Die Accademia Teatro alla Scala (1): Ob Musiker, Tänzer oder Handwerker, die Scala-Akademie bildet eine Elite unter den Nachwuchskräften in allen Bühnenberufen aus Mailand – Es geht fröhlich zu in dem ehrwürdigen Teatro alla Scala, wenn jetzt zum Ausklang der Spielzeit eine Oper für Kinder auf dem Programm steht. Es wird gelacht und gerufen, geschupst und gedrängelt. Mit brausendem Beifall und zustimmenden Pfiffen werden die Musiker begrüßt, die im Orchestergraben Platz nehmen. Dann verlöscht langsam das Licht, hier und da mahnt jemand „tsch, tsch“ zur Ruhe. Die ersten Takte von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ – eine reduzierte Fassung in italienischer Sprache in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen – verbreiten schließlich eine zauberhafte Stimmung in dem vormittags um 11 Uhr mit Grundschülern vollbesetzten Haus.
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Eine Bestenliste über die Lebensqualität der italienischen Provinzen zeichnet die kleinstädtischen Lebensräume des Nordens aus. Ballungsräume und der Süden hinken weit hinterher. Mailand – Wo lebt es sich am besten in Italien? Nach einer jüngsten Untersuchung der Mailänder Wirtschaftszeitung „Italia Oggi“ in Zusammenarbeit mit der römischen Universität „La Sapienza“ liegen die Provinzen Mantua (Lombardei), Trento (Trentino-Alto Adige), Belluno (Venetien) ganz vorne. Die Großstadträume findet man unter 110 Provinzen nur im hinteren Mittelfeld oder gar am Ende. Am besten schneidet noch Mailand auf Platz 56 ab, verliert aber gegenüber dem Vorjahr 7 Ränge.
SPITZENREITER MANTUA
Pinakothek Brera: Ein neuer Direktor hat frischen Wind in Mailands Nobelmuseum gebracht. Doch jetzt stellt er ein Gemälde von Caravaggio aus Privatbesitz aus, dessen Zuschreibung bestritten wird. Über den schmalen Grad zwischen Markt und Museum ist eine heftige Diskussion ausgebrochen. Mailand (bis 5.2.2017) – Selten wurde ein Mord so realistisch in einem Gemälde dargestellt. Blut spritzt und man glaubt den Schrei des Opfers zu hören. Judith enthauptet, assistiert von einer alten Dienerin, ihren Todfeind Holofernes. Michelangelo Merisi, den die Kunstgeschichte Caravaggio nennt, ist ein Meister in naturalistischen Dramaturgien. Das Motiv der Enthauptung hatte er bereits 1602 in Rom dargestellt. Ein paar Jahre später malte er in Neapel eine neue Fassung. Die galt bislang als verschollen. Kürzlich wurde in Frankreich – auf einem Dachboden (!) – eine Leinwand mit diesem Motiv gefunden und zum Kauf angeboten. Manche Kritiker halten sie für das Original. Andere, wie etwa Sybille Ebert-Schifferer, die Leiterin der Bibliotheca Hertziana (Rom), haben erhebliche Zweifel. Dass aber diese umstrittene Arbeit aus Privatbesitz nun bei einer kleinen Ausstellung („Attorno a Caravaggio“) der Mailänder Pinakothek Brera gezeigt wird, löste zum Teil heftige Kritik in den italienischen Medien aus. Und der Kunsthistoriker Giovanni Agosti verließ deswegen den wissenschaftlichen Beirat des Museums.
VIEL LÄRM UM CARAVAGGIO
Dario Fo ist tot. Der Komödiant, Autor, Maler und streitbare Intellektuelle starb in Mailand im Alter von 90 Jahren Mailand – Dario Fo war ein unermüdlicher Komödiant. Noch vor drei Wochen lud der Literaturnobelpreisträger von 1997 Freunde und Journalisten in seine Wohnung, um sein neuestes Buch vorzustellen. Eine Art volkstümliche Biographie von Darwin mit dem Untertitel „Sind wir Affen väterlicher- oder mütterlicherseits?“ Und er war auch als Neunzigjähriger bereit, sich in öffentliche Debatten einzumischen. Ende August hatte ihm die Zeitschrift L’Espresso wegen seiner Unterstützung der Fünfsterne-Bewegung von Beppe Grillo eine vereinfachte Weltsicht und Populismus vorgeworfen. Stolz antwortete er in einem Artikel: Natürlich sei er ein Populist, im positiven Sinne ein Mann des Volkes. Er wollte sein Leben nichts anderes tun, als dem Volk Stimme zu geben. Dafür sei er ausgelacht, angegriffen, verfolgt worden.
DER STÖRENFRIED
Traditionell wird die italienische Buchmesse, der Salone del Libro, jeweils Mitte Mai in Turin veranstaltet. Nun plant der Verlegerverband ab Mitte April kommenden Jahres eine eigene Messe in Mailand abzuhalten. Turin will jedoch nicht zurückstecken. Mailand – In Italien streitet man sich um die nationale Buchmesse. Bislang gibt es eine Hauptmesse, veranstaltet von einer regionalen Kulturstiftung jeweils Mitte Mai in Turin. Neben diesem Salone del Libro organisiert der Verlegerverband jährlich Anfang Dezember eine Messe für kleinere und mittlere Verlage in Rom, die größte Veranstaltung dieser Art in Europa. Im kommenden Jahr wird eine dritte nationale Messe dazu kommen, die jetzt in Mailand unter dem Titel Tempo di Libri – „Bücherzeit“ – vorgestellt wurde. Sie wird wie die römische Veranstaltung vom Verlegerverband organisiert, der sich bei der Durchführung des Turiner Salone nicht ausreichend repräsentiert fühlt. Tempo di Libri soll das erste Mal Mitte April kommenden Jahres in Mailand nur vier Wochen vor dem Salone in Turin abgehalten werde.
