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Elio De Capitani bringt in Mailand Orson Welles mit einem Stück zwischen Shakespeare und Melville auf die Bühne (Teatro dell’Elfo) Mailand  (Teatro dell’Elfo Puccini) ­– Es hat etwas mit Besessenheit zu tun, mit der ein Autor wie Orson Welles im Laufe seines Lebens im Theater, im Kino oder im Radio künstlerische Projekte verfolgte – und oft mit ihnen scheiterte. Dass Theater selbst eine Form von Besessenheit ist, weiß ein Schauspieler, Regisseur und Dramaturg wie Elio De Capitani nur zu gut. Mit  dem von ihm mitgegründeten Teatro dell’Elfo setzt er sich in Mailand seit Jahren mit der Ästhetik amerikanischer Autoren auseinander. So musste irgendwann der Weg zu Welles führen. Und zu dem Stück „Moby Dick Rehearsed“, das jetzt zum ersten Mal überhaupt in Italien als „Moby Dick alla Prova“  aufgeführt wurde. Im Februar wird die Inszenierung nach Turin an das Teatro Stabile di Torino – Teatro Nazionale wandern, das sie koproduziert hat.

im Theater: Moby Dick alla Prova


Ein Sammelband über Heinrich Mylius, die Lombardei und das nordalpine Europa im frühen 19. Jahrhundert ausgehend von einer Tagung in der Villa Vigoni Mailand – Im Jahr 1788 wählte ein 19jähriger Deutscher sich Mailand zum Lebensmittelpunkt, um hier die kaufmännischen Interessen seiner Familie aus Frankfurt zu vertreten: Heinrich Mylius (Frankfurt 1769 – Mailand 1854).  Er machte sich bald selbstständig und wurde so als erfolgreicher Unternehmer zu einer wichtigen Figur im Netzwerk zwischen dem deutschsprachigen Raum und Norditalien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seine Lebenszeit deckt sich mit der historischen Epoche des Übergangs von der frühen Neuzeit und der Moderne („Sattelzeit“). Dazu gehören Napoleons norditalienischer Staat mit Mailand als Hauptstadt (1796-1814), Unruhen in der Lombardei 1821 bzw. 1830 und die berühmten „Cinque Giornate“, der Aufstand im März 1848, der die Österreicher für einige Monate aus Mailand vertrieb.  Aus einer Tagung des deutsch-italienischen Zentrums Villa Vigoni und der Goethe-Universität Frankfurt/Main mit Unterstützung der Werner Reimers Stiftung ist ein Sammelband (Franz Steiner Verlag) hervorgegangen, der Beiträge zum Verhältnis von Heinrich Mylius und seiner Epoche sammelt.

NETZWERKER IM KULTURELLEN AUSTAUSCH



Die Saisoneröffnung der Mailänder Scala weist über das Bühnenerlebnis hinaus Mailand (bis 29.12.21) -„Macbeth“ an der Mailänder Scala, das war in mehrfacher Hinsicht ein Erfolg. Musikalisch mit den Protagonisten Anna Netrebko (Lady Macbeth), Luca Salsi (Macbeth) und vor allem Ildar Abdrazakov (Banco) sowie dem Scala-Orchester unter der Leitung von Riccardo Chailly. Bewegend der Chor der schottischen Flüchtlinge mit „Patria oppressa – unterdrücktes Vaterland“. Verdi schrieb die Passage für die zweite Fassung des Macbeth, die 1865 uraufgeführt wurde, als Italien zwar vier Jahre zuvor einen ersten Schritt zur Nationalbildung getan hatte, aber der ganzen Nordosten mit Venetien, Trentino, Friaul/Triest noch zu Österreich gehörte und auch Rom ausgeklammert blieb.

In der Oper: Macbeth


Vor dem G20 Gipfel in Italien und der COP26 in Schottland eine Tagung der Stiftungsplattform F20 in Mailand. Ein Gespräch mit Stefan Schurig, Secretary General Foundations Platform F20, über die Ziele der F20 und die Rolle der Stiftungen in den G20 Staaten Mailand:  Ende September 2021 kam die internationale Stiftungsplattform F20 mit einem „Climate Solutions Forum“ nach Mailand, um im Vorfeld des G20-Gipfels in Italien aktuelle Probleme zu diskutieren und Leitgedanken zu formulieren. Die Plattform F20 wurde 2017 in Hamburg vor dem G20 Gipfel in Deutschland ins Leben gerufen. Als Mitinitiatorin der Stiftungsplattform F20 setzt sich die deutsche Stiftung Zukunfsfähigkeit mit Sitz in Bonn für gemeinsame Wege ein, um ermutigende und nachhaltige Transformationsprozesse einzuleiten.

HALTUNG ZEIGEN, STELLUNG BEZIEHEN



Der Historiker Saul Friedländer (Israel) wird mit dem Balzan Preis 2021 ausgezeichnet. Außerdem werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Italien, Frankreich und den USA prämiert Mailand – Der israelische Historiker Saul Friedländer erhält in diesem Jahr den Balzan Preis im Fachgebiet Holocaust- und Genozidforschung. Der 1932 in Prag geborene Friedländer (University of California, Los Angeles) wird, wie es in der Begründung heißt, für „die Schaffung einer historischen Erzählung“ ausgezeichnet, „welche das Unaussprechliche zum Ausdruck bringt, indem sie die wissenschaftliche Analyse mit den disruptiven Stimmen der Opfer, Täter und Zuschauer verflicht.“ Weitere Preisträger sind die italienische Physikerin Alessandra Buonanno (53), die am Albert-Einstein-Institut (Potsdam) unterrichtet zusammen mit dem französischen Physiker Thibault Damour (70) vom Institut des Hautes Études Scientifiques (Paris) im Fachbereich Gravitation: physikalische und astrophysikalische Aspekte. Der US-amerikanische Biologe Jeffrey Gordon (48) von der Washington University (Saint Louis) erhält den Balzan Preis für seine Forschungen im Fach Das Mikrobiom: seine Rolle in Gesundheit und Krankheit. Der Preis für Vorderasiatische Kunst und Archäologie wurde nicht vergeben.

HISTORISCHE ERZÄHLUNG