Landschaft


Vor 250 Jahren wurde Caspar David Friedrich geboren. Der Essay „Maler Friedrich“ von Eberhard Rathgeb ist ein wichtiger Beitrag im Jubiläumsjahr zum Thema Natur und Mensch Mailand – Am 5. September 1774 wurde Caspar David Friedrich geboren. Aus Anlass seines 250. Geburtstags häufen sich Ausstellungen, Veranstaltungen, Medienberichte. Und natürlich Veröffentlichungen. Die des Romanautors und Essayisten Eberhard Rathgeb („Maler Friedrich“, Berenberg Verlag), die bereits im Vorfeld des Jubiläums erschienen ist, sieht der Arbeit Friedrichs gleichsam aus dem „Innenraum“ des Malers zu. Dort, wo seine „inneren Bilder hingen, die Originale, die er auf Leinwand übertrug.“ Ein Innenraum, der durch eine pietistische Erziehung und den lutherischen Glauben ebenso geprägt wurde wie durch die geistigen und kulturellen Umbrüche seiner Zeit um 1800. In diesem Innenraum setzte sich Friedrich (neben seinen patriotischen Historienbildern) mit der Natur auf eine Art auseinander, durch die wir ihn heute in der kritischen Auseinandersetzung mit dem Anthropozentrismus vielleicht nicht als Zeitgenossen, aber doch als Stichwortgeber und Fragesteller verstehen können.

GEFÜHL UND ERKENNTNIS


Die Landschaftsplanung der Fondazione Prada und das Manifest der Raggi Verdi von LAND – zwei Beiträge zur Stadtentwicklung Mailands Mailand – Es geht um das Erleben von Stadt als ein mit Natur gefüllter Raum und die Aneignung des grünen Erbes von Mailand. In der Auseinandersetzung um grundlegende Fragen urbaner Entwicklung treffen sich ideell zwei voneinander unabhängige Initiativen: Das Manifest der Raggi Verdi, das gerade für eine kleine interne Ausstellung von dem Beratungs- und Planungsunternehmen LAND verfasst wurde, und die Veröffentlichung #35 Urbano Rurale Selvatico („Urban Ländlich Wild“), eine Dokumentation der landschaftlichen Gestaltung bei der Umwandlung eines ehemaligen Industriebetriebes zum Mailänder Sitz der Fondazione Prada.

WILDE NATUR UND GRÜNE STRAHLEN



Matteo Garrone bewegt das Publikum mit den Erlebnissen von jugendlichen Emigranten, die im Senegal von Italien träumen und sich auf eine lebensgefährliche Reise begeben. Ein Film zwischen Märchen und bitterer Realität Mailand (Cinema Anteo) – Der Film von Matteo Garrone erzählt von den verschlungenen Wegen, den brutalen Hindernissen und tödlichen Fallen der Emigration. Im Mittelpunkt steht die Odyssee des 16-jährigen Seydou vom Senegal aus durch die Wüste, durch KZ-ähnliche Lager in Libyen und schließlich übers Meer Richtung Italien auf einem heruntergekommenen Kutter, der von im selbst als Kapitän gesteuert wird – deshalb auch der Titel „Io capitano“. Eine Art filmischer Bildungsroman, in dem sich märchenhafte Züge mit barbarischer Realität mischen und Authentisches mit Surrealem durchsetzt. Bei der Filmbiennale Venedig 2023 wurde Matteo Garrone dafür mit dem Leone d’Argento für die beste Regie ausgezeichnet.

Im Kino: Io capitano


Die 18. Internationale Architekturbiennale „The Laboratory of the Future” stellt in Venedig Afrika in den Mittelpunkt und setzt sich mit Fragen der Dekarbonisierung wie der Dekolonisierung auseinander. Kritiker beklagen eine Architekturbiennale ohne Architektur. Venedig/Mailand – Die 18. Internationale Architekturbiennale, die noch bis Ende November zu besichtigen ist, will eine Biennale des Umbruchs sein. Keine Schau, keine Präsentation des Bauens und Planens mehr, wie wir heute leben, sondern eine Werkstatt der Ideen, der Kritiken, der Erinnerungen, um über das Leben morgen nachzudenken. Ein „Labor der Zukunft“, so der Titel, den die schottisch-ghanesische Kuratorin Lesley Lokko ihrer Biennale gegeben hat. Die 59-jährige Architekturtheoretikerin verzichtet dabei auf bekannte Namen, sie setzt auf junge Teilnehmer und Teilnehmerinnen – Durchschnittsalter: 43 Jahre – und rückt zum ersten Mal in der Geschichte der Biennalen Afrika in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung. Vieles ist anders in diesem Jahr, was allerdings die Ausstellungsbereiche (Arsenale, Giardini, weitere Orte im Zentrum Venedigs) angeht, hält sie sich jedoch an die übliche Aufteilung.

„WIE SCHWER ES IST, SCHWARZ ZU SEIN“



Gastautor Carl Wilhelm Macke im Gespräch mit Esther Kinsky anlässlich der italienischen Edition ihres Romans „Rombo“ Mailand ­– Der Mailänder Verlag Iperborea hat gerade Esther Kinskys Roman „Rombo“ in der italienischen Übersetzung von Silvia Albesano  veröffentlicht. Die vielstimmige Erinnerung an die schweren Erdbeben, die 1976 mehrfach das Friaul erschütterten, war im Original vergangenen Herbst bei Suhrkamp erschienen und von der Kritik teils überschwänglich gelobt worden. Auch die ersten italienischen Reaktionen (u. a. Tutto Libri/La Stampa, La Letteratura/Corriere della Sera) waren positiv. Esther Kinskys Roman gehört außerdem zusammen mit Arbeiten von Emmanuel Carrère (Frankreich), Johanne Lykke Holm (Schweden)  Andrei Kurkov (Ukraine) und Burhan Sömez (Türkei) zur Endauswahl des X. Premio Strega Europeo, der am 21. Mai auf dem Salone Internazionale del Libro verliehen wird. Aus Anlass der italienischen Ausgabe von „Rombo“ sprach der Publizist Carl Wilhelm Macke (München/Ferrara) mit Esther Kinsky.

„EIN GROLLEN – UND DIE WELT IST EINE ANDERE“