Valeria Parrella erzählt in ihrem beeindruckenden kleinen Roman „Versprechen kann ich nichts“ von Almarina, einer jugendlichen Strafgefangenen in Neapel, und ihrer Lehrerin Elisabetta, die ihr eine Zukunft schenken möchte Mailand/Neapel – Das ist die Geschichte einer Liebe zwischen einer 50jährigen Frau und einem 16jährigen Mädchen. Eine, wenn man so will, Mutter-und-Tochter-Beziehung, die immer auch eine Beziehung zwischen zwei Frauen ist. Die kinderlose Ich-Erzählerin Elisabetta, die nur schwer den plötzlichen Tod ihres Ehepartners überwindet, lebt in Neapel und unterrichtet Mathematik in einem Jugendgefängnis, das auf der kleinen Insel Nisida unterhalb von Posillipo liegt, die mit dem Festland über einen Damm verbunden ist. Eines Tages sitzt eine Neue in der Klasse, Almarina, die mit ihrem kleinen Bruder aus Rumänien floh, wo sie von ihrem Vater vergewaltigt und misshandelt worden war.
Neapel
Massimo Montanari widmet sich mit „Spaghetti al pomodoro. Kurze Geschichte eines Mythos“ genussvoll der Kulturhistorie der Pasta Mailand – Seit wann kocht man Pasta in Wasser (Genießer nehmen Brühe)? Welche Rolle spielt der Käse? Weich oder bissig – eine Frage der Zeitläufe ebenso wie das Essen mit der Gabel? Wie kam es zur Begegnung von Pasta und Tomate? Massimo Montanari geht in seinem wundervollen kleinen Buch Spaghetti al pomodoro. Kurze Geschichte eines Mythos den Spuren eines typischen italienischen Gerichts nach. Wobei er viele, für Pastaliebhaber überraschende historische Details ausbreitet. So, dass etwa in der Renaissancezeit Pasta über eine halbe Stunde „gar“ gekocht, dann in mehreren Schichten übereinander gelegt und dazwischen geriebener Käse, Zucker und Zimt gestreut und das ganze schließlich bedeckt im Ofen oder in heißer Asche eine weitere Zeit gegart wurde. Raffaels Pasta war wie die von Machiavelli oder Vasari labberig, klebrig und süß.
LABBERIG, KLEBRIG UND SÜSS?
Massimo Osanna hatte Pompeji reformiert, jetzt soll er im italienischen Kulturministeriums die staatlichen Museen in Schwung bringen Mailand/Rom – „Artpride“ titelte das Giornale dell’Arte, die wichtigste italienische Kunstzeitung, in seiner jüngsten Ausgabe eine Untersuchung über die Strategien der Museen nach dem Lockdown in diesem Frühjahr und einer vorsichtigen Öffnung der Einrichtungen jetzt im Sommer. Überall spürt man eine gleichsam trotzige Aufbruchsstimmung. Die Verantwortlichen suchen nach Innovationen, formulieren Ideen, setzen erste Schritte um. In diesem spannenden Augenblick gibt auch das Kulturministerium ein Signal. Neuer Generaldirektor der Abteilung für staatliche Museen wird der Archäologe Massimo Osanna. Er ersetzt ab dem 1. September den Juristen Antonio Lampis, der auf eine weitere Amtszeit verzichtet hat.
DER MACHER
Der Roman „Am Hügel von Capodimonte“ von Wanda Marasco lässt Traumbilder einer Stadt zwischen Armut und Würde wach werden Mailand/Neapel – Neapel ist eine Stadt voller Lebenslust und Todeskult, Menschlichkeit und Gewalt, überwältigender Schönheit und abstoßender Hässlichkeit. Und voller Gestalten, die sich gleichsam geisterhaft bewegen in einer „Gesellschaft von fiktiven Seelen“. „La compagnia delle anime finte“ heißt auch der Originaltitel des Romans von Wanda Marasco, der jetzt unter dem Titel „Am Hügel von Capodimonte“ auf Deutsch erschienen ist und die vielen Schattierungen dieser Stadt in traumartigen Bildern wach werden lässt.
IN DEN GASSEN VON NEAPEL
Mario Martone erzählt in einer Art Bildungsroman von der Ziegenhirtin Lucia und beschreibt die Faszination (und das Scheitern) alternativer Lebensformen Mailand (Cinema Anteo) – Eine Gruppe von Aussteigern aus verschiedenen europäischen Ländern suchen auf Capri in den Jahren vor Ausbruch des ersten Weltkrieges ein Refugium. Sie möchten abgeschieden vom bewohnten Teil der Insel in der Natur und mit Mitteln der Musik und des Tanzes neue Formen des Zusammenlebens ausprobieren. Für Lucia, eine zwanzigjährige Ziegenhirtin und Analphabetin, bedeutet dagegen Natur Arbeit um zu überleben. Sie fühlt sich von der Gruppe und besonders von ihrem Anführer, dem Maler Seybu, angezogen. Lucia bricht mit ihrer Familie und schließt sich der Gruppe an, wo sie Lesen, Schreiben und Englisch lernt.
