Mailand


In einer Mailänder Wunderkammer präsentiert das Architekturbüro LAND seine 30jährige Unternehmensgeschichte – und schafft Raum für Zukunftsdebatten Mailand – In großen Zusammenhängen denken, aber klein und auf den Punkt genau handeln. Das gehört zur Philosophie des Landschaftsarchitekten und Urbanisten Andreas Kipar und des von ihm vor 30 Jahren mitbegründeten internationalen Büro LAND (Mailand, Düsseldorf, Lugano). Unter den aktuellen Herausforderungen durch den Klimawandel, den Naturabbau und das Bevölkerungswachstum konnten in den vergangenen Jahren anhand vieler Planungen „Denkweisen erarbeitet werden“, die, so der 61jährige Architekt, „den Umweltbegriff weiten und die Zusammenhänge von Menschen, Pflanzen, Tieren und dazu auch von Luft und Böden erkennen und in den Vordergrund stellen.“ Eine Ausstellung in Mailand mit rund 80 Projekten von LAND schreibt jetzt in der schlaglichtartigen Präsentation einer eklektischen Wunderkammer nicht nur eine spannende Unternehmensgeschichte, sondern weist auch ideell in die Zukunft.

DIE LANDSCHAFT UND IHR ZAUBER


Wie Mailand auf ein neues Designmuseum hofft, das ein Zeichen neuer Nachdenklichkeit setzen will, während der „Fuorisalone“ nur digital stattfinden kann  Mailand – Nach der Pandemie ist vor der Pandemie – oder wird dann nichts mehr so sein, wie es vorher war? Die Stimmung in der italienischen Architektur- und Designszene schwankt zwischen neuem Denken und die Hoffnung, den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren. Und hier richten sich alle Blicke auf Mailand, das mit seinen Möbel- und Einrichtungsbetrieben in der Stadt und in der Region, seinen Architekturbüros sowie seinen Ausbildungs- und Ausstellungseinrichtungen für eine in der Welt wohl einmaligen Verzahnung von Unternehmen, Planern/Gestaltern und Kommunikatoren steht. Doch vielen Betrieben steht wirtschaftlich das Wasser bis zum Hals, Schulen und Akademien halten sich mühsam mit Distanzunterricht am Leben und Einrichtungen wie der Salone der Mobile, der im vergangenen Jahr ganz ausgefallen war, musste 2021 vom traditionellen Apriltermin auf den Spätsommer (5. bis 10.9.) verschoben werden.

STILLE TAGE IM APRIL



Enttäuschend: der Ehe-Roman „Treue“ von Marco Missiroli an der Grenze zum Kitsch, die er manchmal überschreitet Mailand – Margherita und Carlo leben in Mailand. Sie sah sich als Architektin und leitet jetzt als Immobilienmaklerin eine kleine Agentur. Er hält sich für einen Schriftsteller, muss jedoch sein Geld als Dozent für kreatives Schreiben verdienen. Auch wenn beide Mittdreißiger ihre beruflichen Träume nicht erfüllt sehen, führen sie eigentlich eine gelungene Ehe, fühlen sich jeweils vom anderen auch erotisch angezogen. Wenn nur dieser Verdacht nicht wäre: gab es bei ihm einen Seitensprung mit einer Studentin? Und was spürt sie, wenn sie bei einer Therapiesitzung von dem jungen Physiotherapeuten berührt wird? Es geht in dem Roman von Marco Missiroli, wie es der Titel auf den Punkt bringt, um Treue, um Emotionen, um Sehnsüchte. Kein leichtes Gelände, das bereits von unzähligen Unterhaltungsromanen bearbeitet worden ist. Und, um es gleich zu sagen, der Autor verliert sich auf ihm.

AUF LEBLOSER FOLIE


Das Musikdrama von Richard Strauss in einer Inszenierung der Mailänder Scala unter Covidbedingungen nur im Fernsehen (Rai 5, Raiplay) und im Radio (Rai 3, Euroradio) Mailand – So mutieren Spielpläne in Zeiten der Pandemie: ursprünglich sollte die Mailänder Neuinszenierung der Salome von Richard Strauss am 8. März 2020 unter Leitung von Riccardo Chailly (Musik) und Damiano Michieletto (Regie) mit Malin Byström und Michael Volle Premiere haben. Die Proben waren schon weit fortgeschritten, als 23. Februar der Lockdown (nicht nur) den Kulturbetrieb lahm legte. Ein Jahr später wurde die Inszenierung jetzt mit teilweise neuem Cast (Elena Stikhina und Wolfgang Koch) ohne Publikum in der Scala aufgeführt (19.2.) und tags darauf zeitversetzt im Fernsehen und im Radio ausgestrahlt. Die Orchesterleitung sollte eigentlich Zubin Mehta haben, der aber aus gesundheitlichen Gründen passen musste. An seiner Stelle dirigierte (wie bei den Proben vor einem Jahr) Riccardo Chailly.

in der Oper: Salome



Tiepolo. Venezia, Milano, l’Europa – eine klar strukturierte Ausstellung erzählt, wie italienischer Kunst im 18. Jahrhundert den alten Kontinent erobert. Ihre Wurzeln hat sie in Venedig, das aufstrebende Mailand dient als Sprungbrett. Mailand – In Zusammenarbeit mit den Gallerie dell’Accademia di Venezia zeigen die Gallerie d’Italia (Bankgruppe Intesa Sanpaolo) in Mailand die bemerkenswerte Ausstellung Tiepolo – Venezia, Milano, l’Europa. Zu sehen sind rund 70 Exponate überwiegend von Giambattista Tiepolo (Venedig, 1896 – Madrid, 1770), aber auch von seinen Söhnen und von Zeitgenossen wie Canaletto, Piazzetta oder Ricci. Das reicht von Skizzen, Vorstudien für Fresken, bis zu großflächigen Arbeiten, wie der „Trionfo di Aureliano“ aus seiner Jugendzeit oder eine Darstellung San Francescos, vielleicht sein letztes Werk vor dem Tod in Madrid. Wie kein anderer seiner Zeit weiß er abwechselnd historische, mythologische oder religiöse Themen  zu illustrieren.

LICHT DURCHWIRKTE TABLEAUS