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Videodramen von Diego Marcon in einem Puppentheater. Seit 20 Jahren nutzt die Fondazione Trussardi Mailand als Spielfläche für Kunstaktionen Mailand  ­– Es begann vor zwanzig Jahren mit einer Installation von Elmgreen & Dragset, die einen Wohnwagen-Anhänger aus dem Boden der Mailänder Galleria gleichsam herausbrechen ließen. Unter der künstlerischen Leitung von Massimiliano Gioni präsentiert die Fondazione Trussardi (Präsidentin Beatrice Trussardi) seitdem jährlich eine mehr oder weniger provokante Aktion von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern an wechselnden, oft überraschenden Orten Mailands und nutzt die Stadt als ein „museo mobile“. In diesem Jahr sind Videoarbeiten von Diego Marcon in der Spannung zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen, die unter dem Titel „Dramoletti“ in der ehemaligen Puppenbühne Teatro Gerolamo zu sehen sind. Das Theater, ein architektonisches Kleinod aus dem 19. Jahrhundert, wird wegen seiner Eleganz auch „la piccola Scala“ genannt.

MUSEO MOBILE


Eine vergnügliche Art, die Geschichte der Malerei zu durchstreifen, bietet Nick Trend in seinem Buch „Meilensteine“. Mailand – Fragen nach Inhalt und Form, nach Entstehung und Rezeption sind die klassischen Ansatzpunkte der Kunstgeschichte. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kunstwerken geht dabei notgedrungen über das Verständnis und das Bedürfnis vieler Besucher von Museen, Kirchen oder Monumenten hinaus. Und sie ist dabei, sich wie andere Wissenschaftszweige auch in viele Disziplinen aufzuspalten und das Ganze aus dem Auge zu verlieren. Sicher, es gibt viele Versuche, populäre Zugänge zu schaffen, die aber häufig mit bildungsbürgerlichen Ansätzen belastet sind oder sich in Stilfragen (Barock? Renaissance?) verlieren. Der britische Journalist und Kunsthistoriker Nick Trend wählt einen anderen Ansatz, um Schneisen durch die Kunstgeschichte zu schlagen. Er sucht nach „Meilensteinen“ auf diesen Wegen. Danach, wie alles angefangen hat. Nach dem ersten Lächeln, dem ersten Selbstporträt, dem ersten Stillleben. Und liefert somit für neugierige Laien eine unterhaltsame „Geschichte der Kunst in 30 Schlüsselwerken“ (so der Untertitel des im Laurence King Verlag erschienen Buches).

VON ANFANG AN



Bergamo und Brescia als „Kulturhauptstadt Italiens 2023“: wirtschaftlich reich, künstlerisch lebendig Mailand – Bergamo leuchtet. Und Brescia auch. Die beiden lombardischen Städte sonnen sich gemeinsam im Licht einer „Kulturhaupt Italiens 2023“, nachdem sie besonders zu Anfang der Pandemie einen hohen Blutzoll entrichten mussten. Unvergessen das Symbolfoto eines Konvois von Militärfahrzeugen, mit denen Dutzende von Särgen aus den überlasteten Krematorien Bergamos abtransportiert wurden. Jetzt sollen und wollen sich die Städte gleichsam in einem Akt der Wiedergutmachung von ihrer guten, ihrer kulturell-touristischen Seite zeigen.

LOMBARDISCHES TANDEM


Wie die Mailänder Triennale ihren 100. Geburtstag feiert Mailand – Vorhang auf für die Feiern zum hundertjährigen Bestehen der Triennale. Am 19. Mai 1923 wurde in der Villa Reale in Monza die Biennale der dekorativen Künste (Architektur, Handwerk, Design) als Gegenstück zur Kunst-Biennale in Venedig eröffnet. Aus der Biennale wurde bald eine Triennale, eine internationale Ausstellung alle drei Jahre, die 1933 nach Mailand in den eigens von Giovanni Muzio erbauten Palazzo dell’Arte umzog. Heute ist die Triennale ein Zwitter. Neben der Dreijahresausstellung, die nicht immer in regelmäßigen Abständen abgehalten wird (zuletzt 2022), ist sie eine feste (öffentlich geförderte) Einrichtung, in der das ganze Jahr über Ausstellungen und Veranstaltungen zur Kunst, Architektur, Design etc. veranstaltet werden. Dazu kommen Aufführungsreihen zum Gegenwartstheater. Der Palazzo dell’Arte beherbergt außerdem mit dem Museo del Design die wichtigste Sammlung des Landes zum italienischen Design. Neu geordnet zeigt sie seit Ostern passend zum Jubiläum einen historischen Überblick über die 100 Jahre Design in Italien.

HOME SWEET HOME



Andreas Löhrer verfolgt mit einer gründlichen Recherche die Spuren des Partisanenliedes „Bella Ciao“, das gerade in diesen Tagen neue Aktualität erhält Mailand ­– Der 25. April, Jahrestag der Befreiung Italiens von deutscher Besatzung und Faschismus, steht in diesem Jahr 2023 unter besonderen Vorzeichen. Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte wird das Land von einer Koalition unter Führung der Partei Fratelli d’Italia regiert, die sich aus der postfaschistischen Bewegung MSI entwickelt hat. Zwar hat sich die pragmatisch auftretende Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zuletzt von jeglicher faschistischer Ideologie distanziert, dennoch wird man kaum erwarten können, dass sie am 25. April in den Chor derjenigen einstimmt, die Bella Ciao singen. Zumal Parteigenossen wie der Senatspräsident Ignazio La Russa aktuell alles tun, um den antifaschistischen Widerstand kleinzureden. Denn es geht um ein Lied, das „zur Hymne der Erinnerung an die Resistenza“ wurde, wie Andreas Löhrer schreibt, der in seinem informativen Buch „Bella Ciao“ (Verlag Edition AV)  die teilweise verschlungen „Spuren eines Partisanenliedes“ verfolgt und akribisch dokumentiert.

EIN UNIVERSELLES LIED DER FREIHEIT