Umberto Eco, Bücher und anderen Leidenschaften Mailand (Januar 2007) – Ein Besuch bei Umberto Eco, der durch seine Bibliothek in der Mailänder Wohnung führt. Mit Wortmeldungen von Renate Eco, Mario Scognamiglio und Michael Krüger – Manuskript eines Beitrags für den Bayrischen Rundfunk (BR 2 Journal). *** O-Ton Eco:„La biblioteca è organizzata così: qui è la zona donne.“ Autor:Nicht ohne Ironie führt Umberto Eco durch die Bibliothek seiner Wohnung in Mailand. Es beginnt mit der sogenannten Frauenzone, weil hier Bücher über Kunst und Architektur stehen, die auch seine deutsche Frau Renate und seine Tochter Carlotta interessieren. Dann gibt es einen geheimnisvollen braunen Schrank, in dem neben anderen Objekten, Mitbringseln aus Reisen und einer kleinen Sammlung von Zifferblätter alter Uhren nur braune Bücher stehen. Und wenn ein Buch nicht braun ist, steht es nicht hier. O-Ton Eco:„Quindi se un libro non è marrone, lì non c’è… Questo è il corridoio della letteratura, delle letterature, della critica letteraria.“ Autor:Es folgt ein langer Korridor mit literarischen Büchern in vielen Sprachen, und mit Büchern zur Literaturkritik. Rund 30.000 Titel sind in dieser Bibliothek versammelt. O-Ton Eco:„E questo è lo studio con i libri di saggistica.“ Autor:Sachbücher, Titel unter anderem zu Themen der Philosophie und […]
Geschichte
Die politischen Leiden des Andrea Camilleri in der Ära Berlusconis – der sizilianischen Erfolgsautor im Gespräch (2001) Montalbano isst am liebsten allein. Jedes Gespräch lenkt vom Genuss einer fangfrischen Seebarbe oder in Olivenöl gebackenen Gamberetti ab. Allein das Wort „Arbeitsessen“ hält er für ein Sakrileg. Montalbano arbeitet als Kommissar auf Sizilien. Er gilt als einer der beliebtesten Polizisten der jüngeren Kriminalliteratur – und das nicht nur im heimischen Italien. „Die Idee mit dem Essen habe ich mir ausgeborgt“, erzählt Andrea Camilleri, der Vater vom Commissario Montalbano. „Ich habe die Idee von Massimo Bontempelli. Der hat eine kleine Erzählung geschrieben über einen Reisenden, der in ein merkwürdiges Dorf kam, wo es die Leute überall öffentlich miteinander trieben. Sie liebten sich im Stehen, in den Hauseingängen, auf der Straße. Als der Mann aber Hunger bekam, und nach einer Trattoria fragte, hieß es nur: Psst, nicht so laut, essen? Das Essen war im Dorf obszön, nicht das Andere, und so führte man ihn heimlich an einen Ort, wo wenige Einzelne, jeder für sich, am Tisch saßen und still Gaumenfreuden genossen.“ Die Trattoria als Freudenhaus, Camilleri freut sich noch heute über diese Bontempelli-Idee, die er in seinen Krimibestsellern der Montalbanoserie (auf Deutsch bei Lübbe) […]
BLAUE STUNDE AM VORMITTAG
Ein Vespa-Museum in Pontedera bei Pisa eröffnet. Mailand (2000) – Die Hauptdarstellerin ist weiblich und läuft, wenn man Gas gibt, auf zwei Rädern – die Vespa. Ihre Name bedeutet auf Deutsch „Wespe“, und so sticht sie vierrädrige Konkurrentinnen elegant tailleschwingend aus. Denn die „Vespa“ summt ziemlich laut – man könnte es auch knattern nennen – durch die frustriert stehend Autoreihen, überholt mal links, mal rechts, bis sie vor jeder roten Ampel in der Pole-Position steht. Die Italienerin ohne Parkplatzprobleme ist mit weltweit 16 Millionen Exemplaren der Star des Alltags, inzwischen über 50 Jahre jung, und längst ein Mythos der motorisierten Freiheit geworden.
ROSMARIN UND BENZINGERUCH
Piazzale Loreto, der Körper des Duce und Theodor Saevecke, Gestapo-Chef von Mailand Mailand (Januar 1999)- An einem gewöhnlichen Sonntag Vormittag im Januar fließt der Verkehr ruhig um die grünen Inseln des Piazzale Loreto, aus denen die Licht- und Luftschächte einer großen Metro-Station ragen. An dieser Stelle kreuzen sich zwei Linien der Mailänder Untergrundbahn, von hier kommt man ebenso schnell zum Dom und zum Stadtschloß wie zum Hauptbahnhof. Kaufhäuser, viele Banken, ein paar Bars, Zeitungskioske: die zweitklassige Architektur zeigt sich von der langweiligen Seite der fünfziger und sechziger Jahre. Riesige Leuchtreklamen auf den Dächern der hohen Bürogebäude markieren den Piazzale Loreto weit hin sichtbar als topographischen Ausdruck von Fortschrittsgläubigkeit und Konsumideologie der Nachkriegsgeneration. Das ist ein stummer Platz, der heute (fast) nichts von sich zu erzählen weiß. Und doch ist es dieser vielleicht „tragischste Platz des Landes“, auf dem die Geburtsstunde des republikanischen Italien schlug. So jedenfalls interpretiert der Historiker Sergio Luzzatto in seinem jüngsten, bei Einaudi verlegten Buch „Il corpo del duce“ (Der Körper des Duce) den Symbolgehalt des Piazzale Loreto. Ein Ort des Nichtvergessens Am 10. August 1944 wurden hier auf deutschen Befehl 15 Geiseln aus „Vergeltung“ für ein Attentat in der Mailänder Innenstadt erschossen. Bei dem Attentat war […]
