Bücher


Ein Gespräch mit Paolo Rumiz, der den Po von ersten Stromschnellen bis zur Mündung in die Adria auf dem Wasser abgefahren hat. In dem Buch „Die Seele des Flusses“ erzählt er von seiner abenteuerlichen Reise durch ein unbekanntes Italien. Mailand / Porto Tolle – Der längste Fluss Italiens ist der Po. Rund 650 Kilometer liegen zwischen seiner Quelle am Monviso in den piemontesischen Alpen und der Mündung in die Adria, wo er sich zwischen Porto Viro und Volano in sechs Arme und unzählige Kanäle verzweigt. Der Journalist und Buchautor Paolo Rumiz ist ihm zusammen mit einer kleinen Gruppe von Freunden von den Stromschnellen bei Staffarda an – 40 Kilometer unterhalb der Quelle – bis zum Meer auf dem Wasser gefolgt. In dem mit vielen Karten und Fotos liebevoll aufgemachten und einfühlsam übersetzen Buch „Die Seele des Flusses“ (Folio Verlag) erzählt Rumiz von einer Reise durch ein unbekanntes Italien.

„AUF JEDER INSEL FEUER MACHEN“


Die Landschaft als Protagonist : In Rovigo erzählt die Ausstellung „Cinema!“, wie das Po-Delta italienische Kinogeschichte geschrieben hat.   Rovigo (Palazzo Roverella bis 1.7.2018) – Was haben Viscontis Film „Ossessione“ (1943), Antonionis „Il grido“ (1957) und Montaldos „L’Agnese va a morire“ (1976) gemeinsam? Diese Kinofilme wurden im Polesine, im Schwemmland des Po-Deltas gedreht. Wie viele, viele andere Produktionen auch. Die Ausstellung „Cinema!“, die im Palazzo Roverella  zu sehen ist, geht von rund 500 (!) Spiel- und Dokumentarfilmen sowie TV-Serien aus, die hier entstanden sind. Mit dem Untertitel „Geschichten, Protagonisten, Landschaften“ werden Videoausschnitte, Fotos von Dreharbeiten, Szenenfotos, Plakate, Drehbücher, Kartenmaterial sowie andere Dokumente von den 1940er Jahren bis heute gezeigt. Der Kurator Alberto Barbera und seine Mitarbeiter haben einen faszinierender Parcours durch die italienische Filmgeschichte gesteckt, der zugleich die Geschichte einer Landschaft erzählt.

WO SICH HIMMEL UND ERDE BERÜHREN



Annette Seemann erzählt das rastlose Leben der Mäzenin und Sammlerin Peggy Guggenheim, die vor 120 Jahren geboren wurde. Mailand – Sie war vermögend, unternehmenslustig und fürchte nichts auf der Welt wie die Langweile. Peggy (Marguerite) Guggenheim, Erbin einer der reichsten Familien der Vereinigten Staaten, floh die bigotte Enge der amerikanischen Oberschicht und stürzte sich in New York wie Paris, in England wie in Italien in ein abenteuerliches Leben. Ein Leben an der Seite von Intellektuellen und Künstlern, die sie finanziell unterstützte und von Samuel Beckett bis Max Ernst nicht selten mit ihrer Liebe verfolgte. 1898, vor 120 Jahren also, wurde sie in New York geboren. Im Alter von 81 Jahren starb sie 1979 unweit von Venedig, wo sie zusammen mit ihrer großartigen Kunstsammlung ein Zuhause gefunden hatte. Eine kleine Biographie von Annette Seemann lässt uns ihre Spuren verfolgen.

MIT VIEL SCHWUNG


Lorenzo Amurri: Bis ich wieder atmen konnte. Roman. Ü: Ruth Mader-Koltay. Nonsolo Verlag, Freiburg (2022). 264 Seiten, 22,90 € Leon Battista Alberti: Über die Seelenruhe oder: Vom Vermeiden des Leidens in drei Büchern. Hrsg. Hanna Gründler. Ü: Victoria Lorini. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin (2022). 272 Seiten, 29 € Florian Baranyi, Monika Lustig: Eine Jugend im Faschismus. Betrachtungen. Edition Converso, Bad Herrenalb (2022). 128 Seiten, 18 € Giulia Caminito: Ein Tag wird kommen. Roman. Ü: Barbara Kleiner. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin (2020). 272 Seiten, 19,90 € – mehr auf Cluverius Giulia Caminito: Das Wasser des Sees ist niemals süß. Ü: Barbara Kleiner. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin (2022). 320 Seiten, 25 € mehr auf Cluverius Massimo Carlotto: Und es kommt ein neuer Winter. Roman. Ü: Ingrid Ickler. Folio Verlag, Wien/Bozen (2022). 220 Seiten, 22 € Gianrico Carofiglio: Groll. Krimi. Ü: Verona von Koskull. Folio Verlag, Wien/Bozen (2023). 239 Seiten, 25 € – mehr auf Cluverius Chiesa Cristiana Protestante Milano (Hrsg.): In neuem Licht / In nuova luce. Zweisprachig deutsch/italienisch. Redaktion: M.Broggi, A.Kipar, H.Klüver. CCPM, Mailand (2022). 64 Seiten, 10 € Valerio Curcio: Der Torschützenkönig ist unter die Dichter gegangen. Fußball nach Pier Paolo Pasolini. Ü: Judith Krieg. Edition Converso, Bad Herrenalb (2022). 200 Seiten, 20 […]

Lesenswert – Titel & Tipps



Mit dem Dialogbuch „Erklär mir Italien!“ kann man zwar nicht Italien verstehen lernen, lernt aber Roberto Saviano besser kennen. Mailand – Man kann ein Land geographisch beschreiben, mit Hilfe von Daten lassen sich Gesellschaft und Wirtschaft analysieren, Prozesse in Politik und Kultur erkennen. Aber man kann kein Land „erklären“, Deutschland nicht und Italien schon gar nicht, in dem die regionalen Unterschiede größer sind als in jedem anderen westeuropäischen Land. Die Aufforderung im Buchtitel „Erklär mir Italien!“, zu der Giovanni di Lorenzo und Roberto Saviano einen munteren Dialog geführt haben, ist in diesem Sinne auch gar nicht als intellektuelle Aufforderung ernst gemeint. Sie entspricht eher einer Plauderstimmung, wie man sie zum Abschluss von einem guten Mittagessen, bei Diskussionen in der Bar oder ebenso bei Talkshows erleben kann.

EINE MUNTERE PLAUDEREI