Architektur


Die Arbeit von Architekten in Deutschland und Italien: zwei Bau-und Planungswelten – und  unterschiedliche Mentalitäten. Ein Gastbeitrag von Clemens F. Kusch Venedig – Italien und Deutschland sind schon immer zwei Länder mit einer besonderen Beziehung gewesen, bei der meist mehr die Unterschiede als die Gemeinsamkeiten hervorgehoben werden. Die Tätigkeit in den beiden Ländern ist nicht nur in der Architektur von vielen (Vor-)urteilen gekennzeichnet: die Arbeit der Italiener ist von der Phantasie und die der Deutschen von der Organisation geprägt, Italiener improvisieren und Deutsche programmieren, der Italiener gibt sein Bestes in Stress-Situationen, während der Deutsche in Panik gerät, wenn nicht alles nach den Plänen verläuft, oder der Italiener schreibt den persönlichen Beziehungen und dem „feeeling“ unter den Arbeitspartnern mehr Bedeutung zu, während bei den Deutschen die Sachen unabhängig von den Personen funktionieren müssen.

WAHN UND WIRBEL


Die Architekturbiennale in Venedig steht unter dem Motto „Wie werden wir zusammen leben?“ ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit. Merkwürdig: Landschaftsarchitektur spielt dabei kaum eine Rolle Venedig – Das ist eine Biennale der leisen Töne. Wer spektakuläre Bauten sucht, die in den vergangenen Jahren weltweit Aufsehen erregt haben, wird enttäuscht werden. Auch fehlen die sogenannten Archistars, die Calatrava oder Libeskind, die Herzog & De Meuron oder Piano. Auf der 17. Architektur Biennale Venedig, die jetzt mit einem Jahr verspätet fürs Publikum geöffnet wurde, geht es nachdenklich und nachhaltig zu. How will we live together? lautet das zukunftsweisende Motto, das sich ihr Direktor Hashim Sarkis bereits in der Vorbereitung für die wegen der Pandemie dann verschobene Ausstellung gewählt hatte. Durch Covid 19 hat es noch an Brisanz gewonnen.

ES GRÜNT SO GRÜN



Wie Mailand auf ein neues Designmuseum hofft, das ein Zeichen neuer Nachdenklichkeit setzen will, während der „Fuorisalone“ nur digital stattfinden kann  Mailand – Nach der Pandemie ist vor der Pandemie – oder wird dann nichts mehr so sein, wie es vorher war? Die Stimmung in der italienischen Architektur- und Designszene schwankt zwischen neuem Denken und die Hoffnung, den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren. Und hier richten sich alle Blicke auf Mailand, das mit seinen Möbel- und Einrichtungsbetrieben in der Stadt und in der Region, seinen Architekturbüros sowie seinen Ausbildungs- und Ausstellungseinrichtungen für eine in der Welt wohl einmaligen Verzahnung von Unternehmen, Planern/Gestaltern und Kommunikatoren steht. Doch vielen Betrieben steht wirtschaftlich das Wasser bis zum Hals, Schulen und Akademien halten sich mühsam mit Distanzunterricht am Leben und Einrichtungen wie der Salone der Mobile, der im vergangenen Jahr ganz ausgefallen war, musste 2021 vom traditionellen Apriltermin auf den Spätsommer (5. bis 10.9.) verschoben werden.

STILLE TAGE IM APRIL


Vor 25 Jahren brannte in Venedig das Gran Teatro la Fenice bis auf die Grundmauern ab, nachdem Handwerker Feuer gelegt hatten. Sieben Jahre später konnte das Haus „wo es war und wie es war“ wieder eröffnet werden. Zum Jubiläum spielt die Feuerwehrkapelle Venedigs – wegen Covid-Einschränkungen ohne Publikum Mailand/Venedig – Es ist Montag der 29. Januar 1996. Dunkelheit umhüllt Venedig nach einem kalten Wintertag. Um 20 Uhr 58 geht bei der Feuerwache ein Anruf ein. Eine Frau meldet starke Rauchentwicklung in einem Seitenflügel des Gran Teatro la Fenice, den sie gegenüber von ihrem Arbeitsplatz in einem Hotel sehen kann. Das Opernhaus ist seit einigen Wochen wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Wenige Minuten nach dem Anruf erreicht die erste Feuerwehreinheit das weltberühmte Theater. Durch die Fenster der Fassade leuchten bereits Flammen.

PHOENIX AUS DER ASCHE



Ein Gespräch mit Aleida und Jan Assmann über ihr Balzan Forschungsprojekt „Memory in The City“ zusammen mit einer interdisziplinären Gruppe junger Wissenschaftler Mailand – Die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann wurden 2017 gemeinsam mit dem Balzan Preis für Kollektives Gedächtnis ausgezeichnet. Die Internationalen Balzan Stiftung würdigte damit unter anderem die Bedeutung von zwei individuellen Oeuvres, „die das kollektive Gedächtnis als Voraussetzung von religiösen und politischen Identitätsstiftungen und Gemeinschaften präsentieren“ (- auf Cluverius siehe hier). Zum Preis gehört auch die Verpflichtung, die Hälfte des Preisgeldes von 750.000 Schweizer Franken für die Finanzierung von Forschungsprojekten zusammen mit vornehmlich jungen Wissenschaftlern zu verwenden. Aleida und Jan Assmann berichten in einem Gespräch (aus dem Sommer 2019, das jetzt öffentlich gemacht wurde,) über ihre Erfahrungen mit der Anschlussforschung.

„WIR HABEN AUF DIE RICHTIGEN LEUTE GESETZT“