Der 60. Salone del Mobile und die Design week in Mailand. Eine zentrale Rolle spielt die Triennale und ihr Palazzo dell’Arte u.a. mit einer Memphis-Ausstellung. Und die 23. Internationale Triennale di Milano steht vor der Tür Mailand (bis 12.6.) – Zum 60. Mal findet der Salone del Mobile statt. Auf dem Messegelände im Mailänder Vorort Rho zeigen 2000 Aussteller, darunter 600 junge Designer unter 35, ihre Entwürfe, Idee, Produkte. Trotz der globalen Problemstellungen (Klimawandel, Pandemie, Krieg in der Ukraine) möchte man mit Design ein positives, optimistisches Bild „für ein besseres Leben auf diesem verletzlichen Planeten“ vermitteln, wie es in einer Mitteilung heißt. In Italien sind im Sektor rund 34.000 Unternehmen, davon die meisten im Großraum Mailand, mit mehr als 64.000 Beschäftigten tätig. Damit ist Italien das führende „Design-Land“ in Europa, hier wird 15 Prozent des Umsatzes der EU erwirtschaftet.
Mailand
Der Kirchenbau der protestantischen Gemeinde Mailand (CCPM) nach einer umfassenden Restaurierung und nach Umbauarbeiten in einer reich bebilderten Dokumentation, die gerade erschienen ist. Mailand – Vor mehr als 170 Jahren gründeten Schweizer Reformierte und deutsche Lutheraner in Mailand eine protestantische Gemeinde unter der offiziellen Bezeichnung „Evangelische Versammlung“. Wenig später konnte sie sich als „Chiesa Cristiana Protestante in Milano“ (CCPM) ein Statut geben. 1864 wurde der Bau eines eigenen Kirchengebäudes im neugotisch-lombardischen Stil an der damaligen Via Carlo Porta (heute Via Marco de Marchi) eingeweiht. Nach vielen kleinen Maßnahmen zur Pflege des Gebäudes und der Anlage waren in den 2010er-Jahren größere Renovierungs- und Umbauarbeiten nötig, die 2017 abgeschlossen werden konnten. Eine kleine zweisprachige Veröffentlichung der CCPM unter dem Titel „In neuem Licht / In nuova luce“, die gerade erschienen ist, dokumentiert und wertet diese Arbeiten. Die geben der Gemeinde auch die Möglichkeit, ihre Aktivitäten nicht nur geistlich, sondern ebenso kulturell und gesellschaftlich auszuweiten.
IN NEUEM LICHT
Die Skulptur „You“ oder Warum Maurizio Cattelan Angela Merkel sein möchte Mailand (Galleria Massimodecarlo bis 25. 6.) – Hier hängt er nun im blauen Anzug mit Krawatte, einen Blumenstrauß in der Hand, barfuß und den Strick um in den Hals im grünen Marmorbad der Mailänder Galerie von Massimo De Carlo: eine der typischen Puppen von Maurizio Cattelan, die sein Antlitz – diesmal mit einem traurigen Lächeln – tragen. You nennt sich diese brandneue Arbeit. Aber was die einen schockiert, lässt andere nur gähnen. Cattelan, einst mit dem betenden Hitler, dem erschlagenen Papst oder dem erhängten Kind ein willkommener Provokateur und Meister der Ironie, so die Kritikerin Alessandra Mammì in der Zeitschrift Artribune, wiederhole sich nur noch müde selbst. Schockierend seien die Zeitläufe, nicht eine erhängte Puppe im Nobelklo.
NEUE FREUNDLICHKEIT
Die Inszenierung des Teatro Elfo Puccini verwandelt die Tragödie des Ödipus in ein faszinierendes Kaleidoskop von Traumbildern Mailand (Teatro Elfo Puccini bis 14.4.) – Das ist die Fabel eines Jungen aus einer Hirtenfamilie, der das Böse besiegt, die Stadt befreit, dafür zu ihrem König ernannt wird und die schöne Witwe des vorherigen Königs zur Frau bekommt. Die Fabel schlägt aber um in eine Katastrophe, als der König Ödipus erfährt, dass er, wie vom Orakel vorhergesehen, der Mörder seines Vaters ist und schließlich sogar seine eigene Mutter geheiratet und mir ihr Kinder erzeugt hat. Der mythische Stoff ist von Sophokles in „König Ödipus“ (um 429 v. Chr.) als klassische Tragödie gestaltet worden mit der Botschaft, dass es unmöglich sei, seinem Schicksal zu entkommen. Die Bearbeitung durch Ferdinando Bruni und Francesco Frongia am Mailänder Teatro Elfo Puccini geht über Sophokles hinaus und führt einen Ödipus vor, der sich dem Mythos in von Form Traumgestalten erwehren will, aber schließlich in der unmöglichen Wahl zwischen Freiheit und Notwendigkeit gefangen bleibt.
Im Theater: Edipo Re. Una favola nera.
Das neue Stück von Stefano Massini – eine Befragung von Eichmann durch Hannah Arendt – wurde im Mailänder Piccolo Teatro uraufgeführt. Mailand (Piccolo Teatro) – Adolf Eichmann leitet während des Nationalsozialismus bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges an zentraler Stelle die Verfolgung und Deportation von Juden in Deutschland und in den besetzten Gebieten. Vom israelischen Geheimdienst 1960 in Argentinien aufgespürt wurde er nach Israel gebracht, wo ihm ein öffentlicher Prozess gemacht und wo er schließlich zum Tode verurteilt wurde (Vollstreckung 1962). Den Prozess verfolgte die Philosophin und Publizistin Hannah Arendt. Sie veröffentlichte anschließend ihr berühmtes Buch „Eichmann in Jerusalem“ über die Banalität des Bösen. Der italienische Autor und Dramaturg Stefano Massini hat aus den Prozess-Akten und dem Arendt-Buch das Theaterstück „Eichmann. Dove inizia la notte“ (Wo die Nacht beginnt) entwickelt. Der Einakter, produziert von den Stadttheatern in Bozen und Venedig, wurde jetzt in Mailand am Piccolo Teatro in der Regie von Mauro Avogadro uraufgeführt.
