Reiseführer, Essay und Lesebuch zugleich – Dieter Richter hat mit „Die Insel Capri“ ein wundervolles Porträt der Perle im Golf von Neapel geschrieben Mailand/Capri – Insel für Einsiedler, Wunder der Welt oder wie bereits von Rilke beklagt als „Fremdencapri“ vom Tourismus überschwemmt? Capri, schreibt Dieter Richter sei heute „Ort und Un-Ort zugleich“. Es scheint als schwimme die Insel in einem Meer von „unterschiedlichen Sehnsüchten, Werbestrategien und Phantasien“. Das hat viele mit Geschichte und sehr viel mit touristischer Vermarktung zu tun. Aber eben auch mit der einzigartigen Lage im Golf von Neapel. Capri liegt vom blauen Meer umschlungen, auf das von unzähligen Aussichtspunkten immer wieder der Blick fällt. Im Inneren zeigt Capri verwirrend viele Gesichter. Denn, so Richter, es gebe keine Insel, „in die eine derartige Fülle historischer und kultureller Zeichen eingeschrieben ist.“
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Mario Martone erzählt in einer Art Bildungsroman von der Ziegenhirtin Lucia und beschreibt die Faszination (und das Scheitern) alternativer Lebensformen Mailand (Cinema Anteo) – Eine Gruppe von Aussteigern aus verschiedenen europäischen Ländern suchen auf Capri in den Jahren vor Ausbruch des ersten Weltkrieges ein Refugium. Sie möchten abgeschieden vom bewohnten Teil der Insel in der Natur und mit Mitteln der Musik und des Tanzes neue Formen des Zusammenlebens ausprobieren. Für Lucia, eine zwanzigjährige Ziegenhirtin und Analphabetin, bedeutet dagegen Natur Arbeit um zu überleben. Sie fühlt sich von der Gruppe und besonders von ihrem Anführer, dem Maler Seybu, angezogen. Lucia bricht mit ihrer Familie und schließt sich der Gruppe an, wo sie Lesen, Schreiben und Englisch lernt.
im Kino: Capri-Revolution
Die Lagunenstadt darf jetzt auch von Tagespendlern eine Ortstaxe verlangen. Aber hat noch keinen Modus dafür gefunden Venedig – Wie soll das gehen? Drehkreuze und Kassenhäuschen an der Piazzale Roma, vor dem Bahnhof, am Flughafen? Aufpreise für Bahn-, Bus-, Schiff- und Flugtickets? Ein obligatorischer Venedig-Pass? Abbuchung vom Handy? Zugang nur nach Vorbestellung? Sonderregelungen für Museums- und Biennale-Besucher? Muss man demnächst Schlange stehen, wenn man nach Venedig will?
SCHLANGESTEHEN VOR VENEDIG?
Mit Simon Stephens Erfolgsstück am Teatro Elfo Puccini ins neue Jahr Mailand (Teatro Elfo Puccini bis 13.1.) – Die Geschichte von Christopher Boone handelt von einem verhaltensgestörten aber mathematisch hochbegabten Jugendlichen, der in einer englischen Kleinstadt allein mit seinem Vater lebt. Christopher möchte den gewaltsamen Tod eines Hundes in seiner Nachbarschaft aufklären und löst dabei das Rätsel um seine verschwundene Mutter. Mark Haddon erzählt die ernste Geschichte mit leichter Hand in seinem Erfolgsroman The Curious incident of the Dog in the Night-Time (2003). Der auch in Deutschland vielgespielte Simon Stephens hat daraus ein Bühnenstück gemacht (2012), das zunächst in London und dann in New York das Publikum begeisterte. Ferdinando Bruni und Elio De Capitani haben es jetzt im Teatro Elfo Puccini für das italienische Publikum bearbeitet herausgebracht – eine Inszenierung, die seit der Premiere am 5. Dezember für ausverkaufte Vorstellungen sorgt.
im Theater: Lo Strano Caso del Cane Ucciso a Mezzanotte
Cassino im Dezember – Nieselregen empfängt den Reisenden, der am frühen Vormittag aus dem Bahnhof tritt. Die Abtei Montecassino thront hoch oben auf der Hügelkuppe im Dunst. Ein Kleinbus wartet am Bahnhofsplatz auf Studenten und Professoren, um sie zu den Einrichtungen der in der Kleinstadt 1979 gegründeten staatlichen Universität des südlichen Latiums (fünf Fakultäten, 8000 Studierende) zu bringen. Der Kiosk zur Information von Touristen ist verriegelt. Möglich, dass auch Sehenswürdigkeiten aus der Antike wie die Ruinen des römischen Theaters oder die das Amphitheaters so kurz vor Weihnachten nicht zu besichtigen sind.
