext zu stellen.“

WOHL BEKOMMS!



Vor 100 Jahren wurde in Livorno der Partito Comunista d’Italia gegründet – 70 Jahre später ging er sang- und klanglos unter, nachdem die Partei in der Nachkriegszeit die italienische Demokratie gestärkt hatte.  Mailand – „Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Kommunismus.“ Mit diesem berühmten Satz beginnt das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels aus dem Jahr 1848. Es sollte über ein halbes Jahrhundert dauern, bis das Gespenst sichtbare Gestalt annahm: nach der Oktoberrevolution 1917 gründeten die Bolschewiken die Kommunistische Partei Russlands. 1919 wurde auf Betreiben Lenins in Moskau die Kommunistische Internationale ins Leben gerufen, die die Weltrevolution vorantreiben sollte. Kommunistische Parteien entstanden in Europa meist nach Fraktionskämpfen innerhalb der sozialistischen Bewegungen zwischen Revolutionären und Reformisten. In Deutschland wie etwa in Jugoslawien, Frankreich oder Griechenland. Auch in Italien spitzte sich der Flügelkampf in der sozialistischen Partei zu, bis es im Januar 1921 in Livorno auf dem 17. Parteitag des Partito Socialista Italiano zum endgültigen Bruch kam.

ALS DIE PARTEI IM REGEN STAND


100 Jahre Leonardo Sciascia (3): Ein unangemeldeter Besuch beim Schriftsteller in der Contrada Noce – Fragmente eines Gesprächs anderthalb Jahre vor seinem Tod Mailand – Es war ein warmer Tag Ende April 1988. Allein unterwegs mit dem Auto in Sizilien, an diesem Tag von Gela nach Agrigent. Irgendwann kam die Idee, in Racalmuto, im Geburtsort von Leonardo Sciascia, Halt zu machen. Wir hatten uns zuvor ein paar Mal gesprochen, fünf Jahre zuvor etwa in Rom am Ende seiner Zeit als Abgeordneter für den Partito Radicale, oder später bei einer Veranstaltung und zu einem Essen in Taormina zusammen mit Gesualdo Bufalino. Ob Sciascia überhaupt in seinem Landhaus war? Eine Telefonnummer gab es nicht. Freundlich gaben Bewohner Auskunft, der Weg durch die Contrada Noce zum hinter Mandelbäumen versteckten Haus war trotzdem nicht leicht zu finden. Es war bereits später Nachmittag. Ein Überfall, entschuldigen Sie bitte. – „Haben Sie bis morgen Zeit? Dann kommen Sie morgen Nachmittag wieder.“ – Auch wenn Feiertag ist? – „Auch wenn Feiertag ist.“

EIN AUF STRASSEN WANDERNDER SPIEGEL



100 Jahre Leonardo Sciascia (2): Die essayartige Erzählung „Tod des Inquisitors“ endlich auf Deutsch in dem Band „Ein Sizilianer von festen Prinzipien“ Mailand – Das ist ein wohl komponiertes Buch, das zum 100. Geburtstag von Leonardo Sciascia zwei seiner bislang noch nicht ins Deutsche übersetzten Texte mit einem hintergründigen Porträt Sciascias von der Literaturkritikerin Maike Albath sowie einer Anmerkung von Santo Piazzese, Schriftsteller von Kriminalromanen aus Palermo, verbindet. Im Zentrum steht der Text Morte dell’inquisitore („Tod des Inquisitors“) aus dem Jahr 1964/67. In ihm erzählt Sciascia eine Geschichte aus dem 17. Jahrhundert, die Geschichte vom Leben und Sterben des Augustinermönchs Diego La Matina, der wie Sciascia aus dem kleinen Ort Racalmuto bei Agrigent stammte.

»DAS MIR TEUERSTE VON ALLEM, WAS ICH GESCHRIEBEN HABE»