500 Jahre Ghetto in Venedig (2): Eine Abschließung, die keine Ausgrenzung war, denn man brauchte die Juden Venedig – Das ist ein ungewöhnlicher Platz für diese Stadt. Er ist merkwürdig trapezartig geformt, hier stehen Bäume, und um sie herum spielen Kinder. Häuser wachsen an einer Seite hoch in den Himmel wie sonst in keinem anderen Viertel, aber auf der Seite gegenüber bleiben sie ganz flach. Und keine Kirche weit und breit. Jedenfalls keine christliche. Dafür gibt es gleich drei Synagogen, denn dies ist der Campo del Ghetto Nuovo, der zentrale Platz des Judenviertels von Venedig. Eine der Synagogen erkennt man an ihrer Fensterreihung, fünf schlanke Fenster statt wie bei ähnlichen venezianischen Palästen vier. Fünf Fenster, die die fünf Bücher der Tora symbolisieren.
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Ausstellungen über Luca Ronconi an der Scala und am Piccolo Mailand – Vor einem Jahr, am 21. Februar 2015, starb Luca Ronconi kurz vor seinem 82 Geburtstag. Das Teatro alla Scala und das Piccolo Teatro erinnern jetzt mit mehreren Veranstaltungen an den bedeutenden Theater- und Opernregisseur. Dazu gehören eine Ausstellung in den Scala-Werkstätten, die im ehemaligen Industriekomplex Ansaldo untergebracht sind, sowie eine multimediale Installation im neuen Ausstellungsbereich „RovelloDue“ im Teatro Grasso, dem traditionellen Sitz des Piccolo.
EIN TRAUM VON UNENDLICHKEIT
Zum Tod von Umberto Eco Mailand – Er war ein Philosoph und verschlang Comics. Leidenschaftlich diskutierte er Fragen der Zeichentheorie, und ebenso passioniert mischte er sich in Debatten über Populärkultur ein. Um diese zu verstehen, so sagte er einmal, müsse man sie lieben. Bissig kommentierte er Fragen der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, mit Witz würzte er jede private Unterhaltung und die meisten seiner Reden. Er sammelte alte Bücher, und kurz vor seinem Tod gründete er noch einen neuen Verlag. Posthum erscheint jetzt sein letztes Buch „Pape Satàn Aleppe“. Umberto Eco ist am Abend des 19. Februars im Alter von 84 Jahren in seiner Mailänder Wohnung gestorben. Italien und die ganze kulturelle Welt trauert um einen großen Intellektuellen.
DIE LIEBE ZU LISTEN UND STREICHHOLZBRIEFEN
500 Jahre Ghetto (1) – ein Gespräch mit dem Historiker Romedio Schmitz-Esser vom Deutschen Studienzentrum Venedig Der Historiker und Kulturwissenschaftler Romedio Schmitz-Esser leitet das Deutsche Studienzentrum Venedig. Die interdisziplinäre Einrichtung, die hauptsächlich von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert wird, fördert seit 1972 wissenschaftliche Arbeiten und Projekte zur Geschichte und Kultur Venedigs und seiner ehemaligen Herrschaftsgebiete. Junge Wissenschaftler aber auch Künstler werden vom Studienzentrum mit Stipendien unterstützt. Laufende Forschungsprojekte reichen von den Beziehungen Venedigs und seines Hinterlandes mit dem asiatischen Raum im Mittelalter bis zur Unterdrückung des Jazz in Venedig während des Faschismus oder der Erarbeitung einer Luigi-Cherubini-Werkausgabe. Zu den Schwerpunkte im Jahr 2016 gehört auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte des jüdischen Ghettos, das im März 1516, also vor genau 500 Jahren, von der Serenissima per Gesetz eingerichtet wurde. Es ist das erste Ghetto der Geschichte überhaupt.
„IN GEWISSER WEISE WAR VENEDIG AUCH EIN TOLERANTER ORT“
Italien entdeckt mit einer Ausstellung in Bologna die expressionistische Fotowelt von Jakob Tuggener Bologna (bis 17.4.) – Unter den bedeutenden Fotografen des 20. Jahrhunderts ist der Schweizer Jakob Tuggener (1904-1988) der große Unbekannte. Sein Werk durchziehen so unterschiedliche Themenbereiche wie das Arbeitsleben in der Fabrik oder die Luxuswelt auf Ballveranstaltungen der Oberschicht. Eigenwillig und starrköpfig hatte sich Tuggener sein Leben lang von der Ausstellungsszene und der Verlagswelt ferngehalten. Zu Lebzeiten veröffentlichte er mit „Fabrik“ (1943) einen einzigen Fotoband. Ohne Folgen blieben Ausstellungserfolge am Museum of Modern Art in New York (1955) oder in München (1969). Nach seinem Tod entwickelte sich ein zäher Streit um sein Erbe. Seit wenigen Jahren wird die Bedeutung des Fotografen aus Zürich, der expressionistische Einflüsse mit der Industriefotografie zu verbinden wusste, langsam auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Bei Steidl (Göttingen) erschien 2012 ein Reprint seines Fabrik-Bandes. In der Foto-Gallery des Kulturzentrum MAST von Bologna ist gerade eine Ausstellung unter dem Titel „Jakob Tuggener Fabrik/Nuits de Bal“ zu sehen.
