Neue Erdstöße in Mittelitalien haben noch mehr Menschen vertrieben und weitere historische Bauwerke zerstört. Getroffen wurde eine für die europäische Kultur zentrale Region. Wobei Bürokratie einen rechtzeitigen Schutz verhinderte Nursia/ Amatrice/ Rom – Von der Basilika des Heiligen Benedikt in Nursia steht nur noch die spätgotische Fassade. Der Rest der Kirche des Schutzpatrons von Europa liegt in Trümmern. 3000 betroffene Kulturmonumente hatte eine Untersuchungskommission des römischen Kulturministeriums bereits nach den vergangenen Erdbeben Ende August registriert. Kirchen, Glockentürme, historische Palazzi, Museen, Stadttore, Mauern und Befestigungen alter Ortskerne, die schwer beschädigt oder fast ganz zerstört worden waren. Nach dem Beben vom Sonntag (30. Oktober) mit dem Epizentrum in Umbrien (aber mit Auswirkungen auch in den zuvor betroffenen Gebieten der Marken und des Latiums) rechnen die Beamten nun mit weiteren rund 2000 beschädigten Bauwerken und Kultureinrichtungen.
Rom
Die Reise von Johann Sebastian Bach nach Rom und sein Tod daselbst Im Jahre 1778 „Die Seele musiziert, indem sie zeichnet.“ Goethe im Gespräch mit Johann Daniel Falk am 14.6.1809 An dem Tag, an dem Bach Hamburg verließ, lag der Himmel flach und grauflockig über der Heide. Der Wind zerrte am Verschlag der Postkutsche, Regen war zu erwarten. So könnte man sich das vorstellen. Es war Herbst, man schrieb das Jahr 1776, warum sollte ausgerechnet an jenem Tag in Hamburg die Sonne scheinen? Sicher wird Bach der Abschied von seinen Eltern und Geschwistern nicht leicht gefallen sein. Alle wussten um seine gesundheitliche Schwäche. Die geplante Reise über Dresden, Wien nach Rom war zudem nicht ungefährlich. Ob man sich wiedersehen würde?
EIN NEUER PHÖNIX IN DER KUNST
Vor 100 Jahren wurde Aldo Moro geboren. Ein christdemokratischer Politiker, der den Schulterschluss mit den Kommunisten suchte Rom – Aldo Moro war ein Politiker, der die Geschichte seines Landes nach dem zweiten Weltkrieg nachhaltig geprägt hat. Als junger Mann gehörte Moro zu den Gründern der christdemokratischen Partei. In unterschiedlichen Funktionen – etwa als Ministerpräsident, Außenminister und Parteisekretär der Democrazia Cristiana – begleitete er maßgebend die rasante Entwicklung, mit der Italien sich von einem Agrar- in ein Industrieland verwandelte. Und dazu eine wichtige politische Rolle auf der europäischen und internationalen Bühne spielen konnte. Neben der Friedenspolitik lag ihm besonders die Überwindung innenpolitischer Gegensätze am Herzen, um in einer übergreifenden Zusammenarbeit mit den Linksparteien Reformen durchzusetzen. Auf dem Höhepunkt dieser, auch in seiner eigenen Partei umstrittenen Strategie, wurde er von einem Terrorkommando der Roten Brigaden im Frühjahr 1978 entführt und wenige Wochen später ermordet.
DENKEN IN HISTORISCHEN ZUSAMMENHÄNGEN
Italienische Diskussionen um den Schriftsteller Roberto Saviano Mailand/Turin/Rom – Roberto Saviano fühlt sich verfolgt. Journalisten kritisieren ihn. Im Internet macht sich Neid breit. Politiker zweifeln, ob es überhaupt noch Gründe gibt, ihm Personenschutz zu gewähren. Der wurde ihm vor zehn Jahren nach Morddrohungen von der Camorra verordnet. In seinem bei Mondadori verlegten Buch „Gomorra“ hatte er nicht nur die verbrecherischen Methoden der neapolitanischen Mafia beschrieben, sondern vor allem die Namen der Bosse genannt und sich so zum Todfeind der Clans gemacht. Seit dem Herbst 2006 kann sich der heute 36jährige Schriftsteller, der mit „Gomorra“ Weltruhm erlangte (Auflage bislang über 10 Millionen Exemplare), nur unter Begleitschutz bewegen. Was ihn aber nicht daran hindert, Kontakt mit dem Publikum zu suchen, das ihn oft wie einen Popstar empfängt und bejubelt.
ENTSCHULDIGUNG, ICH LEBE NOCH
Vor 70 Jahren wählte Italien die Monarchie ab und entschied sich für die Republik als Staatsform Rom – König oder Präsident, Monarchie oder Republik? Vor 70 Jahren musste Italien sich entscheiden. Das Königshaus hatte bis 1943 die faschistischen Diktatur mitgetragen und war dadurch diskreditiert. Nach der Befreiung Roms 1944 hatten die Savoyer noch versucht zu retten, was nicht mehr zu retten war. König Vittorio Emanuele III. übertrug die Amtsgeschäfte seinem Sohn Umberto als Statthalter. Auf der Druck der politischen Parteien, vor allem der Christdemokraten, machten die Besatzungsmächte nach Kriegsende den Weg frei für ein Referendum über die Staatsform. Umberto richtete im März 1946 per Dekret eine Volksabstimmung ein, die über die Zukunft Italiens entscheiden sollte. Zugleich sollten die Mitglieder einen Verfassungsgebenden Versammlung gewählt werden.
