„Sylvie“ von Gérard de Nerval, Umberto Eco und Burkhart Kroeber Mailand – Anzuzeigen ist ein kleines Buch von europäischem Format. Es enthält die zauberhafte Erzählung „Sylvie. Erinnerungen ans Valois“ von Gérard de Nerval, die 1853 zum ersten Mal erschien, auf Französisch und Deutsch. Dazu den Essay „Der Nebel zwischen den Wörtern“, in dem der Italiener Umberto Eco sich mit dem Text auseinandersetzt. Und versucht, das Faszinosum einer Lektüre zu erklären ( – was allerdings nicht immer möglich ist und vielleicht manchmal nur nachgefühlt werden kann).
Bücher-Kuerze
Stefano Bennis kleiner Erzählband „Die Pantherin“ Mailand – Einst schrieb er Gags für den Komiker Beppe Grillo. Doch die Italiener haben Stefano Benni längst als einen ihrer vielseitigsten Autoren kennen und lieben gelernt. In Bologna 1947 geboren gehört er auch zu den im Ausland erfolgreichsten Erzählern und Lyriker des Landes mit weltweit über 2,5 Millionen verkauften Exemplaren seiner Bücher. Spielerisch wechselt er die Genres zwischen Science-Fiction und Satire, Märchen und Comic, zwischen Literatur, Theater, Film und Journalismus. In seinem jüngsten auf Deutsch bei Wagenbach erschienenden Band „Die Pantherin“ ist er zur Novelle zurückgekehrt. (Die italienische Ausgabe kam 2014 unter dem Titel „Pantera“ bei Feltrinelli heraus.)
DARK LADY UND KORALLEN NIXE
Sandor Weltmanns labyrinthische Erzählung „Città di mare con nebbia“ Mailand – Unheimlich geht es zu in der Erzählung Città di mare con nebbia, die ein gewisser Sandor Weltmann auf Deutsch geschrieben haben soll und die Hans Tuzzi jetzt übersetzt und beim Mailänder Verlag Skira herausgegeben hat. „Stadt am Meer im Nebel“ spielt am Ende des Jahres 1888 in einer deutschen Hafenstadt an der Ostsee. Ein Ungeheuer versetzt die Autoritäten in Angst und Schrecken, angesehene Bürger werden ermordet und ihren Leichen werden die Herzen beraubt. Ein geheimnisvoller Gast aus Portugal taucht auf und verschwindet wieder wie das Böse nach einer gespenstischen Jagd durch die Kanalisation.
GEHEIMNISVOLLE GÄSTE (UND AUTOREN)
Diogo Mainardi erzählt in „Der Fall“, wie sein Sohn mit einer schweren Behinderung aufwächst Venedig – Ein Ehepaar auf dem Weg zum Krankenhaus, das in der Scuola Grande di San Marco hinter der prächtigen, von Pietro Lombardo 1489 entworfenen Fassade untergebracht ist. Die Frau, hoch schwanger, hat Angst vor der Geburt, das Krankenhaus ist für Behandlungsfehler bekannt. Der Mann sagt: „Bei dieser Fassade nehme ich sogar ein verkrüppeltes Kind.“ Das Kind, Tito, wird falsch behandelt und leidet seitdem unter Zerebralparese. Muskelschwäche und spastische Lähmungen sind die Folge.Der Vater, der brasilianische Journalist und Schriftsteller Diogo Mainardi, fühlt sich schuldig an der Behinderung seines Kindes und wird gleichsam als neuer, anderer Mensch geboren: „Ich bin Titos Vater. Es gibt mich nur, weil es Tito gibt.“
SCHRITT FÜR SCHRITT
Gedichte von Anna Maria Carpi Mailand. Anna Maria Carpi erzählt mit ihren Gedichten einfache Geschichten, lässt Situationen lebendig werden und Orte. Man wird von ihren Beobachtungen von der ersten Zeile an gepackt: „Zwei handgeschriebene Zettel / im Einkaufswagen: / Der da ist verdreckt, sagt eine biedere Dame, / und will ihn nicht.“ Eine oberflächliche Begegnung im Supermarkt, Einkaufszettel mit Warenwünschen von „Nesquik in der Tüte“ bis zu „Scheuermittel“. Alltag blitzt auf: „ Als sähe ich in eine Küche / in einer Nebenstraße, in einer Wohnung, / das Licht vom Hof, dann den Abend, / ein ganzes fremdes Leben, / und mir wird bange.“
