Mailand


Wie erinnern? Zwei Beispiele aus Mailand und aus Genua Italien gedenkt der Befreiung von deutscher Besatzung und der Herrschaft Mussolinis vor 70 Jahren. Am 25. April 1945 wurde vom Nationalen Befreiungskomitee in Mailand der Generalstreik in den noch von Wehrmacht und SS besetzten Gebieten Norditaliens ausgerufen. Das war zugleich das Signal zu einem allgemeinen Aufstand, durch den dann die Partisanen die Herrschaft über große Städte wie Mailand, Genua und Turin errangen, während die Alliierten von Süden kommend immer weiter vorrückten. Die Deutschen Truppen befanden sich bereits auf einem chaotischen Rückzug Richtung Alpen. Vier Tage später kapitulierten sie endgültig vor den Alliierten. In Italien wird der 25. April inzwischen als Nationalfeiertag begangen, an dem man die Resistenza, also den Widerstand ehrt, dessen Werte auch in die republikanische Verfassung Eingang gefunden haben. Zuletzt hatte sich jedoch eine Feiertagsrhetorik entwickelt, die zu einer gewissen Ermüdung der Erinnerung geführt hat. In Mailand wie in Genua gab es jetzt Versuche, die Feiern des 25. Aprils mit neuem Leben zu füllen.

70 JAHRE RESISTENZA


Zu Besuch in Paderno Dugnano im Weichbild Mailand, wo der FIFA World Cup herstellt  wurde und wo man ihn öfter restaurieren muss  Mailand (Juli 2014) – Das Objekt der Begierde stammt aus Italien, aus Mailand, der Welthauptstadt des Designs. Es ist innen hohl, 36,8 Zentimeter hoch und wiegt 6,1 Kilogramm, davon sind rund 5,5 Kilo 18karätiges Gold. An der Basis, wo es von zwei grünen Malachit-Ringen geziert wird, hat es einen Durchmesser von 13 Zentimetern. Seit 1974 tut es seinen Dienst. Der Vorgänger, der Jules-Rimet-Pokal, war den FIFA-Statuten nach vier Jahre zuvor ganz in den Besitz des brasilianischen Fußballverbandes gekommen, nachdem die Celeção zum dritten Mal den Titel gewonnen hatte. Franz Beckenbauer durfte dann als erster Spieler der Welt in München am 7. Juli 1974 nach dem gewonnenen Endspiel gegen die Niederlande Hand an die neue Trophäe legen. Auch das Regelwerk wurde geändert. Der neue WM-Pokal sollte solange im Rennen bleiben, bis sich Platz fand, den Namen des Gewinnerlandes auf die Basis und die Unterseite zu gravieren – mindestens bis zum Jahr 2038. Wer ihn am 13. Juli nach gewonnenem Spiel in Rios versmogten Himmel reckt, hat einen Materialwert von rund 160 000 Euro in der Hand. Doch das wird den […]

EIN POKAL, AUS DEM MAN NICHT TRINKEN KANN



Junge italienische Kunst in der Mailänder Wohnung des Sammlers Volker Feierabend Mailand (5.02.2014) Kunst treibt schon die merkwürdigsten Blüten. Und wenn man sich, wie der Sammler Volker Feierabend, der Kunst eines ganzen Jahrhunderts, des 20. Jahrhunderts in Italien verschrieben hat, dann purzeln Stile und Formate durcheinander. Landschaftsbilder in Brauntönen hängen in seiner Mailänder Wohnung neben surrealistischen Motiven in schwarz-weiß. Eine Spielzeug-Hundehütte mit Glockenturm und der Aufschrift „My Dog is my God“ wird von einer kleinen Glasvitrine geschützt. Oder eine Krankenhausspritze, in die eine Miniatur von Munchs Gemälde „Der Schrei“ montiert ist, ist wie ein Gemälde umrahmt.

VOLLGESTOPFT MIT BILDERN, BÜCHERN UND STATUEN


Giorgio Fontanas kleiner Bildungsroman „Im Namen der Gerechtigkeit“ Mailand. Es geht um Recht und Gesetz und um die Möglichkeit, sich mit damit der Gerechtigkeit anzunähern. In einem Vorort von Mailand kommt es zu einer Schießerei. Eine zufällig beteiligte Frau wird dabei schwer verletzt. Beim Prozess weist der Hauptangeklagte, ein bislang unbescholtender Einwanderer aus Tunesien, alle Schuld von sich. Doch Indizien und Aussagen von Beobachtern der Tat sprechen gegen ihn. Der Mann wird unter dem Beifall der populistischen Presse verurteilt. Vor der Berufung recherchiert eine junge Journalistin die Hintergründe und entdeckt ein anderes Szenarium. Sie versucht, den Staatsanwalt am Berufungsgericht von der Unschuld eines Angeklagten zu überzeugen, der inzwischen jede Aussage verweigert. Eine Zeuge aus dem Einwanderermilieu, der seine Unschuld bestätigen könnte, wird getötet. Langsam gewachsene Zweifel Der Roman von Giorgio Fontana „Im Namen der Gerechtigkeit“, den Karin Krieger elegant übersetzt hat, benutzt viele Krimi-Elemente. Aber es ist mehr ein Spiel mit dem Genre. Denn im Mittelpunkt steht nicht ein Fall und seine juristische Aufklärung, sondern die Person des Staatsanwaltes. Für den 65jährigen Roberto Doni geht es um einen letzten Karriereschritt auf dem Weg zu seiner Pensionierung. Doch bricht er, angetrieben durch die Hartnäckigkeit der Journalistin Elena, aus der Routine eines […]

SCHAUPLATZ MAILAND



Mailand, die Scala und die Saisoneröffnung 2013/14 mit der Traviata Mailand (Dezember 2013) – Es gibt Tage, da erkennt man den nasskalten Dezember nicht mehr. Ein blauer Himmel spannt sich über der Stadt, die Luft ist klar und am nördlichen Horizont steigt majestätisch der Monte Rosa aus dem Alpenbogen. Den kann man etwa von den Fenstern der Sala Cecchetti aus bewundern, dem Probenraum für das Ballett im obersten Stockwerk des mächtigen Bühnenturms des Teatro alla Scala, der sich 56 hoch über der Innenstadt erhebt. Bei geöffneten Fenstern leuchten die Berge sogar auf der gegenüberliegenden Spiegelwand, die die gesamte Stirnseite des Raumes einnimmt.Tänzerinnen und Tänzer haben jedoch in diesen Tagen kaum Zeit für Ausblicke. Die Eröffnung der kommenden Spielzeit steht bevor, der 235. in der Geschichte. Wie jedes Jahr am Ambrosiustag, am 7. Dezember, wenn das Foyer und der Zuschauerraum festlich mit 3000 Rosen in Weißrosa, Fuksia und Bordeauxrot geschmückt ist. Dazu kommen 500 Kamelien, denn auf dem Programm steht mit „La Traviata“ Giuseppe Verdis grandiose Musikfassung der „Kameliendame“ von Alexandre Dumas. Es ist jedes Jahr ein Spektakel um das Spektakel, das die Blumen zusammen mit den Golddekorationen des hufeisenförmigen Zuschauersaals veranstalten, wo sechs Ränge mit 146 meist rot ausgeschlagenen Logen […]

ACH, IHR AUGES ZAUBERBLICK