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Eine gelungene Ausstellung über den romantischen Maler Francesco Hayez Mailand (Gallerie d’Italia bis 21.02.) – Das war mehr als ein Kuss. Eine romantische Szene, leidenschaftlich und politisch zugleich. Das Gemälde „Il Bacio“ aus dem Jahr 1859 zeigt Italien und Frankreich umschlungen, wenn man jedenfalls die Farben der Kleidung der sich Küssenden als Nationalfarben deutet. Ein Bild, das die italienisch-französische Partnerschaft symbolisierte, ohne die es nicht zur Befreiung Norditaliens von der Herrschaft Habsburgs gekommen wäre. Francesco Hayez (Venedig 1791 – Mailand 1882) schuf mit diesem Kuss eine Ikone.

HISTORISCH, POLITISCH, EROTISCH


In Erinnerung an Hans Belting (1935 -2023), Balzanpreisträger 2015, ein Gespräch über die Rolle von Kunstgeschichte, die Bilderwelt und den Wissenschaftsbetrieb Bern/Mailand (2015) – Der deutsche Kunst- und Medienwissenschaftler Hans Belting ist einer von vier Preisträgern, die in diesem Jahr mit dem Premio Balzan ausgezeichnet wurden. Der äußerst umtriebige emeritierte Professor der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe hat mit vielen Veröffentlichungen die internationale Debatte über Fragen der Kunst- und Medientheorie angestoßen und bereichert – aber auch für Widerspruch gesorgt. Dazu gehören Arbeiten wie „Das Ende der Kunstgeschichte“(1983/1995), die Fortschreibung unter dem Titel „Art History after Modernism“ (2003), „Bild und Kult. Eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst“ (1990/2011), der Essayband „Bild-Anthropologie“ (2001/2004) oder zuletzt „Faces. Eine Geschichte des Gesichts“ (2013). Am Rande der Preisübergabe in Bern gab es Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem 80jährigen Wissenschaftler.

DIE TÜR WEIT AUFMACHEN



Die „Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten“ in 45 Bänden neu übersetzt und kommentiert Mailand/Berlin – Dieses verlegerische Ereignis ist entweder nur mit einem Satz oder nur mit einem längeren Essay zu fassen. Zwischenformen wären fehl am Platz. Der Satz lautet: Mit dem Band über Cimabue, Giotto und Pietro Cavallini ist im Verlag Klaus Wagenbach die Herausgabe einer Neuübersetzung und Kommentierung der „Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten“ von Giorgio Vasari nach der Fassung von 1568 in einer preisgünstigen Ausgabe im Taschenbuchformat abgeschlossen. Punkt.

DER WAGENBACH VASARI


Das neue Dombaumuseum in Florenz Florenz. Drei Jahre lang war das Dombaumuseum wegen Umbau- und Erweiterungsarbeiten geschlossen. Bedeutende Kunstwerke konnten in der Zeit restauriert werden. Eine herrliche Pietà, ein Spätwerk Michelangelos zum Beispiel. Eine lebensgroße Holzstatue der Maddalena von Donatello. Marmorarbeiten von Andrea Pisano oder Wandfriese von Luca della Robbia. Viele der rund 700 teilweise spektakulären Exponate werden im jetzt wieder eröffneten Museumsbau zum ersten Mal gezeigt. Die Ausstellungsfläche wurde mit rund 6000 Quadratmeter fast verdreifach. Die Kosten von 45 Millionen Euro hat die Dombauhütte aus vorwiegend eigenen Mitteln bestritten.

ATEMBERAUBEND



Die Expo2015 und ihr kulturelles Erbe – lokal wie global Mailand. Dass für Mailand die Expo2015 mehr war, als eine von Oben verordnete, eher ungeliebte Großveranstaltung, begriff man gleich zu ihrem Beginn am ersten Mai-Wochenende. Gewaltsame Demonstrationen von Gegner der Weltausstellung unter Beiteilung von Black Blocks, die eine friedlich agierende Mehrheit ins Abseits stellten, hatten am Eröffnungstag für schwere Verwüstungen in der Innenstadt gesorgt. Schaufenster wurden eingeschlagen, Autos in Brand gesetzt, ganze Straßenzügen glichen nach Abzug der Demonstranten einem Schlachtfeld. Am Tag danach, einem Samstag, demonstrierten nicht nur mehrere Tausend Bürger gegen die Gewalt. Sie griff auch mit Besen, Schaufeln und Eimern zur Selbsthilfe und säuberten die Straßen. Die Angestellten von Supermärkten und Banken halfen mit, ihre zerstörten Filialen wieder herzurichten, Glaserbetriebe arbeiteten rund um die Uhr, und am Montag waren bereits so gut wie alle Spuren beseitigt.

VOM VOLKSFEST ZU ZUKUNFTSTRÄUMEN