Literatur


Paolo Rumiz unternimmt eine Reise durch das unterirdische Italien und erzählt in seinem Buch „Eine Stimme aus der Tiefe“ (Folio Verlag) ein Land, das weder geologisch noch gesellschaftlich zur Ruhe kommt Mailand – „In Italien sind das Schöne und das Schreckliche – wie das Seismische und das Fruchtbare – kein Widerspruch, sondern eine geheimnisvolle, in den Eingeweiden der Erde verborgene Einheit.“ Von dieser These ausgehend macht sich der Schriftsteller und Journalist Paolo Rumiz  auf zu einer Reise durch sein Heimatland vom Süden in den Norden, von Sizilien bis Friaul. In seinem Buch „Eine Stimme aus der Tiefe“ geht es an geologischen Verwerfungslinien zwischen der eurasischen und der afrikanischen Kontinentalplatte entlang. Ein Spannungsraum, in dem sich der Apennin aufgefaltet hatte, der in der Länge durch Italien verläuft. Dort, wo heute noch „Vulkane explosive Magmakammern speisen und in Höhlen menschlich anmutende Rufe ausgestorbener Lebewesen ertönen.“

ÄRGER UND VERZAUBERUNG


Auf der Bühne: Die erfolgreiche Weltpremiere der Oper „Il Nome della Rosa“ mit der Musik von Francesco Filidei unter der Leitung von Ingo Metzmacher und der Regie von Damiano Michieletto in Mailand Mailand – Als das Teatro alla Scala die neue Oper „Il Nome della Rosa“ von Francesco Filidei mit nur vier Wiederaufnahmen nach der Weltpremiere am 27. April programmierte, geschah das vielleicht in einer Art Zurückhaltung. Immerhin birgt die absolute Neuheit einer Oper zeitgenössischer Musik für ein der Tradition verpflichtetes Haus wie die Scala ein gewisses Risiko. Doch die Vorsicht war unbegründet: Bereits im Vorfeld waren alle fünf Aufführungen der Auftragsarbeit der Scala und der Opéra national de Paris ausverkauft. Die Premiere wurde ein Erfolg beim Publikum wie bei der Kritik. Und lang anhaltender Beifall beschloss die Inszenierungen unter der musikalischen Leitung von Ingo Metzmacher und der Regie von Damiano Michieletto auch an den folgenden Abenden. Das ist auf der einen Seite sicher dem Libretto und der gelungene Übertragung eines so vielschichtigen Stoffs wie des berühmten Romans von Umberto Eco zu verdanken.

ELEGANTES, LOCKERES HANDWERK



80 Jahre Kriegesende (1): Italienische Debatten zum Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus, die Rolle des antifaschistischen Widerstands und eine Veröffentlichung über die Geschichte der Resistenza des Historikers Santo Peli Mailand – Am 25. April 1945 zogen Partisanen in das von den deutschen Truppen verlassene Mailand ein. Das Comitato di Liberazione Nazionale Altaitalia CLNAI (Nationales Befreiungskomitee Oberitalien), das in der Stadt seinen Sitz hatte, rief zum Aufstand in allen noch von Faschisten und Besatzern kontrollierten Gebieten und zu landesweiten Streiks auf. Der 25. April wurde dann 1946 unter der ersten Regierung von Alcide De Gasperi zum Nationalfeiertag erklärt, um die totale Befreiung des Staatsgebietes zu erinnern und zu würdigen. Die Resistenza, die Rolle des bewaffneten Kampfes in Italien, der mit der Besatzung des Landes durch die Wehrmacht am 8. September 1943 begonnen hatte, und die Bedeutung des Antifaschismus für die Herausbildung eines republikanischen und demokratischen Staates nach dem Krieg sind Themen, die in der historischen Entwicklung Italiens der Nachkriegszeit eine grundlegende Geltung haben. Sie werden auch jetzt zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus diskutiert, zumal das Land in einer Koalition mehrheitlich von der Partei Fratelli Italia regiert wird, die aus der neofaschistischen Nachfolgeorganisation MSI hervorgegangen ist.

»DIE DEMOKRATIE HÄNGT VON UNS AB«


Das Piccolo Teatro Milano erinnert an den Regisseur Luca Ronconi zehn Jahre nach seinem Tod mit einer Reihe von Initiativen in Zusammenarbeit mit dem Teatro alla Scala und dem römischen Teatro Argentino Mailand – Luca Ronconi starb am 21. Februar 2015 im Alter von 81 Jahren in Mailand kurz nach der Uraufführung seiner letzten Inszenierung „Lehman Trilogy“ von Stefano Massini. In fast vier Jahrzehnten als Theater- und Oper-Regisseur, als Gründer von Theatereinrichtungen wie dem Laboratorio di Prato oder als Initiator des Kulturprogramms der Olympischen Winterspiele Turin 2006 hatte Ronconi die Bühnenlandschaft Italiens (und mit seinen Operninszenierungen auch darüber hinaus) geprägt. In der Nachfolge von Giorgio Strehler übernahm er 1998 bis zu seinem Tod die künstlerische Leitung des Mailänder Piccolo Teatro an der Seite von Sergio Escobar (Direktion). Ebenso die Leitung der von Strehler gegründeten Schauspielschule des Piccolos, die heute seinen Namen trägt. Mit einer Reihe von Initiativen erinnert die Mailänder Bühne jetzt an die künstlerische Präsenz von Luca Ronconi, mit der er das italienische Theater neuen kreativen Einflüssen geöffnet und ins 21. Jahrhundert geführt hatte.

UNERSCHÖPFLICHE NEUGIERDE



Im Theater: Marco Paolini (und Matthew Lenton) setzen sich mit Charles Darwin, seinen Notizbücher und der Rolle von Wissenschaft heute auseinander. Mailand (Piccolo Teatro und Tournee) – „Darwin, Nevada“ ist der Titel einer neuen Bühnenarbeit von Marco Paolini, die Ende Januar im Piccolo Teatro Strehler uraufgeführt wurde. Paolini, geboren 1956 in Belluno (Venetien) hat in der Nachfolge von Dario Fos  „Mister Bufo“ Formen des narrativen Theaters weiterentwickelt. In sachlich gehaltenen Monologen, in denen er oft seinen heimischen Dialekt einsetzt, greift er gesellschaftliche Fragen, historische Chroniken wie zeitgeschichtliche Vorfällen auf. Nachdem er sich vor ein paar Jahren bereits mit einem Wissenschaftler wie Galileo Galilei auseinandergesetzt hatte, widmet er sich nun Charles Darwin und fragt nach der Rolle von Wissenschaft in der Gesellschaft. Diesmal geht er jedoch in Brechung seiner traditionellen Spielweise als Erzähler allein auf der Bühne eine Zusammenarbeit ein: Mit Matthew Lenton, Gründer des Theaters Vanishing Point (Glasgow), der im Gegensatz zu Paolini einer eher ästhetisch vermittelten Dramaturgie verpflichtet ist.

ANREGEND ABER UNFERTIG