Ausländische Direktoren bringen frischen Wind in die staatlichen Museen Italiens – doch ein Verwaltungsgericht stellt die Reform der Kultureinrichtungen in Frage TEXT ERSETZT DUCH https://cluverius.com/zwischen-europa-und-der-vorgeschichte Mailand/Turin – Im Sommer 2015 hatte der italienische Kulturminister für 20 bedeutende staatliche Museumseinrichtungen des Landes nach einem Ausschreibungsverfahren neue Direktoren berufen. Darunter waren sieben Persönlichkeiten aus dem Ausland wie der Deutsche Eike Schmidt für die Uffizien von Florenz oder der Anglokanadier James Bradburne für die Pinacoteca Brera in Mailand. Nach anfänglichen Polemiken kann jetzt eine erste Bilanz gezogen werden – und die ist positiv. Die Uffizien melden einen Besucherrekord von über 2 Millionen im Jahr 2016 und durch gezielte Neuhängungen zur Vermeidung von Schlangenbildung eine bessere Führung der Besucherströme. In der Brera sind 20 Säle neu strukturiert worden und kleine punktuelle Ausstellungen werten die Sammlung auf, was auch zu einem Plus von 5,4 Prozent mehr Besucher gegenüber dem Erfolgsjahr der Mailänder Expo 2015 geführt hat. Im Nachtrag zu lesen: Das Verwaltungsgericht der Region Latium hat die Berufung von fünf Direktoren nach der neuen Ausschreibung – darunter die des Österreichers Peter Assmann in Mantua – für nichtig erklärt. Gegen das Urteil hat das Kulturministeriums beim Staatsrat Widerspruch eingelegt.
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Das Buch „Henry James in Venedig“ und ein Gespräch mit Hanns-Josef Ortheil, der die Texte von James mit einem mehrteiligen Essay begleitet hat Venedig – Der Winter ist eine gute Jahreszeit, um die Lagunenstadt zu besuchen. Noch hat der Tourismus sie nicht so entstellend im Griff, wie zwischen Frühling und Herbst. Man kann Spuren nachgehen, die etwa ein Henry James (1843 – 1916) gelegt hat. Der amerikanische Autor reiste in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Male nach Venedig. Er dachte zeitweilig sogar daran, sich hier ganz niederzulassen. Wie er sich in kleinen Essays und Reiseberichten mit der Stadt auseinander gesetzt hat, ist in dem Band In Venedig nachzulesen, der in der Dieterich’schen Verlagsbuchhandlung (Mainz) erschienen ist. Der Stuttgarter Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil hat darin über einen begleitenden Essay gleichsam den Dialog mit James wie mit dem Leser gesucht. In einem Gespräch mit Hanns-Josef Ortheil ließen sich Eindrücke von der Lektüre des Buches vertiefen. Das Gespräch fand Mitte Dezember 2016 im Deutschen Studienzentrum Venedig (*) statt.
„ERST WENN DU TAG FÜR TAG DORT LEBST, SPÜRST DU ...
John Ruskins monumentale Untersuchung der Baukunst Venedigs im Mittelalter liegt jetzt als Auswahl in einer für den heutigen Leser verständlich gemachten Ausgabe vor. Venedig/ Wiesbaden – Als John Ruskin zusammen mit seiner Frau Effie im Herbst 1849 von London aus nach Venedig reiste, hielten Österreichische Truppen die Lagunenstadt in Folge der Unruhen der Jahre zuvor noch besetzt. Während der 22jährigen Effie die Herzen der Gesellschaft zuflogen und sie keine Festlichkeit ausließ, war ihr 30jähriger Mann tagtäglich auch bei widrigen Witterungsverhältnissen mit einem selbstgestellten Arbeitsauftrag unterwegs: die Architektur Venedigs vor allem aus dem Mittelalter zu dokumentieren. So entstanden in drei Bänden zwischen 1851 und 1853 „The Stones of Venice“, eines der erstaunlichsten Werke der frühen Kunstwissenschaft.
DIE STEINE VON VENEDIG
Genua, zu Silvester 2016 – Ein strahlender Tag am Meer. In Nervi muss man allerdings auf einen Spaziergang durch die alten Parkanlagen verzichten. Noch sind die Verheerungen, die orkanartige Herbststürme im Oktober angerichtet hatten, nicht beseitigt und die Parks bleiben bis auf weiteres geschlossen. Von der Uferpromenade aus sieht man, wie ein Löschflugzeug auf dem Meer Wasser aufnimmt und dann im hohen Bogen landeinwärts fliegt. Bei der trockenen Witterung dieser Nachweihnachtstage kommt es immer wieder zu Busch- und Waldbränden.
In Genua
Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Populismus. Es schaut dem Volk aufs Maul und stellt die Eliten an den Pranger. In Italien wurde gerade der reformwillige Ministerpräsident Matteo Renzi Opfer einer solchen Stimmung. Mailand/Rom – Sechzig zu Vierzig, ein deutlicher Sieg der Neinsager bei guter Wahlbeteiligung (70 Prozent) – das hätte sich kaum einer erwartet. „Die Italiener sind wütend“, sagt der Politologe und Historiker Gian Enrico Rusconi. Viele fühlten sich abgehängt. Die Wirtschaft wächst schon lange nicht mehr, sie stockte bereits vor der Weltmarktkrise 2007/2008. Der Mittelstand veramt. Die Jugend bleibt ohne Perspektive. Die Gewerkschaften zerfallen. Und von „oben“, von der Regierung, von den Spitzen der Vereinigungen und der Verbände, von den Aufsichtsräten der Banken und Industrieunternehmen, kamen zuletzt immer flottere Sprüche, wenn von „unten“ Missmut laut wurde.
