Mailand


30 Jahre „mani pulite“: unter den juristischen Untersuchungen gegen Korruption und illegale Parteienfinanzierung zerbrach das traditionelle Parteiensystem Italiens Mailand – Am 17. Februar 1992 wurde in Mailand Mario Chiesa, der Direktor einer kommunalen Sozialeinrichtung und führendes Mitglied der Sozialistischen Partei Mailands, auf frischer Tat ertappt, als er ein Bestechungsgeld einkassierte. In dem Augenblick konnte niemand ahnen, dass die Festnahme Chiesas eine Lawine lostreten würde, die das politische Italien überrollen und von Grund aus verändern sollte. Denn Chiesa war, wie sich bald herausstellte, kein Einzelfall. Korruption war längst ein Mittel zur illegalen Parteienfinanzierung, von der mehr oder weniger alle politischen Organisationen Italiens profitierten. Unter dem Schlagwort „mani pulite“ – „saubere Hände“ wurde das betrügerische Finanzierungssystem jetzt von der Justiz öffentlich gemacht und zum Skandal.

EIN STURM DER ENTRÜSTUNG


Mailand: Wie die Grand Tour die Kunstszene in Italien belebte. Eine prächtige Ausstellung in den Gallerie d’Italia    Mailand (Gallerie d’Italia bis 27.3.) – Landschaften, die verzaubern, Städte, die faszinieren, Kunstschätze ohnegleichen und ein mildes Klima – die „Marke“ Italien beherrscht den Tourismusmarkt weltweit. Ihre Form prägte sich in der Zeit vom Ende des 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus, als Bildungsreisende sich in der „Grand Tour“ zwischen Venedig und Sizilien auf die Suche nach den Zeugen aus Antike und Renaissance machten und es zum guten Ton meist junger Vertreter der oberen Gesellschaftsschichten gehörte, es ihnen gleich zu tun. Während die einen vor allem literarisch Zeugnis ablegten, suchten die kaufkräftigen anderen, künstlerische Zeugnisse als Erinnerungsstücke mit nach Hause zu nehmen. Die prächtige Ausstellung „Grand Tour. Sogno d’Italia da Venezia a Pompei“ in den Gallerie d’Italia-Piazza Scala belegt wie die Kunst – vor allem die Malerei mit Ansichten von Landschaften und Städten aber auch mit Porträts der Reisenden – aufblühte.

KAUFHAUS DER SCHÖNHEIT



Elio De Capitani bringt in Mailand Orson Welles mit einem Stück zwischen Shakespeare und Melville auf die Bühne (Teatro dell’Elfo) Mailand  (Teatro dell’Elfo Puccini) ­– Es hat etwas mit Besessenheit zu tun, mit der ein Autor wie Orson Welles im Laufe seines Lebens im Theater, im Kino oder im Radio künstlerische Projekte verfolgte – und oft mit ihnen scheiterte. Dass Theater selbst eine Form von Besessenheit ist, weiß ein Schauspieler, Regisseur und Dramaturg wie Elio De Capitani nur zu gut. Mit  dem von ihm mitgegründeten Teatro dell’Elfo setzt er sich in Mailand seit Jahren mit der Ästhetik amerikanischer Autoren auseinander. So musste irgendwann der Weg zu Welles führen. Und zu dem Stück „Moby Dick Rehearsed“, das jetzt zum ersten Mal überhaupt in Italien als „Moby Dick alla Prova“  aufgeführt wurde. Im Februar wird die Inszenierung nach Turin an das Teatro Stabile di Torino – Teatro Nazionale wandern, das sie koproduziert hat.

im Theater: Moby Dick alla Prova


Ein Sammelband über Heinrich Mylius, die Lombardei und das nordalpine Europa im frühen 19. Jahrhundert ausgehend von einer Tagung in der Villa Vigoni Mailand – Im Jahr 1788 wählte ein 19jähriger Deutscher sich Mailand zum Lebensmittelpunkt, um hier die kaufmännischen Interessen seiner Familie aus Frankfurt zu vertreten: Heinrich Mylius (Frankfurt 1769 – Mailand 1854).  Er machte sich bald selbstständig und wurde so als erfolgreicher Unternehmer zu einer wichtigen Figur im Netzwerk zwischen dem deutschsprachigen Raum und Norditalien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seine Lebenszeit deckt sich mit der historischen Epoche des Übergangs von der frühen Neuzeit und der Moderne („Sattelzeit“). Dazu gehören Napoleons norditalienischer Staat mit Mailand als Hauptstadt (1796-1814), Unruhen in der Lombardei 1821 bzw. 1830 und die berühmten „Cinque Giornate“, der Aufstand im März 1848, der die Österreicher für einige Monate aus Mailand vertrieb.  Aus einer Tagung des deutsch-italienischen Zentrums Villa Vigoni und der Goethe-Universität Frankfurt/Main mit Unterstützung der Werner Reimers Stiftung ist ein Sammelband (Franz Steiner Verlag) hervorgegangen, der Beiträge zum Verhältnis von Heinrich Mylius und seiner Epoche sammelt.

NETZWERKER IM KULTURELLEN AUSTAUSCH



Die Saisoneröffnung der Mailänder Scala weist über das Bühnenerlebnis hinaus Mailand (bis 29.12.21) -„Macbeth“ an der Mailänder Scala, das war in mehrfacher Hinsicht ein Erfolg. Musikalisch mit den Protagonisten Anna Netrebko (Lady Macbeth), Luca Salsi (Macbeth) und vor allem Ildar Abdrazakov (Banco) sowie dem Scala-Orchester unter der Leitung von Riccardo Chailly. Bewegend der Chor der schottischen Flüchtlinge mit „Patria oppressa – unterdrücktes Vaterland“. Verdi schrieb die Passage für die zweite Fassung des Macbeth, die 1865 uraufgeführt wurde, als Italien zwar vier Jahre zuvor einen ersten Schritt zur Nationalbildung getan hatte, aber der ganzen Nordosten mit Venetien, Trentino, Friaul/Triest noch zu Österreich gehörte und auch Rom ausgeklammert blieb.

In der Oper: Macbeth