Wird die italienische Buchmesse demnächst in Mailand organisiert? Mailand/Turin – Der italienischen Buchmesse, die bislang in Turin stattgefunden hat, droht in ihrer traditionellen Form das Aus. Nachdem bereits vor ein paar Monaten der frühere Präsident der Stiftung des Salone del Libro wegen des Verdachts auf Veruntreuung zurücktreten musste, hat die Turiner Justiz am 12. Juli mehrere Personen festgenommen. Darunter zwei Führungskräfte der Messegesellschaft der Lingotto-Hallen, wo der Salone bislang veranstaltet wurde, sowie den Sekretär der Salone-Stiftung. Büros wurden durchsucht und Beweismaterial sicher gestellt. Die Turiner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen angeblicher Manipulation von Ausschreibungen der Durchführung für die Buchmessen von 2015 bis 2018. Möglicherweise wurden geheime Informationen an das Unternehmen weitergegeben, das sich so die Vergabe sichern konnte. Der italienische Verlegerverband AIE (mit Sitz in Mailand) prüft nun, ob man eventuell in eigener Regie eine neue Messe von 2017 an – etwa in Mailand – durchführen könnte.
News
Bilanz der Massaker gegenüber der Zivilbevölkerung in Italien 1943/45 Mailand/Rom – Als am 8. September 1943 deutsche Truppen in Italien einmarschierten, begann eine 20 Monate andauernde Folge von Gewalttaten gegenüber der Zivilbevölkerung. Das dokumentiert zum ersten Mal systematisch ein sogenannter „Atlas der Gewalt“ (www. straginazifasciste.it), der gerade online gestellt wurde und auf Italienisch, Englisch und Deutsch konsultiert werden kann. Er erfasst alle bislang bekannten mörderische Übergriffe von Seiten der Wehrmacht, der SS wie auch von Einheiten italienischer Faschisten in ganz Italien. Erst mit der endgültigen Befreiung Italiens von deutscher Besatzung und faschistischer Herrschaft (auf dem norditalienischen Rumpfgebiet der sogenannten „Repubblica di Salò“) durch die Alliierten und die sie unterstützenden Partisanenverbände ging eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Militärgeschichte zu Ende. Symbolisch wird die Befreiung mit dem Einmarsch von Resistenza-Einheiten in das von der Wehrmacht und der SS verlassene Mailand am 25. April 1945 gleich gesetzt. Der 25. April ist heute als „Festa della Liberazione“ ein nationaler Feiertag.
EIN ATLAS DER GEWALT
Musiker und Wissenschaftler fordern die Öffnung der Archive von Verdi und Puccini, während der Abbado-Nachlass nach Berlin emigriert Mailand – Gebt Zugang zu den privaten Archiven von Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini! Das fordern rund 50 Musiker und Intellektuelle aus Italien und dem Ausland in einem offenen Brief an Staatspräsidenten Sergio Mattarella und Kulturminister Dario Franceschini. In dem Brief, den das Mailänder Fachmagazin Classic Voice in seiner jüngsten Ausgabe veröffentlicht hat, wird der unhaltbare Zustand beklagt, dass wichtige Dokumente der Musikgeschichte nicht einmal der wissenschaftlichen Forschung zugänglich sind. Die Papiere befinden sich zwar in Privatbesitz, aber, so der Aufruf, bestehe „ein öffentliches Interesse“ an ihnen. Zu den Unterzeichnern gehören die Dirigenten Antonio Pappano, Daniel Barenboim oder Riccardo Chailly, der Pianist Maurizio Pollini, der Sänger Placido Domingo aber auch Intellektuelle wie der Schriftsteller Claudio Magris oder der Philosoph Massimo Cacciari sowie Direktoren der Scala, des Royal Opera House, der Staatsoper Berlin oder der Staatskapelle Dresden.
EIN GEHEIMNISVOLLER „RE LEAR“
Rom/Turin/Mailand – Die italienische Zeitungslandschaft kommt in Bewegung. Die Espresso Gruppe (De Benedetti), zu der neben dem Wochenmagazin L’Espresso die Tageszeitung la Repubblica sowie 18 Regionalblätter gehören wird mit der Gruppe Itedi fusionieren, die die Tageszeitungen La Stampa (Turin) und il Secolo XIX (Genua) herausgibt. Das ist jedenfalls eine Absichtserklärung, die gestern am Mittwoch von beiden Partnern unterzeichnet wurde. Bis Juni soll die Fusion vertraglich abgeschlossen sein, operativ werden ab Frühjahr 2017. Repubblica und Stampa beherrschen zur Zeit rund 20 Prozent des Zeitungsmarktes, beide Gruppen bilden einen Umsatz von gegenwärtig 750 Millionen Euro. Hauptaktionär des neuen Medienpols wird die von De Benedetti kontrollierte CIR-Holding mit 43 Prozent. 47 Prozent wären frei auf dem Markt verteilt.
Eine neuer Medienpol: Repubblica und Stampa sollen fusionieren
Stühlerücken in der italienische Verlagswelt – wer übernimmt Bompiani? Mailand – Mit einer beeindruckenden „laizistischen“ Trauerfeier hat sich Mailand am Dienstag im Cortile della Rocchetta des Castello Sforzesco von Umberto Eco verabschiedet. Daran nahmen viele Freunde, bekannte Künstler, Intellektuelle und Politiker sowie an die Tausend Bürger Mailands teil. Die Stadt kündigte derweil an, dass die Urne mit seiner Asche im Famedio, dem Ehrenteil des Cimitero Monumentale, beigesetzt wird. Doch damit wird man nicht aufhören, über den großen Gelehrten und Literaten zu diskutierten. Und das auch in einem ganz praktischen Sinn.
