Venedig


Venedig, Mitte Dezember 2016 – Tief liegt eine graue Decke über der Lagune und es will sogar mittags nicht richtig Tag werden. Die Serenissima gibt sich dennoch gelassen. Die Venezianer haben endlich Platz beim schnellen Vorwärtskommen. Und können sich bei den Weihnachtsbesorgungen Muße gönnen. Derweil protestieren ambulante Fischhändler, die sich von UE-Normen in ihrer Existenz bedroht sehen, vor dem Rathaus.

In Venedig


Ein Gespräch mit Shaul Bassi über Shakespeare, die Juden und den „Kaufmann von Venedig“ Venedig – Er ist der venezianische Jude schlechthin, auch wenn er nie existiert hat: Shylock aus Shakespeares Drama „Der Kaufmann von Venedig“. In der Ausstellung „Venezia, gli Ebrei e l’Europa 1516 – 2016“, die im Palazzo Ducale an die Gründung des Ghettos vor 500 Jahren erinnert ist, darf er nicht fehlen. Der Anglist Shaul Bassi von der Universität Ca’ Foscari, ein Mitglied der jüdischen Gemeinschaft Venedigs, ist für diesen Teil der Ausstellung verantwortlich. Im Interview äußert sich der 46jährige Wissenschaftler zum Thema.

„MAN KANN EINEN SHYLOCK NICHT AUSSCHLIESSEN“



„Venedig, die Juden und Europa“- eine Ausstellung im Palazzo Ducale  Venedig (Palazzo Ducale bis 11. November) – Es ist heute als Historiker nicht leicht, sich mit der Gründung des ersten jüdischen Ghettos der Geschichte auseinander zu setzen. Vor 500 Jahren richtete die Republik Venedig ein Stadtviertel ein, in dem die Angehörigen einer religiösen und kulturellen Minderheit zwangsweise siedeln mussten und in dem sie einer Reihe von Restriktionen unterworfen waren. „So schrecklich das klingt in unseren Ohren,“ sagt der Leiter des Deutschen Studienzentrums Venedig Romedio Schmitz Esser, „ist dieser Abschluss auch ein Bekenntnis zum Zusammenleben.“ Die Stadt stellt einen Ort bereit, an dem die jüdische Minderheit leben muss – und kann. Einerseits ein Abschluss, andererseits „integriert man die jüdische Gemeinschaft in die venezianische Gesellschaft.“ Während Juden aus anderen Ländern vertrieben oder verfolgt wurden.

AUS ALLEN HIMMELSRICHTUNGEN


Aldo Manuzio und die Renaissance – eine faszinierende Ausstellung in Venedig   Venedig (Galleria dell’Accademia bis 19.Juni) – Aldo Manuzio, 1449 in der Nähe von Rom geboren, hatte in Rom und Ferrara studiert und sich mit neuen Ideen zum Griechischunterricht einen Namen gemacht. In Venedig sorgte er sich vom Ende des Jahrhunderts an bis zu seinem Tod 1515 als Verleger um die Verbreitung der humanistischen Kultur. Dafür entwickelte er eine neue, handliche Form von Büchern, mit denen die Literatur der griechischen und römischen Antike auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wurde. Was wiederum das kulturelle Klima in Venedig nachhaltig beeinflusste. Wie in diesem Wechselspiel Künstler mit bislang neuen Bildmotiven reagierten, zeigt die Ausstellung „Aldo Manuzio – die Renaissance von Venedig“.

KULTURELLE WENDE



500 Jahre Ghetto in Venedig (2): Eine Abschließung, die keine Ausgrenzung war, denn man brauchte die Juden Venedig – Das ist ein ungewöhnlicher Platz für diese Stadt. Er ist merkwürdig trapezartig geformt, hier stehen Bäume, und um sie herum spielen Kinder. Häuser wachsen an einer Seite hoch in den Himmel wie sonst in keinem anderen Viertel, aber auf der Seite gegenüber bleiben sie ganz flach. Und keine Kirche weit und breit. Jedenfalls keine christliche. Dafür gibt es gleich drei Synagogen, denn dies ist der Campo del Ghetto Nuovo, der zentrale Platz des Judenviertels von Venedig. Eine der Synagogen erkennt man an ihrer Fensterreihung, fünf schlanke Fenster statt wie bei ähnlichen venezianischen Palästen vier. Fünf Fenster, die die fünf Bücher der Tora symbolisieren.

VERWINKELTE GÄNGE