Pesaro als italienische Kulturhauptstadt 2024 und das Rossini Opera Festival, das auf das Hinterland über Urbino hinaus ausstrahlt Pesaro – Seit 2014 kürt die italienische Regierung ein Jahr lang eine Kulturhauptstadt des Landes. Ziel ist die „Aufwertung des kulturellen und landschaftlichen Erbes“ und die „Verbesserung der Dienstleistungen für Touristen“. Für den Titel (und einen finanziellen Zuschuss von eine Million Euro) können sich Städte mit einem Kulturprogramm über eine Ausschreibung bewerben. In diesem Jahr 2024 fiel die Wahl auf Pesaro, Hauptort der Provinz Pesaro-Urbino. Im Norden der Region Marken an der Adria gelegen, zeichnen sich Pesaro (95 tausend Einwohner) und sein Hinterland (350 tausend Einwohner) durch eine reiche Geschichte, die bis in die Zeit der Römer zurückgeht, und wirtschaftliche wie kulturelle Vielfalt aus. Am Stadtrand werden Möbel produziert, im Ort gibt es ein Netz von 17 musealen Einrichtungen, und die Universität Urbino liegt nur 36 Kilometer entfernt in den Hügeln des Montefeltro.
Landschaft
Fiktion und Realität vermischen sich in dem Kinofilm „Anna“ von Marco Amenta über einen Bauskandal an der Südküste Sardiniens. Erinnerungen an einen alten Bauern und Hirten, der am Capo Malfatano ein Konsortium von Großunternehmern herausforderte, werden wach Mailand (Cinema Palestrina)/Cagliari – Als eines Tages Baumaschinen vor ihrer Haus- und Stallanlage unweit des Meeres an der Küste Sardiniens auftauchen, versteht Anna die Welt die mehr. Auf einem Grundstück, das , so glaubt sie, einst ihrem verstorbenen Vater gehört hat, soll ein luxuriöser Hotelkomplex entstehen. Die junge Hirtin und Bäuerin, die sich nach einer gescheiterten Ehe in Mailand aufs Land ihrer Heimat zurückgezogen hat, um mit einer kleinen Ziegenherde und einer Kuh Käse für den lokalen Markt zu produzieren, beginnt einen schier aussichtslosen Kampf um ihre Existenz und den Schutz der Natur ihrer Heimat. Das ist die dramatische Ausgangssituation im Spielfilm „Anna“ von Marco Amenta, der in den italienischen Kinos angelaufen ist. Die Protagonistin – großartig interpretiert von Rose Aste – mag eine cineastische Erfindung sein, doch ruft der Film wirkliche Vorgänge wach.
IN DER SCHWEBE
Hanna Kiels Augenzeugenbericht „Die Schlacht um den Hügel“ über die Belagerung und Besatzung in Fiesole beim Rückzug der Wehrmacht im Sommer 1944 ist endlich auch auf Deutsch erschienen Mailand/Florenz – Das ist die Geschichte einer Wiederentdeckung – und einer Wiedergutmachung. Die Schriftstellerin und Kunsthistorikerin Hanna Kiel (1894-1988) beschrieb mit dem Text „Die Schlacht um den Hügel. Eine Chronik aus Fiesole vom August 1944“ die letzten Wochen der deutschen Besatzung des Hügels von Fiesole nördlich von Florenz, wo sie damals lebte. Der Text sollte 1947 im Südverlag Konstanz unter dem Titel „Florentiner Tagebuch“ erscheinen, wurde aber nie gedruckt (weil angeblich zu deutschfeindlich). Die Schweizer Zeitschrift DU veröffentlichte später Ausschnitte. Eine italienische Übersetzung der „Chronik“ kam 1986 in Florenz heraus. Die Germanistin Eva-Maria Thüne von der Universität Bologna hat über diese Übertragung das deutsche Original wieder entdeckt und es jetzt mit einem Nachwort versehen im Berliner AvivA Verlag erstmals auf Deutsch veröffentlicht.
ERLEBNIS VON MENSCHLICHKEIT
Die vielen Rollen der Edicola im italienischen Alltag und ihre Krise. Eindrücke auf einer Fotoausstellung über Zeitungskioske in Ferrara Mailand/Ferrara – Wenn man nach typischen Unterschieden im Erscheinungsbild zwischen deutschen und italienischen Stadtlandschaften sucht, gehört die Edicola dazu. Nördlich der Alpen hat sich der Zeitungskiosk meist als Laden in die Häuserfront eingegliedert, wo man neben Zeitungen oft auch Getränke oder andere Waren kaufen kann. In südlicheren Breiten findet man ihn (noch) als frei stehende Einrichtung, in denen hauptsächlich Druck-Erzeugnisse angeboten werden. Das ist gerade auf einer kleinen Ausstellung mit rund 30 großformatigen Fotografien von Ulrich Wienand in Ferrara nachzuvollziehen. Sie wird in der kommunalen Biblioteca Giorgio Bassani unter dem Titel Vado a prendere il giornale („Ich geh die Zeitung holen“) gezeigt.
APOTHEKE GEGEN DIE DUMMHEIT
Zwischen Ausblick und Retrospektive: Fragen der Nachhaltigkeit, der Architektur und der Mobilität in zwei wichtigen Veröffentlichungen von Vittorio Magnago Lampugnani und Erik Wegerhoff im Wagenbach Verlag Mailand – Rund 80 Prozent der Weltbevölkerung wird im Jahr 2050 in Städten leben. In urbanen Räumen wird sich entscheiden, ob es der Menschheit gelingen kann, durch eine radikal nachhaltige Entwicklung die Klimakatastrophe wenigstens zu mindern. Architektur und Mobilität fallen damit im Rahmen der Stadtplanung eine entscheidende Rolle zu. Zwei Bände, die gerade im Wagenbach Verlag erschienen sind, beschäftigen sich – wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen – mit diesem brennenden Thema. Der Architekturhistoriker Vittorio Magnago Lampugnani (72) wendet sich in einem brillant formulierten Essay „Gegen Wegwerfarchitektur“. Sein Kollege Erik Wegerhoff (49) schlägt mit „Automobil und Architektur“ detailreich einen großen Bogen durch die jüngere Stadtgeschichte. In der hat das Auto, so seine These, als „ungleich bewegter Gegenspieler“ die Architektur von der Moderne bis zur Gegenwart beeinflusst.
