Traditionell wird die italienische Buchmesse, der Salone del Libro, jeweils Mitte Mai in Turin veranstaltet. Nun plant der Verlegerverband ab Mitte April kommenden Jahres eine eigene Messe in Mailand abzuhalten. Turin will jedoch nicht zurückstecken. Mailand – In Italien streitet man sich um die nationale Buchmesse. Bislang gibt es eine Hauptmesse, veranstaltet von einer regionalen Kulturstiftung jeweils Mitte Mai in Turin. Neben diesem Salone del Libro organisiert der Verlegerverband jährlich Anfang Dezember eine Messe für kleinere und mittlere Verlage in Rom, die größte Veranstaltung dieser Art in Europa. Im kommenden Jahr wird eine dritte nationale Messe dazu kommen, die jetzt in Mailand unter dem Titel Tempo di Libri – „Bücherzeit“ – vorgestellt wurde. Sie wird wie die römische Veranstaltung vom Verlegerverband organisiert, der sich bei der Durchführung des Turiner Salone nicht ausreichend repräsentiert fühlt. Tempo di Libri soll das erste Mal Mitte April kommenden Jahres in Mailand nur vier Wochen vor dem Salone in Turin abgehalten werde.
Mailand
Einleitung zu „Mailand – Eine literarische Einladung“ (*) „Mailand, herrlich unter den Städten, wie die Rose oder die Lilie unter den Blumen, die Zeder im Libanon, der Löwe unter den Vierbeinern und der Adler unter den Vögeln.“ So jubelnd wie Bonvesin de la Riva im Jahr 1288 seine Heimatstadt beschrieb, wird es kaum ein Schriftsteller heute noch tun. Heute geht man eher auf Distanz. Aber der Gelehrte und Frate der aufmüpfigen Bruderschaft der Humiliaten fand Worte, die einen frühen Zusammenhang zwischen Stadtbeschreibung und Literatur belegen. Der Grammaticus Bonvesin de la Riva gilt als Mitbegründer des „Volgare“ einer lombardisch-venetischen Schriftsprache. Zugleich verfasste er den vermutlich ersten „Reiseführer“ Mailands, den aber auf Latein: De magnalibus urbis Mediolani.
ANSICHTEN EINER STADT
Thomas Demands „ L’Image Volée“ und Edward Kienholz – zwei Ausstellungen bei der Fondazione Prada Mailand – (Fondazione Prada bis 28. August bzw. 31. Dezember) Mit zwei Ausstellungen unterstreicht die Fondazione Prada in Mailand ihren Anspruch, unterschiedliche Strömungen der Gegenwartskunst und der Moderne zu dokumentieren wie zu interpretieren. Auf eine höchst anregende Art zeigt Thomas Demand, der sich selbst als „Illusionist“ versteht, wie Künstler sich im Verlauf der jüngeren Geschichte an Modellen bestehender Arbeiten und Techniken orientierten, sie benutzten, kopierten, ausbeuteten. Unter dem Titel L’Image Volée („Das beraubte Bild“) hat er 90 Arbeiten von rund 60 Künstlern zusammengestellt.
UNSICHTBAR, BESTOHLEN, LEBENSGROSS
Sandor Weltmanns labyrinthische Erzählung „Città di mare con nebbia“ Mailand – Unheimlich geht es zu in der Erzählung Città di mare con nebbia, die ein gewisser Sandor Weltmann auf Deutsch geschrieben haben soll und die Hans Tuzzi jetzt übersetzt und beim Mailänder Verlag Skira herausgegeben hat. „Stadt am Meer im Nebel“ spielt am Ende des Jahres 1888 in einer deutschen Hafenstadt an der Ostsee. Ein Ungeheuer versetzt die Autoritäten in Angst und Schrecken, angesehene Bürger werden ermordet und ihren Leichen werden die Herzen beraubt. Ein geheimnisvoller Gast aus Portugal taucht auf und verschwindet wieder wie das Böse nach einer gespenstischen Jagd durch die Kanalisation.
GEHEIMNISVOLLE GÄSTE (UND AUTOREN)
Eine Neuinszenierung der Dreigroschenoper am Piccolo Teatro Mailand – Am Anfang hat Mackie Messer schon die Schlinge um den Hals. Die Inszenierung der Dreigroschenoper am Mailänder Piccolo Teatro zieht das Stück von hinten auf. Das Urteil ist gesprochen, Mackie muss hängen. Wie in einer Rückblende entwickelt sich dann die Geschichte bei einem Gerichtsprozess, den sich Regisseur Damiano Michieletto als erzählerischen Rahmen erdacht hat, in den die einzelnen Szenen und Songs mit der Musik von Kurt Weill eingebettet sind. Ort der Handlung ist ein vergitterter Gerichtssaal. Verräterischen Huren, korrupte Polizisten, verbrecherische Unternehmer sitzen, soweit sie nicht in die Handlung eingebunden sind, auf der Bank der Geschworenen. In einer Welt, die gut sein möchte, es aber nicht kann – denn „die Verhältnisse, sie sind nicht so“ – gehen die Sphären der Justiz und des Verbrechens ineinander über.
