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Peter Kammerer hat für die spannende Buchveröffentlichung „Geheimsache Italien“ von Giuliano Turone eine „Gebrauchsanweisung“ als Einleitung mit Seitenblicken auch nach Deutschland geschrieben. Hier Auszüge Mailand – Das Buch „Geheimsache Italien – Politik, Geld, Verbrechen“, das gerade im Verlagshaus Römerweg erschienen ist, behandelt die Vorgänge in Italien zwischen dem Ende der 1970er- und dem Anfang der 1980er-Jahre. Der ehemalige Staatsanwalt und emeritierte Richter des römischen Kassationsgerichtshofes Giuliano Turone geht in einer akribisch recherchierten und zugleich spannend zu lesenden Dokumentation auf Basis von juristischen Quellen den verbrecherischen und antiinstitutionellen Machenschaften nach, die Gesellschaft und Politik erschütterten und die Italien an den Rand einer Staatskrise führten. Der Autor nimmt den Leser mit auf eine nicht immer leicht zu verfolgende Erzählung zwischen u.a. der Geheimloge P2, organisierter Kriminalität und terroristischen Verbindungen. Die Originalausgabe des Buches erschien 2019 im Mailänder Verlag Chiarelettere. Peter Kammerer bahnt in einer der deutschen Übersetzung vorangestellten „Gebrauchsanweisung“ den Weg durch eine Fülle von Fakten und Beziehungen und schlägt Brücken auch zu deutschen Verhältnissen. Im Folgenden werden weite Abschnitte zitiert (und mit Zwischentiteln versehen).

DIE DEMOKRATIE UND DIE ZAUBERLEHRLINGE


Die 18. Internationale Architekturbiennale „The Laboratory of the Future” stellt in Venedig Afrika in den Mittelpunkt und setzt sich mit Fragen der Dekarbonisierung wie der Dekolonisierung auseinander. Kritiker beklagen eine Architekturbiennale ohne Architektur. Venedig/Mailand – Die 18. Internationale Architekturbiennale, die noch bis Ende November zu besichtigen ist, will eine Biennale des Umbruchs sein. Keine Schau, keine Präsentation des Bauens und Planens mehr, wie wir heute leben, sondern eine Werkstatt der Ideen, der Kritiken, der Erinnerungen, um über das Leben morgen nachzudenken. Ein „Labor der Zukunft“, so der Titel, den die schottisch-ghanesische Kuratorin Lesley Lokko ihrer Biennale gegeben hat. Die 59-jährige Architekturtheoretikerin verzichtet dabei auf bekannte Namen, sie setzt auf junge Teilnehmer und Teilnehmerinnen – Durchschnittsalter: 43 Jahre – und rückt zum ersten Mal in der Geschichte der Biennalen Afrika in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung. Vieles ist anders in diesem Jahr, was allerdings die Ausstellungsbereiche (Arsenale, Giardini, weitere Orte im Zentrum Venedigs) angeht, hält sie sich jedoch an die übliche Aufteilung.

„WIE SCHWER ES IST, SCHWARZ ZU SEIN“



Zwischen Mobiltelefon und Zombie-Ballett: Ernste Opern – nicht alle ganz ernst genommen – sowie große Stimmen auf dem Rossini Opera Festival. Im nächsten Jahr kehrt u. a. „Il barbiere di Siviglia“ zurück. Pesaro/Mailand (bis 23. 8.) – Das 45. Rossini Opera Festival (ROF) der Adriastadt Pesaro steht in diesem Jahr ganz im Zeichen des „ernsten“ Rossini. Neben der Neuproduktion „Adelaide di Borgogna“ und der zum ersten Mal vom ROF aufgeführten Inszenierung von „Eduardo e Cristina“ wurde eine Wiederaufnahme des „Aureliano in Palmira“ gezeigt. Dazu Konzertabende wie die „Cantata in onore del Sommo Pontefice Pio IX” oder die „Petite messe solennelle”. So als wollte man das große Verdienst des Festivals unterstreichen, das von Beginn (1980) an die verschüttete Tradition von Rossini als Komponisten der Opera seria wieder aufleben ließ. Und damit weltweit eine Rossini-Renaissance auslösen konnte. Zuvor war die Rezeption des  „Schwans von Pesaro“ auf wenige Werke der Opera buffa („Il barbiere di Siviglia“, „L’italiana in Algeri“) beschränkt geblieben.

SAPPHISCHE KÜSSE


Der Pirelli HangarBicocca in Mailand zwischen Produktion und Kultur: das Erfolgsmodell einer privaten Ausstellungseinrichtung   Mailand – Diese teilweise über 30 Meter hohen Räume muss man erst einmal auf sich wirken lassen. Mit insgesamt 15.000 Quadratmeter ebenerdiger Ausstellungsfläche in einer ehemaligen Industrieanlage am nördlichen Stadtrand von Mailand gilt der Pirelli HangarBicocca als eine der größten Ausstellungseinrichtungen für Gegenwartskunst in Europa. Die Nonprofit-Kulturstiftung wurde 2004 gegründet, als der Pirelli-Konzern Werkhallen einer früheren Lokomotivfabrik aufkaufte, um hier Raum für Anselm Kiefers monumentale Installation „Sieben Himmlischen Paläste“ zu schaffen: Zwischen 14 und 18 Meter hohe Betontürme, die, wenn man sie so lesen will, nach der (Selbst-)Zerstörung der westlichen Zivilisation gleichsam neue Wege zum Göttlichen suggerieren. Ab 2015 wurde die Installation mit großflächigen Gemäldearbeiten Kiefers wie die „Die Deutsche Heilslinie“ ergänzt.

INDUSTRIELLER HUMANISMUS



Ausschreibung für neue Museumsdirektoren in Italien  Mailand/Rom – Die Besetzung der „superdirettori“, wie die Chefposten der großen und mit einer Autonomie ausgestatteten staatlichen Museen von den italienischen Medien genannt wird, geht in eine neue Runde. In den Vorjahren hatten Mitte-links-Regierungen Bewerbungen von ausländischen Persönlichkeiten favorisiert – etwa den Deutschen Eike Schmidt als Leiter der Uffizien in Florenz oder den Briten James Bradburne bei der Brera in Mailand. Ein halbes Dutzend von Museen und Kultureinrichtungen kamen so unter ausländisches Fachpersonal, was zum Teil wütende Proteste aus rechtsorientierten Kulturkreisen auslöste. Neuerdings bestimmt eine national orientierte Regierung in Rom das staatliche Kulturwesen. Und es stehen Neubesetzungen in einer ganzen Reihe von Institutionen an. Darunter auch die Uffizien, die Brera oder das Capodimonte (Neapel). Gibt es einen nationalistischen Rechtsruck: Ausländer raus?

NATIONAL ODER INTERNATIONAL?