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Touristenflut, Korruption und ein tölpelhafter neuer Bürgermeister Venedig. Das kulturelle Klima in der Lagunenstadt zeigt sich trotz eines milden Spätsommerwetters eher trübe. Man zankt über einen klotzigen Neubau am Canal Grande, während der Streit um das historische deutsche Kaufmannslager Fondaco dei Tedeschi, das Benetton zu einem Einkaufszentrum umbauen lässt, weiter schwelt. Auch die Filmbiennale hat in diesem Jahr weniger Glamour in die Serenissima als sonst gebracht. Und während sich Touristen drängelnd und stoßend Zugang zu den Vaporetti, den Booten des öffentlichen Nahverkehrs, verschaffen, verlieren sich die Besucher der Kunstbiennale in den Giardini und im Arsenale. Derweil bleibt ein Moschee-Kunstprojekt des Schweizers Christoph Büchel für den isländischen Pavillon der Biennale geschlossen. Der entweihte Kirchenraum, in der die Moschee-Installation untergebracht ist, darf nach Anordnung der Stadtverwaltung „nicht für religiöse Zwecke“ genutzt werden. Ist Kunst Religion?

VENEDIG OHNE VENEZIANER


Zum 90. Geburtstag von Andrea Camilleri (und zum 65. von Salvo Montalbano) Neunzig Jahre wird er alt und kann es nicht lassen. Andrea Camilleri schreibt auf Teufel komm raus ein Buch nach dem anderen. Er arbeitet schwer sehbehindert mühsam mit Riesenlettern auf dem Computer.In diesem Sommer ist gerade bei Sellerio (Palermo) ein neuer Band seiner Montalbano Krimiserie heraus gekommen. Ein weiterer ist in Vorbereitung. Während eine bislang nur als Beilage für den Corriere della Sera erschienene Erzählung „La Targa“ („Die Ehrentafel“) gerade bei Rizzoli (Mailand) überarbeitet als Buch veröffentlicht wird. Ohne das tägliche Schreiben kann der greise Autor offensichtlich nicht mehr leben.

FEUERWERK IN VIGATA



Große Ausstellung: Die Darstellung der Mutterschaft im 20. Jahrhundert (bis 15. November 2015) Mailand. Die Expo 2015, die Weltausstellung, die zurzeit in Mailand Millionen von Besuchern anzieht, steht unter dem Thema „Den Planeten ernähren – Energie fürs Leben.“ Dieses Motto strahlt auch auf viele Veranstaltungen aus, die das kulturelle Leben in der lombardischen Metropole in diesem Jahr prägen. Zu den Höhepunkten gehört sicher die Ausstellung „La Grande Madre – Die Große Mutter“. Gezeigt werden an die 600 Exponate von rund 140 Künstlerinnen und Künstlern, die sich von den frühen Avantgarden des 20. Jahrhundert über Dadaismus und Surrealismus und den Nachkriegsjahrzehnten bis heute mit dem Thema der Mutterschaft und der Rolle der Frau als Ernährerin in Familie und Gesellschaft auseinander gesetzt haben. Die Ausstellung, die von der Trussardi-Kulturstiftung in Zusammenarbeit mit der Stadt Mailand konzipiert und produziert wurde, ist bis zum 15. November im Palazzo Reale zu sehen.

LA GRANDE MADRE


Die Fotografin Marianne Sin-Pfältzer – eine Erinnerung Nuoro. Marianne bastelte gerne Schmuckstücke, Modeschmuck aus Holz oder Hämatit, Jade oder Onyx, und manchmal verkaufte sie auch das eine oder andere Stück auf kleinen Märkten. Das hätte mal ihr Beruf werden können, erzählte sie bei meiner letzten Begegnung mit ihr. In ihrer kleinen Wohnung in Nuoro hatte sie in vielen Schachteln „ihre Schätze“, wie sie die Schmuckarbeiten nannte, aufbewahrt. Marianne Sin-Pfältzer wurde 1926 in Hanau geboren. Nach dem Abitur kam sie zum Kunstgewerbe, weil sie nicht wie ihre Mutter, die ein Studio in Hanau betrieb, Fotografin werden wollte. Ihr Vater, ein Arzt, hatte während der Nazi-Diktatur mit Widerstandskämpfern vom Kreisauer Kreis sympathisiert, konnte aber der Verfolgung durch die Gestapo entgehen. Er starb bei einem Verkehrsunfall kurz nach Kriegsende.

LETZTE HEIMAT SARDINIEN



Doch das Rossini Opera Festival steht an einem Scheideweg Pesaro. Das Rossini-Festival in der Adria-Stadt Pesaro erfreut sich einer ungebrochenen Beliebtheit. Am letzten August-Wochenende ist es mit einer Aufführung des „Stabat Mater“ zu Ende gegangen. In diesem Jahre kamen bei über 15.000 verkauften Karten mehr Besucher als jeweils in den Vorjahren – fast zwei Drittel davon aus dem Ausland – zu der dreiwöchigen Veranstaltung. Und das obgleich mit der „La gazzetta“ nur eine Neuinszenierung neben zwei Wiederaufnahmen („La gazza ladra“ und „L’inganno felice“) auf dem Programm standen. Die „Gazzetta“, eine eher selten gespielte Oper Rossinis aus seiner neapolitanischen Zeit von 1816, überzeugte in einer schwungvollen Inszenierung von Marco Carniti. Der Spanier Enrique Mazzola dirigierte das Orchester der Oper Bologna. Und der Beifall für Sänger und Sängerinnen wie die armenische Sopranistin Hasmik Torosyan oder den Bariton Nicolai Alaimo wollte kein Ende nehmen.

VIEL BEIFALL IN PESARO