Die Accademia Teatro alla Scala (2): Ein Gespräch mit dem Intendanten Alexander Pereira über die Ausbildung an der Akademie, die Inszenierung einer Zauberflöte sowie über Publikumspflege von klein auf Mailand – Der Wiener Kulturmanager Alexander Pereira leitet seit September 2014 in der Nachfolge von Stéphane Lissner das Teatro alla Scala. Zuvor war er Intendant der Oper Zürich (1991-2012) und der Festspiele Salzburg (2012-2014). Seit Jahren setzte er sich intensiv für die Förderungen des künstlerischen sowie des technischen Nachwuchses bei Bühnenberufen ein. Mit der Accademia Teatro alla Scala (siehe hier den Bericht auf Cluverius), der er auch als Präsident vorsteht, hat der 69jährige dafür ein ideales Betätigungsfeld gefunden.
Mailand
Die Madame Butterfly an der Mailänder Scala: Eine Wanderung durch die Bühnen- und Kulturgeschichte über vier Stationen von 1904 bis 1985 (und heute) im Scalamuseum Mailand (Museo Teatro alla Scala bis 28.2. 2017) – Die Geschichte der Aufführungen der Madame Butterfly an der Mailänder Scala, wo sie im Februar 1904 auch ihre Uraufführung erlebte, ist voller Höhen und Tiefen. Sie reicht vom Misserfolg ausgerechnet bei der Weltpremiere bis zu wundervollen Entdeckungen der altjapanischen Kultur etwa in einer Inszenierung von 1985. Im Scalamuseum ist parallel zur Spielzeiteröffnung mit einer Neuinszenierung der Puccini-Oper eine kleine, bezaubernde Ausstellung mit Kostümen, Dokumenten und Entwürfen aus über Einhundert Jahren zu sehen. Sie ermöglich Einblicke in vier wichtige Momente (1904, 1925, 1951, 1985) der Aufführungsgeschichte.
PRÄCHTIGE KOSTÜME, REICHE DOKUMENTE
Pinakothek Brera: Ein neuer Direktor hat frischen Wind in Mailands Nobelmuseum gebracht. Doch jetzt stellt er ein Gemälde von Caravaggio aus Privatbesitz aus, dessen Zuschreibung bestritten wird. Über den schmalen Grad zwischen Markt und Museum ist eine heftige Diskussion ausgebrochen. Mailand (bis 5.2.2017) – Selten wurde ein Mord so realistisch in einem Gemälde dargestellt. Blut spritzt und man glaubt den Schrei des Opfers zu hören. Judith enthauptet, assistiert von einer alten Dienerin, ihren Todfeind Holofernes. Michelangelo Merisi, den die Kunstgeschichte Caravaggio nennt, ist ein Meister in naturalistischen Dramaturgien. Das Motiv der Enthauptung hatte er bereits 1602 in Rom dargestellt. Ein paar Jahre später malte er in Neapel eine neue Fassung. Die galt bislang als verschollen. Kürzlich wurde in Frankreich – auf einem Dachboden (!) – eine Leinwand mit diesem Motiv gefunden und zum Kauf angeboten. Manche Kritiker halten sie für das Original. Andere, wie etwa Sybille Ebert-Schifferer, die Leiterin der Bibliotheca Hertziana (Rom), haben erhebliche Zweifel. Dass aber diese umstrittene Arbeit aus Privatbesitz nun bei einer kleinen Ausstellung („Attorno a Caravaggio“) der Mailänder Pinakothek Brera gezeigt wird, löste zum Teil heftige Kritik in den italienischen Medien aus. Und der Kunsthistoriker Giovanni Agosti verließ deswegen den wissenschaftlichen Beirat des Museums.
VIEL LÄRM UM CARAVAGGIO
Zu Tisch: Das panierte Kalbsschnitzel – als Cotoletta von Mailand aus gesehen Eine Geste wie eine Liebkosung: Vorsichtig drückt Cesare das Kotelettstück mit der Handfläche, dass es nicht mehr als circa zwei Zentimeter dick ist. Dann wird es in gequirltem Ei gewendet, mit Brotbröseln überstreut und wandert schließlich in die Pfanne mit dem heißen Butterschmalz. Cesare lässt es auf jeder Seite zusammen mit Salbei rund vier Minuten braten. Etwas Salz und fertig: einheitlich goldbraun überzieht die Panade diese Cotoletta (oder Costoletta) milanese, wirft zarte Falten und Wellen wie die kaum bewegten Wasser eines Sees. Wenn man es aufschneidet, leuchtet das Fleisch frisch rosa. Gleich beim ersten Biss vermischt sich im Mund der buttrige Geschmack der knusprigen Panade mit dem saftigen Kalbsfleisch. Aber zum Panieren gehört doch Mehl? Nein!!! Cesare bekommt fast einen Schreikrampf, niemals Mehl bei einem Mailänder Schnitzel. Und bitte auch nicht flach klopfen. Dann könne man doch gleich nach Wien gehen.
MIT ZARTEN FALTEN
Dario Fo ist tot. Der Komödiant, Autor, Maler und streitbare Intellektuelle starb in Mailand im Alter von 90 Jahren Mailand – Dario Fo war ein unermüdlicher Komödiant. Noch vor drei Wochen lud der Literaturnobelpreisträger von 1997 Freunde und Journalisten in seine Wohnung, um sein neuestes Buch vorzustellen. Eine Art volkstümliche Biographie von Darwin mit dem Untertitel „Sind wir Affen väterlicher- oder mütterlicherseits?“ Und er war auch als Neunzigjähriger bereit, sich in öffentliche Debatten einzumischen. Ende August hatte ihm die Zeitschrift L’Espresso wegen seiner Unterstützung der Fünfsterne-Bewegung von Beppe Grillo eine vereinfachte Weltsicht und Populismus vorgeworfen. Stolz antwortete er in einem Artikel: Natürlich sei er ein Populist, im positiven Sinne ein Mann des Volkes. Er wollte sein Leben nichts anderes tun, als dem Volk Stimme zu geben. Dafür sei er ausgelacht, angegriffen, verfolgt worden.
