Geschichte


Zu Besuch in Paderno Dugnano im Weichbild Mailand, wo der FIFA World Cup herstellt  wurde und wo man ihn öfter restaurieren muss  Mailand (Juli 2014) – Das Objekt der Begierde stammt aus Italien, aus Mailand, der Welthauptstadt des Designs. Es ist innen hohl, 36,8 Zentimeter hoch und wiegt 6,1 Kilogramm, davon sind rund 5,5 Kilo 18karätiges Gold. An der Basis, wo es von zwei grünen Malachit-Ringen geziert wird, hat es einen Durchmesser von 13 Zentimetern. Seit 1974 tut es seinen Dienst. Der Vorgänger, der Jules-Rimet-Pokal, war den FIFA-Statuten nach vier Jahre zuvor ganz in den Besitz des brasilianischen Fußballverbandes gekommen, nachdem die Celeção zum dritten Mal den Titel gewonnen hatte. Franz Beckenbauer durfte dann als erster Spieler der Welt in München am 7. Juli 1974 nach dem gewonnenen Endspiel gegen die Niederlande Hand an die neue Trophäe legen. Auch das Regelwerk wurde geändert. Der neue WM-Pokal sollte solange im Rennen bleiben, bis sich Platz fand, den Namen des Gewinnerlandes auf die Basis und die Unterseite zu gravieren – mindestens bis zum Jahr 2038. Wer ihn am 13. Juli nach gewonnenem Spiel in Rios versmogten Himmel reckt, hat einen Materialwert von rund 160 000 Euro in der Hand. Doch das wird den […]

EIN POKAL, AUS DEM MAN NICHT TRINKEN KANN


Erinnerung an Esther Béjarano, die im Juli 2021 in Hamburg im Alter 96 Jahren gestorben ist. Die jüdische Musikerin hatte 2013 in Turin ihre (nur auf Italienisch herausgegeben) Erinnerungen vorgestellt. Ein Beitrag in der Südddeutschen Zeitung vom 26. Januar 2013  Mailand/ Turin (2013) Die Vorstellung im Auditorium des Turiner Polytechnikums war längst zu Ende, da holte Gianni Coscia im Foyer für einen Fotografen noch einmal sein Akkordeon aus dem Koffer. Der 82jährige Jurist und Jazzmusiker improvisierte ein paar Takte und als Esther Béjarano hinzutrat, begann er das Lied „Bel Ami“ aus dem Willi-Forst-Film von 1939 zu spielen. Die 88jährige Sängerin nahm sogleich die Melodie auf: „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami…“ Und denen, die dabei standen, lief ein Schauer über den Rücken. Denn „Bel Ami“ war ihre Prüfungsaufgabe für die Aufnahme in das Frauenorchester von Auschwitz gewesen. Die damals neunzehnjährige Esther Loewy stammte aus einer musikbesessenen Familie. Ihr Vater hatte als Kantor verschiedener jüdischer Gemeinden unter anderem in Saarbrücken und Ulm gearbeitet, wo Esther das Klavierspielen lernte. Als die Rassenverfolgungen begannen, konnten sich zwei ältere Geschwister gerade noch rechtzeitig ins Ausland absetzen. Die Familie wurde auseinander gerissen, die Eltern nach Litauen verschleppt und dort bereits 1941 von den […]

