Die Weltausstellung zu Ernährungsfragen vor der Stadt und ein tolles Kulturprogramm im Zentrum Mailand: Das war ein Wettlauf mit der Zeit. Kurz vor der Eröffnung der Expo 2015 war auf dem 110 Hektar großen Ausstellungsgelände bei der Ortschaft Rho am nordwestlichen Stadtrand noch der Teufel los. Doch Italiener sind Endspurtweltmeister. Und selbst wenn jetzt zur Eröffnung der Weltausstellung am 1. Mai hier und da noch Nachholbedarf besteht, dann wird sich das in den kommenden Wochen erledigen lassen. Wer will denn da schon pingelig sein angesichts der großen Fragen, die im Mittelpunkt stehen. „Den Planeten ernähren – Energie fürs Leben“ lautet das Thema der Superschau mit über 140 Nationen und Organisationen als Teilnehmer (55 davon mit einem eigenen Pavillon). Angesichts der dramatischen Ernährungslage einer immer schneller wachsenden Weltbevölkerung gibt es hier ein brennend aktuelles Problem. Und, wie man gleich am Eingang in dem von Michele De Lucchi als aufgeschnittene Hügellandschaft entworfenen „Padiglione Zero“ (Pavillon Null) in einer eindrucksvollen Mammutausstellung sehen kann, ist das eine der ganz großen kulturgeschichtlichen Fragen überhaupt.
Ausstellungen
Eine Ausstellung im Mailänder Palazzo Reale (16.4.-19.7. 2015) Mailand und Leonardo, das ist eine Erfolgsgeschichte, die über zwei Jahrzehnte lang dauerte. Mit 29 Jahren verließ Leonardo da Vinci seine heimatliche Toskana und ging im Jahr 1481 an den Hof von Ludovico Sforza, wo er vor allem als Ingenieur, Erfinder und Architekt Maschinen, Waffen und Festungsanlagen entwickelte und sich mit wissenschaftlichen Fragen von der Biologie bis zur Mathematik auseinandersetzte. Er war zudem als Musiker und Ausrichter von Festveranstaltungen höchst geschätzt. Aber auch als Maler und Bildhauer vermehrte er den Ruhm seines Herren – und seinen eigenen, wie etwa die ungeheure Nachwirkung der Darstellung des Abendmahls belegt. In den kriegerischen Wirren der Renaissancezeit verließ Leonardo Mailand 1499, kehrte aber nach Aufhalten in Mittelitalien für gut sechs Jahre wieder dorthin zurück.
DEN GANZEN LEONARDO IM BLICK
Thomas Mann und Luchino Visconti in einer Ausstellung in Rom über „Mario und den Zauberer“ Thomas Mann beschreibt in seiner Erzählung „Mario und der Zauberer“ ein Urlaubserlebnis aus dem faschistischen Italien der 1920er Jahre. Dabei geht es in einem Badeort – unschwer als Forte dei Marmi zu erkennen – um die Auswirkungen des bedrückenden politischen Klimas bis in die alltäglichen Beziehungen am Strand und in den Ferieneinrichtungen. Die Erzählung gipfelt in einer Abendveranstaltung mit dem verkrüppelten Zauberer Cipolla und endet tragisch mit seinem Tod. Der Thomas-Mann-Verehrer Luchino Visconti zeigt sich nach dem Krieg begeistert von dem Stoff. Er entwickelt daraus im Sommer 1952 das Libretto für ein Ballett, das sein Schwager, der spätere Filmkomponist Franco Mannino, für eine Aufführung von „Mario e il Mago“ an der Mailänder Scala vertont. Im Frühjahr 1953 kommt Thomas Mann aus der Schweiz nach Rom. Bei einem Empfang trifft er Visconti und Mannino und lässt sich das Libretto wie auch die Partitur zeigen. Mannino beschreibt in seinen Erinnerungen diese Begegnung, bei der Visconti „blass vor Aufregung“ ist. Doch Thomas Mann lobt „mit festem und zustimmendem Blick“ die Arbeit. „Bravo“, sagt er, „ich befürchtete, sie hätten im expressionistischen Stil komponiert. Ich bin froh darüber, dass sie […]
KEINEN EXPRESSIONISMUS BITTE
Zwischen Thüringen und Ligurien: Das bewegte Leben des Bauhausschülers Otto Hofmann Pompeiana (Ligurien), Dezember 2009. Vom kleinen Friedhof von Pompeiana, wo Otto Hofmann (1907-1996) begraben liegt, fällt der Blick die kurvige steile Straße hinunter auf den alten Borgo mit seinem Sarazenenturm und der barocken Kirche Santa Maria Assunta. Von dort gleitet er ins Tal, das sich südwärts zum ligurischen Meer und zur Mittagssonne öffnet, als wollten die sanften Hügelketten unterhalb des Monte Croce zwischen Sanremo und Imperia die Welt mit offenen Armen empfangen. In dieses vom Licht durchflutete Klimaparadies, in dem noch in den Wintermonaten die Bougainvillea feurig blühen und es nach Jasmin duftet, hatte sich Mitte der siebziger Jahre der Maler, Fotograf und Designer Otto Hofmann mit seiner Frau Marianne zurückgezogen. Als Schüler von Paul Klee und Wassily Kandinsky Das weiße mediterrane Licht und die vibrierenden Farben des Hinterlands der Riviera haben in ein Spätwerk Eingang gefunden, das heiterer nicht sein könnte. Zeit seines Lebens hat sich Hofmann einen kindlichen Blick bewahrt. Abstrakte und konkrete Formen, phantasievoll stilisiert, bewegen sich dabei durch einen landschaftsartigen Hintergrund. Es sind teilweise großformatigen Arbeiten, die auf der Retrospektive zu sehen sind, die der Palazzo Ducale von Genua in diesen Wochen Otto Hofmann widmet. […]
NEBEN DEM SARAZENENTURM
Die Fotografie in der Kunstgeschichte und eine Online-Ausstellung zum Kreuzgang von Monreale Florenz/Mailand (2009) – Es ist eine Frage der Methode: „Wer die meisten Photos hat, gewinnt.“ Mit diesem Satz brachte Erwin Panofsky die tragende Rolle der Fotografie in der kunsthistorischen Beurteilung auf den Punkt. Fotos von Kunstwerken gelten nicht nur als Gedächtnisstütze für den Wissenschaftler oder als Lehrmittel im Unterricht, sondern als Dokument und als Beweis im wissenschaftlichen Streit. Und sogar als Ersatz für das, was man selbst nie gesehen hat, obwohl man ausführlich darüber redet – wie etwa Richard Krautheimer einmal selbstkritisch anmerkte.
