Brecht, Strehler und das Piccolo Teatro: eine 60 Jahre lange Geschichte Mailand – Nein, ein Pferd, das passte nicht in die Neuinszenierung der Dreigroschenoper am Piccolo Teatro, die Damiano Michieletto ganz in die Gegenwart transportiert hat. Der Regisseur bleibt zwar dem Originaltext weitgehend treu, verzichtet aber auf den reitenden Boten, der die Nachricht von der Amnestie überbringt und Mackies Kopf rettet. Der Bote kommt zu Fuß mit einem Aktenkoffer voller Geld ( – siehe die Besprechung der Inszenierung „Korrupt sind wir alle“). Ein Pferd gab es noch bei der ersten Aufführung der Dreigroschenoper am Piccolo Teatro 1956 durch Giorgio Strehler. Mit dieser Inszenierung begann eine 60 Jahre lange Geschichte von Zuneigung und Misstrauen zwischen der Mailänder Bühne, Brecht und dem Suhrkamp Verlag, bei der manchmal – zumindest verbal – die Fetzen flogen.
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Der Roman „Schwarze Seelen“ von Gioacchino Criaco beschreibt den kriminellen Lebensweg von drei Freunden zwischen einer Ortschaft in Kalabrien und Mailand. – Ein Lokaltermin Africo (Provinz Reggio Calabria) – Es geht über Stock, Stein und Gestrüpp. Dann wird der Blick frei auf ein Ruinendorf 800 Meter hoch im Aspromonte gelegen. Gioacchino Criaco bleibt stehen und sagt: „Hier.“ Diese Landschaft hier ist das Herz von allem. Auch das Herz einer kruden Geschichte, die Criaco in dem Roman „Schwarze Seelen“ erzählt. Die Geschichte handelt von drei Freunden aus der Locride, einem unterentwickelten Landstrich an der ionischen Küste von Kalabrien. Bereits als Jugendliche geraten sie in den 1970er Jahren auf die schiefe Bahn und führen ein Doppelleben. Wohlerzogen gehen sie zur Schule. Obgleich Kinder armer Leute, besuchen sie ein Gymnasium. Zugleich beschaffen sie sich mit der Beute von kleineren Raubüberfällen Waffen, um größere Raubüberfälle auszuüben.
DIE AUS AFRICO
Die 21. Internationale Triennale Mailand unter dem (etwas schwammigen) Motto „Design after Design“ Mailand (bis 12. September). Mailand hat wieder eine richtige Triennale. Als Gegenstück zur internationalen Kunstbiennale von Venedig wurde 1923 zunächst in Monza und zehn Jahre später in der lombardischen Metropole die Triennale eingerichtet. Sie sollte alle drei Jahre unter internationaler Beteiligung Einblicke in die innovative Gestaltung von Gebrauchsgegenständen aus Industrie und Handwerk ermöglichen. „Vom Löffel bis zur Stadt“ hatte einst der Architekt und Vordenker Gio Ponti das Programm umschrieben. Bis 1996 wurden 20 Ausgaben veranstaltet. Nach einer langen Pause hat jetzt am 2. April die 21. Internationale Triennale Mailand eröffnet. Bis zum 12. September sind an verwirrend vielen Orten der Stadt 11 Haupt- und 16 Nebenausstellungen zu sehen – einige davon sogar in Monza. Erwartet werden 300 000 Besucher.
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Aldo Manuzio und die Renaissance – eine faszinierende Ausstellung in Venedig Venedig (Galleria dell’Accademia bis 19.Juni) – Aldo Manuzio, 1449 in der Nähe von Rom geboren, hatte in Rom und Ferrara studiert und sich mit neuen Ideen zum Griechischunterricht einen Namen gemacht. In Venedig sorgte er sich vom Ende des Jahrhunderts an bis zu seinem Tod 1515 als Verleger um die Verbreitung der humanistischen Kultur. Dafür entwickelte er eine neue, handliche Form von Büchern, mit denen die Literatur der griechischen und römischen Antike auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wurde. Was wiederum das kulturelle Klima in Venedig nachhaltig beeinflusste. Wie in diesem Wechselspiel Künstler mit bislang neuen Bildmotiven reagierten, zeigt die Ausstellung „Aldo Manuzio – die Renaissance von Venedig“.
KULTURELLE WENDE
Ein Besuch bei Dario Fo, der seinen 90. Geburtstag feiert Mailand – Dario Fo sitzt in seinem Arbeitszimmer an einem langen Holztisch, der mindestens so alt ist wie sein 90jähriger Besitzer. Er trägt einen fleckigen Arbeitskittel, für den er sich entschuldigt. Seine Finger, mit der er ein Blatt im A3 Format hält, auf dem er sich mit großen, etwas unsicheren Lettern Notizen gemacht hat, sind voller Farbspritzer. Im Raum nebenan, dem Salon der Mailänder Wohnung unweit der Porta Romana, stapeln sich Leinwände wie in einer Künstlerwerkstatt. Sie sind gegeneinander gelehnt, bedecken das Sofa, reihen sich vor Beistelltischen voller Erinnerungsstücken, Masken und Teller mit Nüssen. Zeichnungen und großformatige Gemälde bedecken auch die Wände. Gemälde nach Motiven klassischer Meister, Theater- oder Tanzszenen, Porträts oder farbenprächtige Illustrationen zu jüngsten Erzählungen.
