Barbara Frandino erzählt in ihrem Roman „Das hast du verdient“ (Folio Verlag) von der langsamen Zersetzung einer Ehe Mailand – Was hält eine Beziehung zusammen, wenn die Liebe in Enttäuschung umschlägt? Wenn der Schmerz die Lust nach Rache weckt? Barbara Frandino erzählt von Claudia, 42, die als Ghostwriterin arbeitet und mit Antonio, einem bekannten TV-Moderator, zusammen lebt. Vom Fenster aus sieht Claudia, wie Antonio im Garten von der Leiter bei der Arbeit an einem Grantapfelbaum stürzt und dann bewusstlos auf dem Boden liegt. Später im Krankenhaus erfährt sie, dass ihr Mann einen Infarkt erlitten hatte, die Erstversorgung aber erst sehr spät erfolgt sei. Als der Unfall passierte, war die Beziehung zwischen den beiden, die als große Liebe begonnen hatte, bereits merklich abgekühlt. „Meine Tage lasse ich fast wortlos verstreichen“, heißt es In dieser Ich-Erzählung aus der Sicht von Claudia, die bei Folio unter dem Titel Das hast du verdient erschienen ist.
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Marco Bellocchio hat einen bewegenden Dokumentarfilm über seinen Zwillingsbruder Camillo gedreht, der mit 29 Jahren aus dem Leben schied – ein Film auch über seine Familie und sich selbst. Mailand (Cinema Anteo) – Der Film beginnt mit Aufnahmen eines Familientreffens der Familie Bellocchio kurz vor Weihnachten 2016 in Piacenza. Marco Bellocchio, seit seinem Erstling I pugni in tasca („Mit der Faust in der Tasche“) 1965 ein vielfach prämierter Filmemacher, wollte Bilder für ein Art privates, filmisches Tagebuch ohne weitere Ansprüche drehen. Daraus entwickelte sich eine über mehre Jahre andauernde Befragung der Familie zum Schicksal seines Zwillingsbruders Camillo, der sich kurz nach Weihnachten 1968 im Alter von 29 Jahren das Leben genommen hatte.
im Kino: Marx può aspettare
Zwischen Spektakel und Tradition: das 42. Rossini Opera Festival in Pesaro Pesaro (bis 22.8.) – Die sympathische Adriastadt hat ihr Festival zurück. Im vergangenen Jahr konnte das Rossini Opera Festival (ROF) wegen der Pandemie nur als Rumpfveranstaltung stattfinden (hier auf Cluverius). Jetzt 2021 bietet es das gewohnt breite Programm mit drei Neuinszenierungen, die gleichsam die Ränder der Schaffensperiode von Gioachino Rossini abtasten: Il Signor Bruschino (Venedig 1813) und Elisabetta Regina d’Inghilterra (Neapel 1815) einerseits sowie Moïse et Pharaon (Paris 1827) anderseits. Dazu kommen eine neu eingerichtete szenische Aufführung des Stabat Mater (Madrid 1833) sowie Konzerte – darunter die Gala zum 25. ROF-Jubiläum von Juan Diego Flórez, zu der auch Staatspräsident Sergio Mattarella geladen ist. Nicht fehlen darf ein Klassiker: Il Viaggio a Reims (Paris 1825) mit den jungen Stimmen der dem Festival vorgeschalteten Gesangsakademie. Den besonderen Covid-Bedingungen ist allerdings eine Reduzierung der Plätze für das Publikum um 50 Prozent (wegen der Abstandsregel) geschuldet. Grundsätzlich hat nur Zugang, wer eine Impfung oder gültigen Test vorweisen kann.
MIT BEKANNTER ELEGANZ
Cagliari Anfang August – Strahlend kreist ein Riesenrad abends hinter Palmen an der Hafenfront der sardischen Regionalhauptstadt. Das „City-eye“, das aus Salerno stammt – deshalb das große „S“ im Zentrum –, erreicht eine Höhe von 45 Metern. Vor genau einem Jahr wurde es aufgestellt und spaltete sogleich die öffentliche Meinung in zwei Lager. Für die einen ein Schandfleck vor dem Meerespanorama, für die anderen ein neuer touristischer Anziehungspunkt. Sechs Monate sollte es sich drehen (Eintritt 10 Euro pro Kopf), doch bald stand es im Lockdown still, wurde im März diesen Jahres wieder geöffnet, nach einem weitern Lockdown erneut geschlossen, dann abermals eröffnet. Und wird Cagliari wohl noch diesen heißen Sommer lang begleiten.
In Cagliari
Die immer wieder aufflammende Debatte über den Tot der Malerei in der anregenden Ausstellung „Stop Painting“ in der Fondazione Prada (Venedig), die Peter Fischli kuratiert hat. Venedig/Mailand – Ein Gespenst geht um in der Welt. Das Gespenst, das regelmäßig das Ende der Gemäldekunst verkündet. Bereits um 1840 rief Paul Delaroche angesichts erster Fotografien aus: „Von nun an ist die Malerei tot.“ Wir wissen, dass er nicht recht behielt. Aber die bis heute nicht abbrechende Folge von Todesmeldungen hat den Schweizer Peter Fischli animiert, in der Ausstellung Stop Painting der Fondazione Prada Venedig darüber nachzudenken, ob diese Debatte nicht ein Gespenst, eben ein „Phantom-Problem“ sein könnte. Und so findet sich der Künstler nach dem Tod seines langjährigen Partners David Weiss in der ungewohnten Rolle des Kurators wieder.
