Landschaft


Unterwegs zwischen den Jahren in „bald fröhlicher bald nachdenklicher Weise“. Zeit für Lektüre, für Rück- und Ausblicke, für verschreckte Blicke in die „Gesichter der Hausenden“ und für Hoffnungen auf die „Freiheit der Vernunft“ Mailand – Verlegte Zeitungsausschnitte tauchen auf, Bücher werden am Teetisch durchgeblättert. Gedanken entfalten sich, ohne gleich nach Umsetzung zu rufen, sie lassen sich breiter streuen, vergehen wieder. Erinnerungen an alte Texte werden wach. „Wer nur einigermaßen zur Freiheit der Vernunft gekommen ist, kann sich auf Erden nicht anders fühlen, denn als Wanderer.“ Friedrich Nietzsche in „Menschliches, Allzumenschliches“ war so ein Wanderer.  Man liest bei ihm (Band 1, Aphorismus 638), dass einer, der mit offenen Augen in der Welt unterwegs sei und dabei das Ganze im Blick habe, „sein Herz nicht allzu fest an alles Einzelne anhängen“ dürfe. Es müsse in ihm selber „etwas Wanderndes sein, das seine Freude an dem Wechsel und der Vergänglichkeit habe.“

WANDERUNGEN


Peter Peter schreibt in seinem kulturhistorischen Reiseführer „Blutorangen“ wie aromatische Zitrusfrüchte Italien, Europa und uns eroberten Mailand – Italien ist – natürlich – das Land, wo die Zitronen blühen und im dunklen Laub die Goldorangen glühen. Dahin, dahin will uns der „Gastrosoph“ und Kulturwissenschaftler Peter Peter mit seinem kleinen, leuchtend rot eingebundenen Buch „Blutorangen“ ziehen. Die kalte Jahreszeit, die Wochen um Weihnachten und zum Jahresbeginn sind eine ideale Zeit, um „eine Reise zu den Zitrusfrüchten Italiens“, so der Untertitel anzutreten. Denn die duftenden Agrumen versprechen Süden, Sommer und Sonne, reifen jedoch im Winter und bereichern unseren Vitaminhaushalt, wenn es in geheizten Zimmern wohlig warm ist. Sie stammen aus Asien, bevor sie auch im Westen, schon zu Zeiten der Römer, aber besonders mit den Kreuzzügen vor allem in Italien Lebensraum fanden und heute in ganz Südeuropa verbreitet sind. Ihre ursprüngliche Herkunft steckt noch in manchen regional geprägten Namen: Holländer nennen etwa die Süßorange „sinaasappel“ oder Norddeutsche sprechen von der „Apfelsine“, dem Apfel aus China, passend zum Fachbegriff „Citrus sinensis“.

DER DUFT DES SÜDENS



Mehr Autos oder mehr Natur?  Wie unsere Innenstädte mehr Lebensqualität entwickeln können, wenn Eigentum ökologisch verpflichtet wird und sich der urbane Raum als Ganzes unter den Prämissen einer produktiven Stadtlandschaft nachhaltig entwickelt. Ein Gastbeitrag von Andreas Kipar (*) Mailand/Stuttgart – Ach, die City! Die Gründe ihres Niedergangs sind bekannt. Aus einer sich monofunktional zum Einkaufszentrum entwickelten Innenstadt ohne Wohn- und Erlebnisräume wurden die Menschen vertrieben. Sie reisten nur noch zum Shopping an. Die Sucht nach Kapitalrenditen ließ kulturelle Anregungen, soziale Treffpunkte, gastronomische Angebote von Qualität und nicht kommerzielle Arbeitsplätze verkümmern. Internet, der zunehmende Onlinehandel und ein verändertes Konsumverhalten hatten den stationären Einzelhandel und die Warenhäuser bereits in eine Krise gestürzt, als Covid ihnen den Garaus machte und die Innenstädte endgültig verödeten. Die wachsenden, immer mehr Menschen fesselnden urbanen Räume sind aber auf sozial und kulturell lebendige, auf touristisch und wirtschaftlich attraktive Zentren angewiesen, durch die städtische Gemeinwesen einen Zusammenhalt entwickeln können.

ALTE VERHÄLTNISSE AUFBRECHEN


Der Transformationsprozess in Städten, die Mobilitätswende und die Bedeutung der Natur und des öffentlichen Raums bei der urbanen Entwicklung. Dokumentation eines Gespräch mit Uwe Schneidewind, Wirtschaftswissenschaftler und Oberbürgermeister von Wuppertal, für das LANDmagazin Vol. 3 „In-between landscape“ Mailand – Die Wissenschaft nutzt den Begriff der „Großen Transformation“, um Epochenumbrüche des 21. Jahrhunderts im Lichte einer nachhaltigen Entwicklung zu kennzeichnen. Rund 80 Prozent der Menschen werden 2050 in Städten leben. Für den Gesamtrahmen einer erfolgreichen Zukunftspolitik bildet „die Urbane Wende“ damit einen „Knotenpunkt“. So die These auch des Buches „Die Große Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels“(1) des Wirtschaftswissenschaftlers Uwe Schneidewind, das im Rahmen seiner Tätigkeit bis 2020 als Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie entstanden ist.

LEICHTIGKEIT ENTLOCKEN



Der Landschaftsarchitekt Andreas Kipar, ein Brückenbauer zwischen Mailand und der Ruhrmetropole, wurde mit dem den Halstenberg-Preis geehrt  Mailand/Dortmund – Als 24-Jähriger kam der in Essen frisch diplomierte Landschaftsarchitekt Andreas Kipar 1984 nach Mailand. Hier fand er ein Betätigungsfeld, in das er seine Erfahrungen aus dem Ruhrgebiet einbringen konnte. Hier wie dort ging es um die Nutzung ehemaliger Industrieflächen und um städtische Freiraumplanung. Aus ersten italienischen Erfahrungen sowie der Gründung des eigenen Büros LAND (Landscape Architecture Nature Development) in Mailand fand Andreas Kipar den Weg auch wieder zurück an Ruhr und Emscher. Dem Brückenbauer zwischen Mailand und der Ruhrmetropole hat jetzt die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) Nordrhein-Westfalen den Halstenberg-Preis verleihen, mit dem sie hervorragende und wegweisende Leistungen in der Stadt- und Landesplanung würdigt.

EIN PINGPONG AN PROJEKTEN