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Dieter Richter beschreibt in seinem Buch „Con gusto“ die kulinarische Geschichte der Italiensehnsucht. Im Wandel des Geschmacks wird ein kultureller Wandel sichtbar. Mailand – Italienisch essen, das war in den Zeiten der Pandemie, als das Reisen unmöglich war, die einzige Art, sich körperlich mit dem Süden zu verbinden. Entweder über den eigenen Herd, wo inzwischen (fast) jedes Kind schmackhaftes Risotto oder verführerisches Tiramisù vorbereiten kann. Oder beim „Lieblingsitaliener“, der die Speisen zudem mit halb deutschen, halb italienischen Wortfolgen koloriert serviert. Und wenn die Italiensehnsucht in der jüngeren Vergangenheit immer mal wieder gelitten hatte (Berlusconi, Müll in Rom, Algen in der Adria), die kulinarische Variante dieser Sehnsucht blieb ungebrochen. Eine Variante, die sich aber erst langsam in der deutsch-italienischen Geschichte durchgesetzt hat, wie Dieter Richter in seinem wundervollen kleinen Buch Con gusto. Die kulinarische Geschichte der Italiensehnsucht  erzählt (Wagenbach).

GELBGRAUE WURMGEWINDE


Vor dem G20 Gipfel in Italien und der COP26 in Schottland eine Tagung der Stiftungsplattform F20 in Mailand. Ein Gespräch mit Stefan Schurig, Secretary General Foundations Platform F20, über die Ziele der F20 und die Rolle der Stiftungen in den G20 Staaten Mailand:  Ende September 2021 kam die internationale Stiftungsplattform F20 mit einem „Climate Solutions Forum“ nach Mailand, um im Vorfeld des G20-Gipfels in Italien aktuelle Probleme zu diskutieren und Leitgedanken zu formulieren. Die Plattform F20 wurde 2017 in Hamburg vor dem G20 Gipfel in Deutschland ins Leben gerufen. Als Mitinitiatorin der Stiftungsplattform F20 setzt sich die deutsche Stiftung Zukunfsfähigkeit mit Sitz in Bonn für gemeinsame Wege ein, um ermutigende und nachhaltige Transformationsprozesse einzuleiten.

HALTUNG ZEIGEN, STELLUNG BEZIEHEN



In seinem poetischen Film spürt Andrea Segre mit einer Familiengeschichte dem Spannungsverhältnis zwischen dem alten und neuen Venedig nach Mailand (Cinema Anteo) – Venedig lebt, überlebt mit dem Tourismus und erstickt zugleich an ihm. Die Einwohner verlassen das alte Zentrum in der Lagune und ziehen aufs Festland, ihre Wohnungen werden in Hotels oder BnBs umgewandelt – finanziell ein Gewinn. Aber die Lebensqualität? Regisseur Andrea Segre hat mit Welcome Venice keinen Film gedreht, der die Stadtentwicklung Venedigs anklagt, auch versucht er keine soziologische Studie. Er erzählt von einer Familie ehemaliger Fischer auf der Insel Giudecca, besonders von zwei Brüdern, die in dieser ökonomisch-emotionalen Zwickmühle stecken. Pietro, der noch dem mühsamen und wenig einträglichen Geschäft als Fischer von Moeche (einer Art von Krebsen) nachgeht, und Alvise, der versucht, als Unternehmer im Tourismus Fuß zu fassen.

im Kino: Welcome Venice


Der Historiker Saul Friedländer (Israel) wird mit dem Balzan Preis 2021 ausgezeichnet. Außerdem werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Italien, Frankreich und den USA prämiert Mailand – Der israelische Historiker Saul Friedländer erhält in diesem Jahr den Balzan Preis im Fachgebiet Holocaust- und Genozidforschung. Der 1932 in Prag geborene Friedländer (University of California, Los Angeles) wird, wie es in der Begründung heißt, für „die Schaffung einer historischen Erzählung“ ausgezeichnet, „welche das Unaussprechliche zum Ausdruck bringt, indem sie die wissenschaftliche Analyse mit den disruptiven Stimmen der Opfer, Täter und Zuschauer verflicht.“ Weitere Preisträger sind die italienische Physikerin Alessandra Buonanno (53), die am Albert-Einstein-Institut (Potsdam) unterrichtet zusammen mit dem französischen Physiker Thibault Damour (70) vom Institut des Hautes Études Scientifiques (Paris) im Fachbereich Gravitation: physikalische und astrophysikalische Aspekte. Der US-amerikanische Biologe Jeffrey Gordon (48) von der Washington University (Saint Louis) erhält den Balzan Preis für seine Forschungen im Fach Das Mikrobiom: seine Rolle in Gesundheit und Krankheit. Der Preis für Vorderasiatische Kunst und Archäologie wurde nicht vergeben.

HISTORISCHE ERZÄHLUNG



Dialog von Design und Kunst auf dem „Fuorisalone“ der Mailänder Möbelmesse – zum Beispiel das Wandgemälde „Be Water“ von Maurizio Cattelan in einem historischen Schwimmbad Mailand – Verschoben ist nicht aufgehoben: Die Mailänder Möbelmesse, die in diesem Jahr wegen der Pandemie von April auf September verlegt wurde, beweist kreativen Überlebenswillen. Nicht nur Fachbesucher, sondern Kulturtouristen aller Herren Länder zieht es gerade wieder in die lombardische Metropole. Besonders der Fuorisalone, die Veranstaltungen des Salone del Mobile im Mailänder Stadtbild, öffnet sich zu diesem ungewohnten Herbsttermin mehr denn je einem Dialog von Design und Kunst. Die meisten Installationen etwa in den Innenhöfen der staatlichen Universität oder im kleinen botanischen Garten hinter dem Palazzo Brera bleiben jedoch ephemer. Sie werden nach Abschluss der Designwoche (4. – 12.9.) und der anschließenden Artweek (13.-19.9. mit der Messe MiArt ) wieder aus dem Stadtbild verschwinden. Anders eine Arbeit von Maurizio Cattelan in der Piscina Cozzi, einem Hallenbad im Viertel Porta Venezia, die zumindest bis Ende 2022 allen Schwimmfreunden erhalten bleibt.

MANIFEST DES WOHLBEFINDENS