Ausschreibung für neue Museumsdirektoren in Italien Mailand/Rom – Die Besetzung der „superdirettori“, wie die Chefposten der großen und mit einer Autonomie ausgestatteten staatlichen Museen von den italienischen Medien genannt wird, geht in eine neue Runde. In den Vorjahren hatten Mitte-links-Regierungen Bewerbungen von ausländischen Persönlichkeiten favorisiert – etwa den Deutschen Eike Schmidt als Leiter der Uffizien in Florenz oder den Briten James Bradburne bei der Brera in Mailand. Ein halbes Dutzend von Museen und Kultureinrichtungen kamen so unter ausländisches Fachpersonal, was zum Teil wütende Proteste aus rechtsorientierten Kulturkreisen auslöste. Neuerdings bestimmt eine national orientierte Regierung in Rom das staatliche Kulturwesen. Und es stehen Neubesetzungen in einer ganzen Reihe von Institutionen an. Darunter auch die Uffizien, die Brera oder das Capodimonte (Neapel). Gibt es einen nationalistischen Rechtsruck: Ausländer raus?
Mailand
Videodramen von Diego Marcon in einem Puppentheater. Seit 20 Jahren nutzt die Fondazione Trussardi Mailand als Spielfläche für Kunstaktionen Mailand – Es begann vor zwanzig Jahren mit einer Installation von Elmgreen & Dragset, die einen Wohnwagen-Anhänger aus dem Boden der Mailänder Galleria gleichsam herausbrechen ließen. Unter der künstlerischen Leitung von Massimiliano Gioni präsentiert die Fondazione Trussardi (Präsidentin Beatrice Trussardi) seitdem jährlich eine mehr oder weniger provokante Aktion von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern an wechselnden, oft überraschenden Orten Mailands und nutzt die Stadt als ein „museo mobile“. In diesem Jahr sind Videoarbeiten von Diego Marcon in der Spannung zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen, die unter dem Titel „Dramoletti“ in der ehemaligen Puppenbühne Teatro Gerolamo zu sehen sind. Das Theater, ein architektonisches Kleinod aus dem 19. Jahrhundert, wird wegen seiner Eleganz auch „la piccola Scala“ genannt.
MUSEO MOBILE
Wie die Mailänder Triennale ihren 100. Geburtstag feiert Mailand – Vorhang auf für die Feiern zum hundertjährigen Bestehen der Triennale. Am 19. Mai 1923 wurde in der Villa Reale in Monza die Biennale der dekorativen Künste (Architektur, Handwerk, Design) als Gegenstück zur Kunst-Biennale in Venedig eröffnet. Aus der Biennale wurde bald eine Triennale, eine internationale Ausstellung alle drei Jahre, die 1933 nach Mailand in den eigens von Giovanni Muzio erbauten Palazzo dell’Arte umzog. Heute ist die Triennale ein Zwitter. Neben der Dreijahresausstellung, die nicht immer in regelmäßigen Abständen abgehalten wird (zuletzt 2022), ist sie eine feste (öffentlich geförderte) Einrichtung, in der das ganze Jahr über Ausstellungen und Veranstaltungen zur Kunst, Architektur, Design etc. veranstaltet werden. Dazu kommen Aufführungsreihen zum Gegenwartstheater. Der Palazzo dell’Arte beherbergt außerdem mit dem Museo del Design die wichtigste Sammlung des Landes zum italienischen Design. Neu geordnet zeigt sie seit Ostern passend zum Jubiläum einen historischen Überblick über die 100 Jahre Design in Italien.
HOME SWEET HOME
Die deutsche Sprache, ein Essay-Wettbewerb an der Deutschen Schule Mailand und eine Sammlung von Lieblingswörtern Mailand – „Die deutsche Sprache ist für mich meine Oma.“ – „Ich finde, dass das Deutsche schlicht, genial und einfach ist.“ – „Wenn ich den Klang der deutschen Sprache höre, spüre ich (…) diesen geheimnisvollen Mondscheinzauber der Natur.“ Beispielsätze aus drei von rund 70 Texten von Schülerinnen und Schülern der Deutschen Schule Mailand (DSM), die an einem Essaywettbewerb zum Thema „Was die deutsche Sprache für mich bedeutet“ teilgenommen hatten. Jetzt wurden bei einer Abendveranstaltung der DSM Beiträge aus der Ober- und der Mittelstufe in verschiedenen Kategorien prämiert. Zur Jury (vornehmlich Lehrkräfte) gehörte als Gast der Sprachwissenschaftler Roland Kaehlbrandt, der an dem Abend außerdem sein Buch „Deutsch – Eine Liebeserklärung“ (Piper 2022) vorstellte.
EIN SCHÖNES GESCHENK
Fondazione Prada (2): Die gelungene Ausstellung „Recycling Beauty“ über die Wiederverwendung antiker Fragmente und über die Vergangenheit als ein Phänomen in ständiger Entwicklung Mailand (Fondazione Prada bis 27.2.) – Als die Kunstzeitung „Giornale dell’Arte“ traditionell zum Jahresbeginn Kritiker, Fachleute, Liebhaber, Insider u.a. nach der besten Ausstellung des Jahres fragte, wurde immer wieder auf „Recycling Beauty“ in der Fondazione Prada hingewiesen. Eine Ausstellung, die sich dem Thema der Wiederverwendung von griechischen und römischen Kulturgütern in postantiken Zusammenhängen, vom Mittelalter bis zum Barock, widmet. Sie wurde von Salvatore Settis und Anna Anguissola in Zusammenarbeit mit Denise La Monica kuratiert und von Rem Koolhaas/OMA gestaltet.
