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Eine Ausstellung in Nuoro untersucht die kulturellen Beziehungen zwischen Sardinien und dem Piemont, nachdem die Insel vor 300 Jahren an des Turiner Herzogtum angegliedert wurde. Nuoro – Sardinien und Piemont verbindet eine 300jährige Geschichte. Im Jahr 1720 war das damalige Königreich Sardinien den Verträgen von London und Den Haag nach dem Herzogtum Savoyen zugesprochen worden – und hatte damit den Herzog in Turin zu einem König gemacht. Die neuen Herren kümmerte sich jedoch – abgesehen von den Jahren ihres Exils in Cagliari während der napoleonischen Dominanz in Italien – wenig um die Insel. Noch heute werden die Savoyer dort in vielen Veröffentlichungen verächtlich als „Kolonialherrscher“ bezeichnet. Die Ausstellung in Nuoro Il regno segreto. Sardegna-Piemonte: una visione postcoloniale versucht dagegen die Beziehungen, den Austausch und das gegenseitige Durchdringen im kulturellen Bereich mit persönlichen Erfahrungen, Objekten und Ideen bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zu beschreiben.

EDINAS GESCHICHTE


In Pesaro geht das 41. Rossini Opera Festival – eine Notausgabe unter Pandemie-Bedingungen –  zu Ende. Das ganze Jahr möglich: der Besuch im Museo Nazionale Rossini Pesaro (bis 20. August) – Der englische Kaufmann Mill will Tochter Fannì mit seinem amerikanischen Kolonialkorrespondenten Slook, dem er einen Heiratswechsel ausgestellt hat, verehelichen. Doch Fannì und der (scheinbar) verarmte Milfort sind ineinander verliebt und wollen heiraten, haben ihre Verbindung aber vor dem Vater geheim gehalten. Diese klassische Konstellation der Commedia dell’arte liegt der Oper La Cambiale di Matrimonio zugrunde und sorgt für viel Komik – eine ideale Vorlage für den jungen, 1792 in Pesaro geborenen Gioachino Rossini. Dies ist seine erste Opernkomposition überhaupt, 1810 wurde sie in Venedig uraufgeführt. Jetzt bildet sie in der abgespeckten Ausgabe des 41. Rossini Opera Festivals (ROF) in der Adria-Stadt Pesaro das Hauptereignis.

in der Oper: La Cambiale di Matrimonio



Jürgen Hosemann hat mit „Das Meer am 31. August“ eine wundervolle Erzählung über die Langsamkeit und das Warten auf Veränderungen geschrieben Mailand/Grado – Das ist wie Urlaub vom Urlaub. Fast 24 Stunden verbringt der Ich-Erzähler am Meer, lässt die Familie hinter sich. Zwischen dem Morgenlicht, das flackert, „als könnte es jederzeit wieder ausgehen“, bis zur Nacht, als es so dunkel ist, „dass die Erinnerung das Einzige ist, was man sieht.“ Der Erzähler kann spüren, „wie der Tag durch mich hindurch zieht.“ Er beobachtet sich, indem er anderen zusieht. Indem er auf Veränderungen wartet. Im Licht. Im Wind. Im Meer. Indem er vieles notiert, um all das Unaufgeregte nicht zu vergessen. Eine Schwimmerin mit roter Badekappe. Ein Liebespaar auf den Felsen des Wellenbrechers. Einsiedlerkrebse im Priel. Schiffe auf dem Wasser. Und: „15 Uhr 35. Nichts.“

DIE ZEIT IST WEG


Atalanta Bergamo und Pisa. Zitiert aus der Piccola Posta von Adriano Sofri (Il Foglio quotidiano, 14/8/2020) Mailand – Gelesen und zitiert: „Romeo Anconetani (Triest 1922 – Pisa 1999) war ein legendärer Präsident des Fußballvereins il Pisa Calcio. Er machte und redete Denkwürdiges. Er ließ Salz auf den Platz vor dem Spiel streuen, wie Odysseus, der sich verrückt stellte, weil er nicht als Soldat nach Troia wollte. Er brachte il Pisa in vier Jahren von der Liga C in die Liga A. Er sagte: „Il Pisa bin ich“ mit der gleichen Natürlichkeit, mit der andere das vom französischen Staat oder von der Frau Bovary gesagt hatten. Als er starb, benannte die Stadt das halbe Stadion nach ihm – die andere Hälfte blieb beim vorangegangenen Namensgeber, bei Giuseppe Garibaldi.

„Aber es war schön“



Massimo Montanari widmet sich mit „Spaghetti al pomodoro. Kurze Geschichte eines Mythos“ genussvoll der Kulturhistorie der Pasta Mailand – Seit wann kocht man Pasta in Wasser (Genießer nehmen Brühe)? Welche Rolle spielt der Käse? Weich oder bissig – eine Frage der Zeitläufe ebenso wie das Essen mit der Gabel? Wie kam es zur Begegnung von Pasta und Tomate? Massimo Montanari geht in seinem wundervollen kleinen Buch Spaghetti al pomodoro. Kurze Geschichte eines Mythos den Spuren eines typischen italienischen Gerichts nach. Wobei er viele, für Pastaliebhaber überraschende historische Details ausbreitet. So, dass etwa in der Renaissancezeit Pasta über eine halbe Stunde „gar“ gekocht, dann in mehreren Schichten übereinander gelegt und dazwischen geriebener Käse, Zucker und Zimt gestreut und das ganze schließlich bedeckt im Ofen oder in heißer Asche eine weitere Zeit gegart wurde. Raffaels Pasta war wie die von Machiavelli oder Vasari labberig, klebrig und süß.

LABBERIG, KLEBRIG UND SÜSS?