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Unterwegs im Gebiet zwischen Mantua, Carpi und Ferrara, wo eine reiche Kulturlandschaft durch mehrere Erdstöße schwer verletzt wurde – und der Boden bebt immer noch Carpi / Ferrara / Mantua (22. Juni 2012) Herrscht Krieg? Wie nach einem Fliegerangriff liegen Häuser längst der Allee von der San Felice nach Finale Emilia in Schutt und Asche, andere stehen aufrecht, als hätten die Bomben sie verfehlt. Vier Wochen nach dem schweren Erdbeben in Norditalien patrouillieren immer noch Soldaten im Geländeanzug zusammen mit bewaffneten Carabinieri innerhalb der Ortschaften vor den total gesperrten „roten Zonen“. Feuerwehrleute bewegen bei Aufräumarbeiten schwere Kranwagen. Allgegenwärtig sind die Kräfte des Zivilschutzes in ihren dunkelblauen Uniformen, sie wachen auch vor den Eingängen der kleinen Zeltsiedlungen, die sich in den besonders betroffenen Gemeinden gebildet haben.

DER FLUCH DES CORREGGIO


Ovidio Marras, ein alter Hirte und Kleinbauer kämpft auf Sardinien gegen die Bauspekulation von Großindustriellen Cagliari – Eine der schönsten Straßen Italiens führt in Südsardinien, rund 40 Kilometer von der Regionalhauptstadt Cagliari entfernt, längs der Costa del Sud zum Porto di Teulada.  Sanft rollt ein Vorgebirge dem Meer zu. Kleine Buchten mit traumhaften, vom Tourismus weitgehend unberührte Stränden schließen sie ab. Hinter jeder Kurve öffnen sich neue  Blicke auf prächtige Landschaftbilder mit buschigem Rosmarin, wilden Olivenbäume und kleinen Wäldern immergrünen Steineichen, die bis an das glasklare Meer heranreichen, das blaugrün in der Herbstsonne blinzelt. Einige alte, in traditioneller Lehmbauweise errichtete Bauernkaten stehen hier und von einer Landzunge bei Capo Malfatano grüßt ein Wachturm aus den Zeiten der aragonischen Besatzung.

HUND UND KATZE VERGIFTET



Mussolinis neues römisches Imperium  – Zur Erinnerung an den Journalisten und Historiker Angelo Del Boca ein Beitrag des Deutschlandfunks aus dem Jahr 2011 Mailand/Rom/Turin (2011) – Im Mai 1936 konnte Benito Mussolini die Eroberung der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba verkünden, die das Ende des Italienisch-Äthiopischen Krieges besiegelte. Mit brutaler Gewalt und dem Einsatz von Giftgas trieb der faschistische Diktator seinen Traum von einem „Neuen Römischen Imperium“ in Afrika voran. Eine Sendung des Deutschlandfunks: Geschichte aktuell – Der faschistische Kolonialismus“ (5.5.2011). Der Beitrag von Henning Klüver basiert vor allem auf Gesprächen mit dem Historiker Lutz Klinkhammer vom Deutschen Historischen Institut Rom und dem italienischen Journalisten und Historiker Angelo Del Boca aus Turin. Angelo Del Boca, der sich mit alle Kraft in Büchern und Veranstaltungen dafür eingesetzt hatte, das Schweigen über italienische Gräueltaten im Äthiopienkrieg und bei der Besatzung des nordafrikanischen Landes zu brechen, ist am 6. Juli 2021 im Alter von 96 Jahren in Turin gestorben. Hier der DLF-Beitrag: “Um Viertel nach zwei bekamen wir Addis Abeba am Fuße des Entoto in den Blick. Ein Spiel von Licht und Schatten versetzte die Hochebene in eine unwirkliche, märchenhafte Stimmung. Es war, als ob dieser reale Augenblick, auf den wir uns während sieben […]

ITALIEN, ÄTHIOPIEN UND DAS LANGE SCHWEIGEN


Pesaro, das Rossini Festival 2010 und die Oper als Phantom Pesaro (August 2010) – Was hat Bill Viola mit Gioachino Rossini gemeinsam? Beide haben in diesem Jahr einen Auftritt in der Galerie von Franca Mancini in der Adriastadt Pesaro. Die Galeristin veranstaltet regelmäßig parallel zum Rossini Opera Festival (ROF) unter dem Titel „Les Rencontres Rossiniennes“ Begegnungen von Gegenwartskünstlern mit dem Musikgenie, das Anfang des 19. Jahrhunderts ganz Europa mit seinen Melodien geradezu trunken gemacht hatte. Ein Alt-Rossinianer wie Bruno Cagli, der vor 31 Jahren das ROF mitbegründen konnte und heute die Accademia Nazionale Santa Cecilia in Rom leitet, hat keine Probleme, Gemeinsamkeiten zwischen der freien Filmsprache des amerikanischen Video-Künstlers und den „versteckten Energien“ von Rossinis Klangmaterial zu entdecken. So gab es zur Eröffnung der Ausstellung bei Franca Mancini Videos von Bill Viola wie „Angel’s Gate“ (1989) und ironische Musikstücke von Gioachino Rossini aus der Sammlung der „Péchés de Vieillesse“, den „Alterssünden“, die zwischen 1857 und seinem Tod 1868 entstanden sind. Und anschließend drängelte man sich im Garten der Galerie beim Aperitif unter einem leuchtend blauen Himmel, der das nahe Meer ahnen ließ. Ein großes Familientreffen Das ROF, das am Montag mit der Premiere des „Sigismondo“ eröffnet wurde, ist jedes Jahr […]

LIEBHABER UNTER SICH



Die Kulturlandschaft der Abruzzen nach dem Erdbeben vom 6. April, die Ängste und Hoffnungen der Menschen und Berlusconis Liste für Hochzeitsgeschenke L’Aquila (April 2009)- Die Seitenmauer der prächtigen Kirche ist aufgeplatzt wie nach einem Bombenangriff. Gesteinsbrocken liegen vor dem Längshaus von Santa Maria di Collemaggio, das Dach der dreischiffigen Kirche aus dem 13. Jahrhundert ist über der Apsis eingestürzt und durch ein Seitentor kann man ins Innere blicken: nichts als Trümmer, Säulenreste, geborstene Architraven. Der schwere Arm eines mächtigen Krans zieht eine Plattform heraus, auf der zwei Feuerwehrleute stehen, die eine Holzverschalung sichern. Die Plattform schwebt langsam auf den Platz vor dem Längshaus, wo Italiens Kulturminister Sandro Bondi umringt von Sicherheitsbeamten, Feuerwehrleuten, Denkmalschützern und Journalisten darauf wartet, dass die Plattform abgesetzt wird. Unter den Journalisten wird gerätselt, ob Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der an diesem Tag eine der in Zelten eingerichteten Grundschulen eröffnet hat, sich auch zu dem Aufbau der Kulturgüter äußern wird. Kommt er oder kommt er nicht? Ein Symbol der Hoffnung Erst einmal kommt er nicht. Die Holzverschalung wird ohne ihn geöffnet und eine Madonna mit Kind kommt zum Vorschein, eine lebensgroße Terrakottagruppe eines heimatlichen Künstlers aus dem frühen 16. Jahrhundert. Bis auf Abbrüche an den Händen scheinen Mutter […]

ZWISCHEN DEN TRÜMMERN VON L’AQUILA