VOM ORCHESTER IN AUSCHWITZ BIS ZUM RAP



Mussolinis neues römisches Imperium  – Zur Erinnerung an den Journalisten und Historiker Angelo Del Boca ein Beitrag des Deutschlandfunks aus dem Jahr 2011 Mailand/Rom/Turin (2011) – Im Mai 1936 konnte Benito Mussolini die Eroberung der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba verkünden, die das Ende des Italienisch-Äthiopischen Krieges besiegelte. Mit brutaler Gewalt und dem Einsatz von Giftgas trieb der faschistische Diktator seinen Traum von einem „Neuen Römischen Imperium“ in Afrika voran. Eine Sendung des Deutschlandfunks: Geschichte aktuell – Der faschistische Kolonialismus“ (5.5.2011). Der Beitrag von Henning Klüver basiert vor allem auf Gesprächen mit dem Historiker Lutz Klinkhammer vom Deutschen Historischen Institut Rom und dem italienischen Journalisten und Historiker Angelo Del Boca aus Turin. Angelo Del Boca, der sich mit alle Kraft in Büchern und Veranstaltungen dafür eingesetzt hatte, das Schweigen über italienische Gräueltaten im Äthiopienkrieg und bei der Besatzung des nordafrikanischen Landes zu brechen, ist am 6. Juli 2021 im Alter von 96 Jahren in Turin gestorben. Hier der DLF-Beitrag: “Um Viertel nach zwei bekamen wir Addis Abeba am Fuße des Entoto in den Blick. Ein Spiel von Licht und Schatten versetzte die Hochebene in eine unwirkliche, märchenhafte Stimmung. Es war, als ob dieser reale Augenblick, auf den wir uns während sieben […]

ITALIEN, ÄTHIOPIEN UND DAS LANGE SCHWEIGEN


Am 3. Februar 1991  löste sich der Partito Comunista Italiano auf seinem 20.Parteitag in Rimini auf.  Mailand/Rimini (2011) – Als sich Italien nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine neue Verfassung gab, wurde dieser demokratische Prozess aktiv von der KPI, von der kommunistischen Partei des Landes unterstützt. Die KPI, die sich zur größten kommunistischen Partei Westeuropas entwickelte, spielte anschließend als Oppositionspartei zu den Christdemokraten eine Hauptrolle im politischen Leben des Landes. Nach dem Fall der Berliner Mauer suchte sie in einem veränderten ideologischen Klima eine neue, eine sozialdemokratische Identität. Am 3. Februar 1991 ging in Rimini der zwanzigste, der letzte Parteikongress der Kommunistischen Partei Italiens zu Ende.

EINE PARTEI IM NEBEL



Die neue Berlusconi-Mehrheit, der Kampf um die Bewertung des Widerstandes und die Hoffnung der linken Opposition – ein Gespräch mit Claudio Magris Triest/Mailand (23.04.2008)– Italien feiert traditionell am 25. April den Tag seiner Befreiung von faschistischer Herrschaft und deutscher militärischer Besatzung. Die aktive Rolle des Widerstandes bei der Befreiung hatte den Geist der demokratischen Verfassung von 1948 bestimmt und jahrzehntelang als eine Art Gründungsmythos die ideologische Basis der italienischen Republik getragen. Auf dieser Basis hatten sich die aus dem Widerstand kommenden politischen Gruppen von den Christdemokraten bis zu den Sozialisten und Kommunisten in einem parlamentarischen „Verfassungsbogen“ zusammen gefunden, der zugleich die Faschisten und ihre Nachfolgeorganisationen ausschloss. Mit dem Fall der Mauer und dem Ende der Nachkriegszeit zerbrach in Italien, verschärft durch einen Korruptions- und Finanzskandal, dieser „Verfassungsbogen“. Es kam unter anderem mit der Gründung der Alleanza Nazionale (AN), der demokratischen Nachfolgepartei neofaschistischer Gruppen, zu einer Umbildung der Parteienlandschaft. Die AN hat sich inzwischen mit Berlusconis Forza Italia zu der neuen großen Mitte-rechts-Partei PDL (Volk der Freiheit) zusammengeschlossen, die überraschend deutlich in einem Bündnis mit der norditalienischen Lega die jüngsten Parlamentswahlen gewinnen konnte. Der Triestiner Claudio Magris (69), Schriftsteller, Germanist und Ende der neunziger Jahre als unabhängiger Vertreter eines Linksbündnisses Mitglied […]

DER TAG DER BEFREIUNG