Frauen


Die italienische Gesundheitsfürsorge hat sich von einem Modell zu einem Problem entwickelt. Das belegen die Buchveröffentlichung „Codice Rosso“ (Fuori Scena) oder aktuelle wissenschaftliche Analysen (Censis/Italiadecide) Mailand – Das italienische Gesundheitssystem, das auf der öffentlichen medizinischen Versorgung durch den Servizio sanitario nazionale (Ssn) beruht, ist in eine Krise geraten. Nach der Einführung 1978 galt der Ssn als eines der besten Systeme zur Gesundheitsfürsorge in der westlichen Welt. Nun zeigt es Risse. Eine gemeinsame Untersuchung der Forschungsinstitute Censis und Italiadecide macht dafür die Kluft zwischen steigender Nachfrage bei zunehmender Alterung der Bevölkerung und einer Verringerung des Serviceangebots durch Mangel an medizinischem Personal und eine Unterfinanzierung des Ssn durch die öffentliche Hand verantwortlich. Das Sachbuch „Codice Rosso“ von Milena Gabanelli und Simona Ravizza, das sich seit Wochen in den die Bestsellerlisten hält, beklagt zudem, dass das öffentliche Gesundheitssystem ein Privatgeschäft geworden sei. (So gleich im Untertitel: „Come la sanità pubblica è diventata un affare privato.“)

UNGLÜCK ALS GESCHÄFT


Ein Knäuel von Geschehnissen: Umberto Nobile, das Schiff „Krasin“, Antonio Gramsci und Fotografien von Ursula Schulz-Dornburg. Ein Gastbeitrag von Peter Kammerer Rom – In Zeiten allgemeiner Desorientierung, in denen gängige Narrative zu Sackgassen werden, aus denen herauszukommen verordnete Lesarten so wenig nützen wie das Pfeifen im Wald, wird Erzählen zur letzten Hilfe. Walter Benjamin, der in den 1930-er Jahren eine Krise des Erzählens diagnostizierte, liebte die Geschichten von Johann Peter Hebel. Eine beginnt mit dem programmatischen Satz: „Es ist nichts lehrreicher als die Aufmerksamkeit, wie in dem menschlichen Leben alles zusammenhängt, wenn man es zu entdecken vermag.“ In diesem Geist begann die Fotografin Ursula Schulz-Dornburg ihre Streifzüge durch die Geschichte der sich auflösenden Sowjetunion. Streifzüge, die zu einer Erzählung in neun kurzen Kapiteln (und ein Postskriptum) führen.

DER EISBRECHER



50 Jahre Premio Nonino: Mit dem angesehenen Kulturpreis werden in diesem Jahr Michael Krüger sowie Germaine Acogny, Dominique de Villepin und Ben Little geehrt Mailand/Ronchi di Percoto (UD) – Der Premio Nonino, der regionale Weinkultur mit internationaler Kultur und Wissenschaft verbindet, feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Mit dem „Premio Internazionale Nonino 2025“ wird jetzt der Münchener Schriftsteller Michael Krüger für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. In weitere Sparten des Nonino-Kulturpreises werden die Choreografin Germaine Acogny (Senegal), der Politologe und Essayist Dominique de Villepin (Frankreich) sowie der Weinproduzent Ben Little (Irland aber im Friaul beheimatet) geehrt. Die Auszeichnungen, die mit 10.000 Euro dotiert sind, werden am 25. Januar 2025 bei einer Festveranstaltung in der 1897 gegründeten Destillerie Nonino in Ronchi di Percoto bei Udine übergeben. Die Preisverleihung ist dem im Juli 2024 im Alter von 90 Jahren verstorbenen Winzer Benito Nonino, dem „Vater der italienischen Grappa“ gewidmet. Der hat, so die Londoner Times,  „mit seinem Familienunternehmen den armen Verwandten des Weins in ein edles Getränk verwandelt“.

EINE KULTURLEISTUNG


Die Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston, Balzan Preisträgerin 2024, im Gespräch über die Beziehung von Mensch und Natur, den Klimawandel sowie über Wissenschaft und Kommunikation  Mailand/Rom – Die Wissenschaftsgeschichte verbindet Methoden der Geschichtswissenschaft mit der Grundlagenforschung aller Wissenschaftsbereiche und ist interdisziplinär ausgerichtet. Die Überwindung einer strengen Trennung von Natur- und Geisteswissenschaften gehört deshalb zu den Kernanliegen der US-amerikanischen Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston. Für den Umfang, die Originalität und die Vielfalt ihres Oeuvres wurde sie im November 2024 in Rom mit dem Balzan Preis für Wissenschaftsgeschichte ausgezeichnet. Am Rande eines Forums zu den Themen der vier mit dem Balzan Preis ausgezeichneten Persönlichkeiten (siehe hier) ergab sich die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch. In dem unterstreicht sie u. a. die Bedeutung der Kommunikation von Wissenschaft mit der Öffentlichkeit.

DER NATUR ZUHÖREN



Die Balzan Stiftung hat die Preisträger (und eine Preisträgerin) für 2024 bekannt geben und setzt auf sozialen, medizinischen und ökologischen Fortschritt. Neugierig macht die Auszeichnung an den Australier John Braithwaite in „Restaurativer Justiz“ Mailand – Die Internationale Stiftung Balzan (Mailand/Zürich) vergibt ihre Preise regelmäßig in vier jährlich wechselnden wissenschaftlichen Fachbereichen –  zwei aus den Geistes- und zwei aus den Naturwissenschaften. In diesem Jahr werden der 73jährige Australier John Braithwaite (Kriminologe an der Australian National University) im Bereich Restaurative Justiz, die 73jährige US-Amerikanerin Lorraine Daston (emeritierte Direktorin Max-Planck-Instituts Berlin-Dahlem für Wissenschaftsgeschichte) im Bereich Wissenschaftsgeschichte (Neuzeit und Gegenwart), der 71jährige usamerikanische-schweizerische Molekularbiologe Michael Nip Hall (Biozentrum Universität Basel) im Bereich Biologische Mechanismen sowie der 59jährige usamerikanische Chemiewissenschaftler Omar Yaghi (University of California, Berkeley) im Bereich Nanoporöse Materialien für Umweltanwendungen ausgezeichnet.

ZWISCHEN MENSCH UND NATUR