MilanLomb


Briefe aus der Quarantäne (1) – Die Lombardei mit Mailand wird zum Sperrgebiet erklärt Mailand (8. März) – Sonntag Morgen, wie immer. Frühstück in der Bar mit Caffè (doppio), Brioche (ai cereali) und Zeitung (domenicale del sole24ore). Ravasi zitiert in seinem Breviario Shakespeare zum Weltfrauentag. Die Kinorubrik lobt Giorgio Dirittis Film „Volevo nascondermi“ über den Maler Antonio Ligabue (fünf von fünf Sternen). Schade nur, dass ich ihn nicht sehen kann.

DIE HAND GEBEN? NEIN DANKE.


Hilferuf der italienischen Kulturunternehmen, die zusammen mit dem Tourismus-Sektor besonders von den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus betroffen sind Mailand/Rom – Die Kulturunternehmen Italiens fordern sofortige Hilfsmaßnahmen für Unternehmen und Arbeitskräfte des Sektors wegen der Notlage durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Grippe-Epidemie ausgelöst durch den Coronavirus. Der drastische Rückgang des Verkaufs von Kulturprodukten, Büchern, Musikträgern und DVDs, die Absage von Konzerten und Ausstellungen, die spärliche Museumsbesuch mit nicht einmal 20 Prozent der gewöhnlichen Besucherzahlen, die Absage von Festivals und Messen, die Schließung von Kinos und Theatern bringe, so der Verband der Kulturunternehmen (Confindustria Cultura Italia), für viele Einrichtungen und ihre Mitarbeiter ernsthafte wirtschaftliche Probleme.

LEERE SÄLE, LEERE KASSEN



Der Coronavirus und die Kultur in Norditalien – nach einer totalen und radikalen Schließung aller kulturellen Veranstaltungen und Aktivitäten können jetzt wenigstens Museen und Ausstellungsbetriebe unter Auflagen wieder öffnen Mailand – Erste Türen öffnen sich jetzt in der Woche nach dem 3. März für einige Kulturveranstaltungen. Während Schulen und Universitäten in den meisten Regionen des Nordens weiterhin geschlossen bleiben und keine öffentlichen Veranstaltungen stattfinden, dürfen Museen und Ausstellungseinrichtungen wieder öffnen, wenn sie behördliche Vorgaben einhalten. Dazu gehört eine Beschränkung des Besucherstroms, damit keine, wie es offiziell heißt, „assembramenti“ (Menschenansammlungen) entstehen und ein Mindestabstand von einem Meter zwischen den einzelnen Personen gewährleistet bleibt. Weiterhin geschlossen bleiben Kino, Theater, Oper- und Konzerthäuser. Das Teatro La Fenice bietet Konzerte im Streaming-Dienst an.

EIN METER ABSTAND


Der Coronavirus und die Schönen Künste: nichts geht mehr. Theater, Museen, Ausstellungen bleiben geschlossen. Die Kulturnation Italien mach dicht. Und der Schriftsteller Gianrico Carofiglio denkt über das Verhältnis von Angst und Gefahr nach. Mailand – Schreckensmeldungen aus Italien: Hauptsächlich im Norden des Landes haben sich – Stand 25.2. – über 300 Personen mit den Coronavirus angesteckt, davon rund 200 allein in der Lombardei. Zehn meist ältere Personen sind gestorben. Besonders gefährdet ist ein Gebiet in der Metropolzone Mailands unweit der Provinzstadt Lodi. Mailand selbst bleibt bislang noch kaum betroffen. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, haben die Behörden zu drastischen Maßnahmen wie die Abriegelung der Gebiete gegriffen, die als Ansteckungsherde gelten. Aber in ganz Norditalien werden Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Darunter fallen auch das Verbot von öffentlichen Kulturveranstaltungen. Die Opernhäuser mussten schließen, der Karneval ist ausgefallen, die Kinderbuchmesse Bologna wurde auf Anfang Mai verschoben. Eine Kulturnation wird im Notstand ihrer Kultur beraubt. Aber nicht alle sind mit diesen Maßnahmen einverstanden.

KULTUR IN QUARANTÄNE



Emma Dante inszeniert am Piccolo Teatro eine neue Arbeit über Humanität und Hoffnung am Bodensatz der Gesellschaft Mailand (Piccolo Teatro Grassi bis 16.2.2020) – Drei etwas heruntergekommen wirkende Frauen sitzen in einer Reihe auf der Bühne. Sie stricken, sie streiten, sie beschimpfen sich. Zwischen ihnen ein junger Mann in einem kindlichen Kleid, geistesschwach, unfähig still zu sitzen und seine Bewegungen zu kontrollieren. Bald lernt der Zuschauer, es sind drei Prostituierte, die so tagsüber ihre Zeit verbringen, während sie sich nachts wohl nicht weniger heruntergekommenen Freiern anbieten. Der Junge aber ist das Kind einer Kollegin, die von ihrem Vater brutal erschlagen worden war, seine Verhaltensstörungen sind Folgen dieser Tat. Die Drei haben ihn aufgezogen.

im Theater: Misericordia