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In Palermo ist das verschollene Gemälde einer Geburt Christi durch ein High-tech-Faksimile zurückgekehrt Palermo – Es ist Dezember und die Stadt hat mit der „Natività“ ihr vielleicht berühmtestes Weihnachtsbild wieder. Eine „Geburt Christi mit den Heiligen Franziskus und Lorenz“ von Michelangelo Merisi (1571-1610), den alle Welt nur Caravaggio nennt. Das rund zwei Meter breite und fast drei Meter hohe Gemälde wurde vor über 40 Jahren aus dem Oratorium von San Lorenzo geraubt und ist seitdem verschollen. Vermutlich war die Mafia im Spiel, und aller Wahrscheinlichkeit nach wurde es zerstört. Seit wenigen Tagen aber hängt über dem Altar eine rund 100 000 Euro teure Wiedergeburt, die vorgibt, dem Original aufs Haar zu gleichen. Der britische Künstler und Fototechniker Adam Lowe und sein in Madrid beheimatetes Laborunternehmen Factum Arte, das auf High-tech-Faksimiles in der Kunst spezialisiert ist, haben die „Natività“ nach Monate langer Arbeit wieder auferstehen lassen. Weihnachten und Ostern fallen in diesem Jahr in Palermo zusammen.

CARAVAGGIOS WEIHNACHTLICHE AUFERSTEHUNG


Die Scala eröffnet ihre neue Spielzeit erfolgreich mit Verdis „Giovanna d’Arco“ Mailand – Elf Minuten Applaus (was für italienische Verhältnis ganz ordentlich ist) standen am Ende eines gelungenen Premiere-Abends der Scala. Und Jubelrufe gab es für Anna Netrebko und für Riccardo Chailly.  Mit  „Giovanna d’Arco“ von Giuseppe Verdi frei nach Schillers Drama „Die Jungfrau von Orléans“ ist die Mailänder Bühne traditionell am Ambrosiustag (7.12.) in die neue Spielzeit gestartet. Die Oper, die zu den weniger bekannten Stücken Verdis zählt, wurde 1845 an der Scala mit großem Erfolg uraufgeführt, doch stand sie danach nur noch zwei Mal – zuletzt 1865 – auf dem Spielplan der Bühne. Sie ist also mit dieser Premiere 150 Jahre später wieder nach Hause zurückgekehrt. Die musikalische Leitung hatte Riccardo Chailly, der sich auf die kritische Werkausgabe von 2008 stützen konnte, und mit dem Scala-Orchester die dramatischen Aspekte der Partitur unterstrich. In den Hauptrollen überzeugten Anna Netrebko als Giovanna und der Tenor Francesco Meli – viel Beifall auch für ihn – als König Carlo VII. . Mit Bravour ersetzte Devid Cecconi (Bariton) als Vater von Giovanna den unpässlichen Carlos Àlvarez. Überragend zeigte sich der Chor, der seit Jahren zu den Stärken der Scala gehört.

GANZ IN GOLD GEBADET



Spannend und mit philosophischem Tiefgang: der Roman „Tod eines glücklichen Menschen“ von Giorgio Fontana Mailand – Italien im Jahr 1981. Auf den Terror von rechts antwortet der Terror von links. Staatsanwalt Giacomo Colnaghi gelingt es, den Anführer einer Splittergruppe der Roten Brigaden festzusetzen, die für den Mord an einem christdemokratischen Politiker verantwortlich ist. Recht und Gerechtigkeit sind für den gläubigen Katholiken Colnaghi keine leere Floskeln. Zugleich versucht er zu verstehen, woher der Hass der meist bürgerlichen Täter kommt, der wieder Hass bei den Opfern erzeugt – „am Ende ist da nur noch der Tod.“ Ein Tod, der sich überall zeigt, auch im Wohnviertel des Staatsanwalts, wo kurz zuvor zwei sozial engagierte und politisch aktive Jugendliche von einem neofaschistischen Schlägertrupp ermordet worden waren. Das sind keine guten Jahre in Italien.

„SIE WOLLTEN ALSO RACHE“


Ein Gespräch mit dem Kunsthistoriker Gerd Roos über Giorgio de Chirico und seine Jahre in Ferrara 1915 – 1918 anlässlich einer Ausstellung im Palazzo dei Diamanti Ferrara – In der Biographie von Giorgio de Chirico (1888-1978) markieren die Jahre, die der italienische Maler vor einhundert Jahren in Ferrara verbrachte, einen tiefen Einschnitt. Eine repräsentative Auswahl von Bildern der Zeit, in der die „metaphysische Malerei“ von de Chirico sich voll entwickeln könnte, ist gerade in einer äußerst gelungenen Ausstellung im Palazzo dei Diamanti der Stadt bis zum 28.2. zu sehen. Sie zeigt mit rund 70 Exponaten ebenso Arbeiten von unter anderen Carlo Carrà, Giorgio Morandi, Max Ernst, Georges Grosz oder René Magritte, die den Einfluss von de Chirico auf verschiedene Strömungen der europäischen Avantgarde dokumentieren. Die Ausstellung haben Paolo Baldacci (Mailand) und Gerd Roos (Berlin), die beiden heute wohl bedeutendsten Fachleute der de-Chirico-Forschung, eingerichtet. Gemeinsam arbeiten sie auch an einem Werkverzeichnis. Mit Gerd Roos gab es am Rande der Ausstellung die Möglichkeit zu einem Gespräch.

POETISCHER FUNKENSCHLAG



Wie das Hesse-Museum in Montagnola ein dickes Loch bei den Betriebskosten stopft Montagnola (Tessin) – Nicht alle Aktionen zum Fundraising zeigen sich so stilvoll und unaufdringlich, wie die des Hesse-Museums in Montagnola oberhalb von Lugano. Um ein dramatisches Defizit bei den Betriebskosten der kleinen kulturellen Einrichtung zu decken, hat man sich zusammen mit dem Architekten Mario Botta, der dem Haus freundschaftlich verbunden ist, auf die Suche nach Unterstützern gemacht. Sie sollen eine inkognito bleibende Gemeinschaft von gleichsam „Glasperlenspieler“ bilden. So haben sich zehn Personen und drei Institutionen zusammengefunden, die jetzt Ende des Monats in einer privaten Veranstaltung zusammen kommen werden.

MARIO BOTTA UND DIE GLASPERLENSPIELER