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Beeindruckend: „The Floating Piers“ von Christo am Lago d’Iseo Lago d’Iseo/Brescia (18.6. bis 3.7. 2016) – Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl. Man betritt in Sulzano am Ostufer des Lago d’Iseo den auf der Oberfläche schwimmenden Steg und geht schnurgerade auf die im See liegende Insel Monte Isola zu, die wie ein kleiner Berg aus dem Wasser ragt. Der Boden federt unter den Füßen. Und wenn Wellen kommt, übertragen sich leicht ihre Bewegungen. Sorgenvoll geht der Blick zum Himmel und zu den grauen Wolken, die vorüber ziehen. Gewitter und Platzregen hatten gerade in den vergangenen Tagen die Fertigstellung des neuesten Projektes von Christo erschwert. Doch die Arbeit an den „Floating Piers“ ist getan, dunkelgelb zeichnet sich der wie mit einem Lineal gezogene Weg der „schwimmenden Molen“ übers Wasser zur Monte Isola ab, und zu der kleinen Nachbarinsel, der Isola San Paolo.

EIN FLÜCHTIGES ERLEBNIS


Italienische Diskussionen um den Schriftsteller Roberto Saviano Mailand/Turin/Rom – Roberto Saviano fühlt sich verfolgt. Journalisten kritisieren ihn. Im Internet macht sich Neid breit. Politiker zweifeln, ob es überhaupt noch Gründe gibt, ihm Personenschutz zu gewähren. Der wurde ihm vor zehn Jahren nach Morddrohungen von der Camorra verordnet. In seinem bei Mondadori verlegten Buch „Gomorra“ hatte er nicht nur die verbrecherischen Methoden der neapolitanischen Mafia beschrieben, sondern vor allem die Namen der Bosse genannt und sich so zum Todfeind der Clans gemacht. Seit dem Herbst 2006 kann sich der heute 36jährige Schriftsteller, der mit „Gomorra“ Weltruhm erlangte (Auflage bislang über 10 Millionen Exemplare), nur unter Begleitschutz bewegen. Was ihn aber nicht daran hindert, Kontakt mit dem Publikum zu suchen, das ihn oft wie einen Popstar empfängt und bejubelt.

ENTSCHULDIGUNG, ICH LEBE NOCH



Vor 70 Jahren wählte Italien die Monarchie ab und entschied sich für die Republik als Staatsform Rom – König oder Präsident, Monarchie oder Republik? Vor 70 Jahren musste Italien sich entscheiden. Das Königshaus hatte bis 1943 die faschistischen Diktatur mitgetragen und war dadurch diskreditiert. Nach der Befreiung Roms 1944 hatten die Savoyer noch versucht zu retten, was nicht mehr zu retten war. König Vittorio Emanuele III. übertrug die Amtsgeschäfte seinem Sohn Umberto als Statthalter. Auf der Druck der politischen Parteien, vor allem der Christdemokraten, machten die Besatzungsmächte nach Kriegsende den Weg frei für ein Referendum über die Staatsform. Umberto richtete im März 1946 per Dekret eine Volksabstimmung ein, die über die Zukunft Italiens entscheiden sollte. Zugleich sollten die Mitglieder einen Verfassungsgebenden Versammlung gewählt werden.

Eine Torte mit ganz viel Sahne


Die italienische Buchmesse auf der Suche nach Neubestimmung Turin – Der Salone del Libro (12.-16.Mai) ist zu Ende und alle scheinen zufrieden. Die Verleger registrierten bei der italienischen Buchmesse, die eine Verkaufsmesse ist, ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr. Auch die Veranstalter atmeten auf, schließlich hatte es im Vorfeld Streit um Saudi Arabien gegeben, das nach Deutschland (2015) in diesem Jahr als Gastland auftreten sollte. Doch nach vehementen Protesten wegen der Unterdrückung der Meinungsfreiheit im Golfstaat, hatte man die Einladung wieder zurückgezogen. Dafür sollte allgemein der „arabische Raum“ Gastrecht haben, doch davon spürte man in den Hallen des Lingotto-Ausstellungsgelände nicht allzu viel.

ZWISCHEN LITERATUR UND SPEKTAKEL



Eine Neuinszenierung der Dreigroschenoper am Piccolo Teatro Mailand – Am Anfang hat Mackie Messer schon die Schlinge um den Hals. Die Inszenierung der Dreigroschenoper am Mailänder Piccolo Teatro zieht das Stück von hinten auf. Das Urteil ist gesprochen, Mackie muss hängen. Wie in einer Rückblende entwickelt sich dann die Geschichte bei einem Gerichtsprozess, den sich Regisseur Damiano Michieletto als erzählerischen Rahmen erdacht hat, in den die einzelnen Szenen und Songs mit der Musik von Kurt Weill eingebettet sind. Ort der Handlung ist ein vergitterter Gerichtssaal. Verräterischen Huren, korrupte Polizisten, verbrecherische Unternehmer sitzen, soweit sie nicht in die Handlung eingebunden sind, auf der Bank der Geschworenen. In einer Welt, die gut sein möchte, es aber nicht kann – denn „die Verhältnisse, sie sind nicht so“ – gehen die Sphären der Justiz und des Verbrechens ineinander über.

KORRUPT SIND WIR ALLE