Italien feiert den vor 40 Jahren ermordeten Autor wie einen Heiligen Rom. Vor vierzig Jahren, in der Nacht vom 1. auf den 2. November, starb Pier Paolo Pasolini. Er wurde unweit der Küste am Rand von Ostia, einer Peripherie der römischen Peripherie, ermordet. Die Täter schlugen den 53jährigen Schriftsteller, Filmemacher und Intellektuellen brutal zusammen. Anschließend wurde er am Boden liegend mehrfach von einem Auto überrollt. Vierzig Jahre danach erinnert sich Italien dieses einstmals umstrittenen Autors mit einem Medienaufwand, als sei er gestern gestorben. Die Zeitungen überschlagen sich mit seitenlangen Erinnerungsstücken und Berichten. Der Mailänder Corriere della Sera, für den Pasolini die letzten drei Jahre vor seinem Tod Kolumnen schrieb, vertreibt jetzt im Wochenrhythmus bis zum kommenden März 22 Einzelausgaben zum Preis von umgerechnet 8,90 Euro pro Band – praktisch das gesamte literarische Werk von den „Ragazzi di Vita“ an einschließlich der Drehbücher und Streitschriften. Im Internet haben sowohl der Corriere als die römische la Repubblica Plattformen mit Artikeln, Fotos und Videos über PPP eingerichtet.
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Emma Hamilton 200 Jahre nach ihrem Tod und eine Ausstellung in der Casa di Goethe Rom. Die Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach bereist von 1788 bis 1790 Italien. Dabei hält sie sich nicht wie üblich bei einer Grand Tour die meiste Zeit in Rom, sondern in Neapel auf. In der von einem kosmopolitischen Geist geprägten Stadt, eine der größten und schönsten von Europa, ist sie oft Gast im Hause des britischen Botschafters Sir Walter Hamilton. Der rund 60jährige Diplomat und Hobbyarchäologe lebt in jenen Jahren mit einer weitaus jüngeren Geliebten, der 1765 in der englischen Provinz geborenen Emma Hart, gleichsam in „wilder Ehe“. Eine Unperson? Anna Amalia aber lässt sich von der jungen Frau ebenso bezaubern wie die ganze neapolitanische Gesellschaft bis hin zur Königin und wird ihre Freundin – ein Vorgang, der im heimatlichen Weimar undenkbar gewesen wäre. Als Emma schließlich 1791 ihren Sir William heiratet und zur Lady Hamilton wird, gratuliert die Herzogin in einem Schreiben mit Grüßen auch an „an die liebe Emma“. Unter den Erinnerungsstücken aus Neapel, die Anna Amalia in Weimar aufbewahrt, ist auch ein „Bildnis Emma Hart als Sibylle“ gemalt von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, das vermutlich die Herzogin selbst in Auftrag gegeben hatte. […]
MY FAIR LADY IN NEAPEL
Umberto Ecos neuester Roman „Nullnummer“ – eine (wenig überzeugende) Mediensatire Colonna fühlt sich verfolgt. Jemand hat sich nachts unbemerkt in der Wohnung des jungen Übersetzers und erfolglosen Autors von Kriminalromanen aufgehalten. Warum? Weil Colonna bei einem zwielichtigen Zeitungsprojekt mitgemacht hat? Weil er dabei Kenntnisse über dunkle Machenschaften der italienischen Geheimdienste gewonnen hat? Oder bildet er sich den nächtlichen Besuch nur ein? Mit Colonnas Ängsten beginnt „Nullnummer“, der neue Roman von Umberto Eco.
MAILÄNDER LÜGENPRESSE
Florenz: Die 29. Internationale Biennale des Antiquariats zeigt sich erfrischend neu aufgestellt Florenz. Ist das ein Zufall? In der Hauptstadt der Toskana wird Ende Oktober das neue Dommuseum eröffnet. Und just tauchen im Handel drei Marmorstatuen auf. Eine (der Heilige Andreas?) stammt aus der einst von Arnolfo di Cambio um 1300 geplanten und nur im Sockelgeschoss fertig gestellten alten Fassade von Santa Maria del Fiore – die heutige, die sie ersetzt, wurde ja erst im 19. Jahrhundert vor den Florentinischen Prachtbau geblendet. Die deutsch-italienische Galerie Mehringer Benappi (München/Turin) bietet die Statue von Arnolfo di Cambio jetzt zusammen mit zwei geflügelten Engeln von Tino di Camaino (1285-1337) auf ihrem Stand der 29. Internationalen Biennale des Antiquariats von Florenz (BIAF) an. Die Engel gehörten zu einem Grabmal im Dom. Der Preis von rund drei Millionen Euro übersteigt zwar die finanziellen Möglichkeiten des Museums, aber in der Lokalpresse wurde bereits über eine Aktion zum Crowdfunding diskutiert. Der italienische Staat hätte bei diesem Kulturgut nationaler Bedeutung ein Vorkaufsrecht. Und auch am Stand von Mehringer sagt man: „Wäre doch schön, wenn die Arbeiten in Florenz blieben.“
ENGEL AM ARNO
Die Bankenstadt Lugano gönnt sich mit dem LAC ein anspruchsvolles Kulturzentrum Lugano. In herrlicher Lage zieht sich die Stadt Lugano, das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Tessins, um eine Buchtung des gleichnamigen Lago hin und klettert mit ihren Ausläufern die umgebenen Hügel hinauf. Weniger herrlich zeigen sich die vielen Gebäude, die den Blick zum See suchen. In den vergangenen Jahrzehnten sind vornehmlich banale Betonarchitekturen gewachsen ohne Beziehung zur langen Geschichte des Ortes am kulturellen Schnittpunkt zwischen der Schweiz und Norditalien, wie man sie etwa in der Kirche S. Maria degli Angioli mit den prächtigen Renaissancefresken eines Bernardino Luini entdecken kann. Und genau neben dieser Kirche und dem ehemaligen Kloster, das bereits in der Gründerzeit einem Hotelbau weichen musste, stößt man jetzt auf das neue Kulturzentrum LAC (Lugano Arte Cultura) der Stadt. Am Samstag wurde es nach einer zehnjährigen Planungs- und Bauzeit (Kosten umgerechnet 190 Millionen Euro) mit mehreren Ausstellungen sowie einem Musik- und Theaterprogramm eröffnet.
