Cagliari, Mitte April 2016 – Nach einem stürmisch kühlen Tag ist der Frühling zurückgekehrt. Die Schwalben jagen über die Dächer und, wo immer die Natur Boden findet, grünt und blüht es. Gelber Ginster überall. Baustellen erschweren Spaziergänge in der Innenstadt oder auf dem Kastell-Hügel. EU-Gelder sollen bei Instandsetzungen und Restaurierungen helfen. Die Zeitungen erinnern an ein Fährunglück der Linie Livorno Olbia vor 25 Jahren, bei dem 140 Personen ums Leben kamen. Noch immer sei die Schuldfrage nicht geklärt. Nach jüngsten Berechnungen des staatlichen Statistikamtes Istat bleibt Sardinen das Armenhaus Italiens. Die privaten Einkommen gingen gegenüber dem Vorjahr um über vier Prozent (Landesdurchschnitt 2,7 Prozent) zurück, die sardischen Provinzen Ogliastra und Medio Campidano liegen auf den letzten beiden Plätzen der 110 Provinzen Italiens. Cagliari hält immerhin Position 34.
Unterwegs – Kuerze
Cremona, ein Tag vor Ostern 2016 – Sonnabends ist Markttag. Rund um den prächtigen Dom reihen sich die Stände mit Obst, Gemüse und allerlei Gebrauchswaren. Gegen Mittag ist Schluss, dann rollen die Putzkommandos an, und es gibt wieder Platz für die Radfahrer, die zur Stadt gehören wie der an ihrem südlichen Rand geruhsam vorbeifließende Po. Am Nachmittag spaziert oder radelt man auf den Vordeichen bis zum Dorf Bosco und wieder zurück. Bei Bosco zieht sich ein Naturpark um den Bach Morbasco bis hin zum Fluss, wo die Leute sich im Sommer am sandigen Ufer sonnen und ganz Mutige ins Wasser springen.
In Cremona
Africo Vecchio, Ende Februar 2016 – Im Herzen des Aspromonte, rund 800 Meter oberhalb der Küste des Ionischen Meeres, liegt von Eichenwäldern umgeben das alte Africo. Man erreicht es nur auf einem Trampelpfad zwischen Dornen und Gesteinsbrocken. Die Erinnerungen an die Gründung des Ortes verlieren sich in der griechischen Antike, die in diesem Teil Kalabriens deutliche Spuren hinterlassen hat. Basilianer Mönche bauten im Mittelalter ein Kloster, der Heilige Leo von Bova und Africo lebte hier am Ausgang des 11.Jahrhunderts. Ziegenhirten und Bergbauern trotzten mit rebellischem Geist Jahrhunderte lang Erdbeben, Unwettern – und der Armut, die sie zeitweilig zwang, sich von Brot aus Eichelmehl zu ernähren.
In Africo
Bozen, Anfang Februar 2016 – Blau leuchtet der Himmel über dem Waltherplatz. Auf den Talferwiesen vor dem Museion sonnen sich die Menschen. Im müden Flussbett rinnt das Wasser gemächlich zu Tal. Ist das ein Winter? Graugrün zeigen sich die Gipfel rund um die Südtiroler Landeshauptstadt. Kein Schnee nirgends, dafür muss man schon höher hinauf. Manch einer macht sich Sorgen. Auch um Schengen. Eine Grenzschließung am Brenner wäre „indirekt auch eine Ohrfeige für die Südtiroler Autonomie“, schreibt das Wochenmagazin „ff“.
In Bozen
Venedig, Mitte Januar 2016 – Nach der Festtagszeit, bevor die Karnevalswochen beginnen, atmet Venedig ein paar Tage durch. Durch engste Gassen kommen die Einwohner nicht nur früh morgens schnellen Schritts voran. Die Wollmützen weit über die Ohren gezogen. Auf den Vaporetti gibt es freie Sitzplätze. Mittags kann man auf den Bänken des Campo Santa Margherita den Sonnenschein genießen, der für kurze Zeit die kalte Jahreszeit vergessen lässt. Die Lokalpresse diskutiert über Sicherheitsmaßnahmen für den Karneval – Köln hat auch hier viele verschreckt.
