In Italien versuchen rechtspopulistische Bürgermeister „linksverdächtige“ Kultureinrichtungen umzupolen Padua – Wer in Italien Kultur unters Volk bringen will, gründet ein Festival. Insgesamt gibt es rund 1200 jährlich wiederkehrende Kulturfestspiele, so viele wie in keinem anderen europäischen Land. Allein 200 davon widmen sich dem Thema Literatur. Zum Beispiel auch in Padua die Fiera delle Parole . Dort gab es jetzt Protest. Am Montag Abend zogen mehrere Hundert Menschen vor das Rathaus der drittgrössten Stadt Venetiens. Sie wehrten sich mit einem Happening gegen die Schliessung der „Wörter-Messe“ für die in den klammen Kassen der Kommune angeblich keine Finanzmittel mehr aufzutreiben sind. Das Festival hatte die alte Universitätsstadt mit zuletzt rund 200 Veranstaltungen an fünf Tagen in eine attraktive Kulturmetropole verwandelt, in die 70.000 Besucher strömten. Kosten: rund 120.000 Euro, wovon die Gemeinde bislang zwei Drittel trug, den Rest schoss eine Bankstiftung zu.
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Dario Fo erzählt die Geschichte des deutschen Meisterboxers und Sinto Johann „Rukeli“ Trollmann, der im KZ ermordet wurde Mailand – Der Boxer Johann Trollmann war ein Star der frühen 1930-Jahre. Er tänzelte wie später Muhammend Ali seine Gegner leichtfüßig aus. Schwarze Haare und eine wie Bernstein getönte Haut machten den jugendlichen Helden zum Liebling der Frauen. Das Schicksal: Johann Trollmann, geboren 1907 in Niedersachsen, gehörte dem Volk der Sinti an. Die Nationalsozialisten erkannten dem „Zigeuner“ einen Titel als Deutscher Meister im Halbschwergewicht, den der Profiboxer im Juni 1933 errungen hatte, wieder ab. Sie entzogen ihm die Boxlizenz und zwangen „Rukeli“, wie er in Romani, der Sprache der Roma und Sinti, genannt wurde, zu einem erniedrigenden Schattendasein. Im Krieg kämpfte er als Soldat für Hitlerdeutschland an der Ostfront. 1942 wurde Trollmann verhaftet, kam in ein Konzentrationslager und starb 1943. Diese sehr deutsche Geschichte erzählt jetzt Dario Fo in seinem neuesten Buch „Razza di zingaro“ italienischen Lesern.
EIN KÜNSTLER IM RING
Gegenwartskunst in Ligurien und 30 Jahre Museum Villa Croce in Genua Genua (Villa Croce bis 20.März 2016) – Alte Reklameschilder, ausgediente Leuchtschriften, vergilbte Infotafeln – wer die Treppe zum ersten Stock des Museums Villa Croce zur Jubiläumsausstellung hoch geht, stößt auf ein scheinbar wild zusammen gewürfeltes Sammelsurium. Unter dem Titel „R.I.P. (landscape)“ beschreibt Andrea Nacciarriti mit dieser Installation die Veränderung von Stadtlandschaft, die sich zugleich Erinnerung bewahrt. Walter Benjamin hat über das Sammeln geschrieben, dass „jede Leidenschaft ja ans Chaos“ grenze. Diese Arbeit des in Mailand lebenden Künstlers erweist sich als gelungener Auftakt zur Ausstellung „VX30/Chaotic Passion“, die zum 30jährigen Bestehen des Einrichtung einen Dialog zwischen Teilen der festen Sammlung und neueren Arbeiten von jungen italienischen Künstlern „unter 40“ sucht.
LEIDENSCHAFT, DIE ANS CHAOS GRENZT
Der Komiker Checco Zalone stellt mit dem Kinofilm „Quo Vado“ einen Kassenrekord auf und bringt die Medien in Wallung Mailand/Bari – Der Panettone, das typische Mailänder Weihnachtsgebäck, ist inzwischen in ganz Italien verbreitet und durch industrielle Massenware ziemlich auf den Hund gekommen. „Cinepanettone“ wird abfällig eine meist dürftige Filmproduktion genannt, die zur Weihnachts- und Neujahrszeit als süßlicher Komikstreifen mit Darstellern wie Christian De Sica über die Kinoleinwände flimmert, ein bisschen Kasse macht und dann zu recht in der Versenkung verschwindet, aus der sie eigentlich nie hätte auftauchen sollen. In diesem Jahr aber wurde solch ein De-Sica-Panettone („Vacanze ai Caraibi“) von einem Konkurrenten von den Leinwänden gefegt. Innerhalb von nur drei Tagen nach dem Start am 1. Januar konnte der Film „Quo Vado“ mit über drei Millionen Zuschauern in landesweit 1300 Kinos 22,3 Millionen Euro einspielen. Tendenz steigend.
ZUM LACHEN
Ein Hamlet-Fragment am Piccolo Teatro für eine Oper nach Heiner Müllers Bühnenvorlage Mailand – Vor 20 Jahren starb am 30. Dezember 1995 der Dramaturg, Regisseur und Lyriker Heiner Müller wenige Tage vor seinem 67. Geburtstag. Ein Jahr zuvor war ihm der Europäische Theaterpreis verliehen worden. Hinterlassen hat er ein sperriges Werk, das sich inzwischen in der deutschen und europäischen Bühnenlandschaft schwer tut. Dennoch hat er Autoren, Regisseure und sogar bildende Künstler auch außerhalb des deutschen Sprachraums beeinflusst. So zeigte das Mailänder Piccolo Teatro gerade eine Raum-Installation des Arte-Povera-Künstlers Jannis Kounellis. Darin inszenierte der griechische Regisseur Theodoros Terzopoulos eine Performance unter dem Titel „Hamlet“. Kounellis und Terzopoulos wollen mit dieser Hommage – unterstützt vom Mailänder Goethe-Institut – nicht nur an sein Erbe erinnern, sondern es in ihre gegenwärtige Arbeit integrieren.
